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Cannabis erhöht das Risiko für Vorhofflimmern

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Von: Pamela Dörhöfer

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Beliebte Form des Cannabis-Konsums ist der Joint. Getty
Beliebte Form des Cannabis-Konsums ist der Joint. © Getty Images

Eine Studie aus den USA mit 23 Millionen Menschen untersucht die Auswirkungen von Cannabis und anderen Substanzen auf den Herzrhythmus.

Frankfurt – Im US-Staat Kalifornien ist die Nutzung von Cannabis zu medizinischen Zwecken bereits seit 1996 legal und seit Januar 2018 auch der Verkauf, Besitz und Konsum für den Freizeitgebrauch – unter gewissen Einschränkungen, wie es auch in Deutschland geplant ist.

Aus Kalifornien kommt nun eine groß angelegte Studie, die sich mit den Folgen des Konsums von Cannabis (insbesondere Marihuana) und anderer Substanzen für den Herzrhythmus beschäftigt. Bei diesen anderen Substanzen handelt es sich um das Aufputschmittel Methamphetamin („Crystal Meth“), um Kokain und Opioide; letztere umfassen illegale Drogen wie Heroin ebenso wie starke Schmerzmittel.

Studie: Cannabis-Konsum erhöht das Risiko für Vorhofflimmern

Das Ergebnis: Alle untersuchten Stoffe erhöhten die Wahrscheinlichkeit, Vorhofflimmern zu entwickeln, deutlich – Cannabis um 35 Prozent, Kokain um 61, Opioide um 74 und Methamphetamin sogar um 86 Prozent. Die vergangene Woche im „European Heart Journal“ veröffentlichte Studie von Forschenden der University of California (San Francisco) basiert auf den Daten von mehr als 23 Millionen Menschen. „Meines Wissens ist dies die erste Studie, die die Verwendung von Marihuana als Prädiktor für späteres Vorhofflimmern untersucht“, sagt der leitende Autor und Kardiologe Gregory Marcus laut einer Mitteilung der Hochschule.

Sein Team hatte für die Jahre 2005 bis 2015 aus Diagnosecodes Daten von jedem Krankenhausaufenthalt, jedem Besuch in der Notaufnahme und jedem medizinischen Eingriff in Kalifornien analysiert und nahezu eine Million Menschen identifiziert, die nicht unter einem vorbestehendem Vorhofflimmern litten, diese Erkrankung jedoch entwickelten. Es stellte sich heraus, dass 132.834 dieser Patientinnen und Patienten Cannabis konsumierten, 98.271 Methamphetamin, 48.700 Kokain und 10.032 Opioide.

Vorhofflimmern: Cannabis begünstigt das Risiko für Herzrhythmusstörungen

Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, bei der sich durch elektrische Störungen die Vorhöfe schnell und unkontrolliert bewegen – was zu einem beschleunigten, unregelmäßigen Herzschlag führen kann. Bei schweren Fällen können sich dadurch Blutgerinnsel in den Vorhöfen bilden, die sich ablösen, in den Blutkreislauf gelangen und Schlaganfälle verursachen. Geschätzt gehen etwa 20 Prozent aller Schlaganfälle auf Vorhofflimmern zurück.

Zu den größten Risikofaktoren für Vorhofflimmern zählen Bluthochdruck und ein höheres Alter. Aber auch Stress, Übergewicht, Alkohol und Rauchen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, Vorhofflimmern zu bekommen. Laut Studienautor Marcus kann zudem Feinstaub bei bestehendem Vorhofflimmern einen akuten Anfall auslösen, weil er Entzündungen verstärkt und diese ein Auslöser für Vorhofflimmern seien.

Cannabis erhöht das Risiko für Vorhofflimmern: Schädlicher Einfluss könnte über die Lunge kommen

Über welchen Mechanismus Cannabis das Risiko für Vorhofflimmern erhöht und welche Inhaltsstoffe dafür verantwortlich sind, hat die Studie nicht untersucht. Für Kokain und Methamphetamin hingegen sei bekannt, dass sie zu „tiefgreifenden Störungen der geordneten elektrischen Signalübertragung und des Pumpens in andern Kammern des Herzens, den Ventrikeln, führen“. Das könne nicht nur Rhythmusstörungen, sondern auch einen plötzlichen Herztod auslösen.

Marcus hält es für plausibel, dass der schädliche Einfluss von Cannabis auf das Herz über die Lunge kommt. Eingeatmete Substanzen könnten direkt von der Lunge zu den Lungenvenen gelangen, die in den linken Vorhof entleert werden, erklärt er. Die Forschenden der University of California hoffen, demnächst kontrollierte Studien mit menschlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern realisieren zu können, um die Auswirkungen von Marihuana auf den Herzrhythmus „direkter“ zu untersuchen.

Cannabis erhöht das Risiko für Vorhofflimmern: Das sind andere Nebenwirkungen

Für Cannabis sind noch andere Nebenwirkungen bekannt, etwa Schwindel, Mundtrockenheit, Blutdruckabfall sowie bei längerem Konsum Psychosen. Weil Cannabis chronische Schmerzen, Krämpfe oder Übelkeit und Erbrechen positiv beeinflussen kann, wird es zunehmend auch als Medikament eingesetzt.

Die University of California weist in ihrer Mitteilung darauf hin, dass in den USA die Zahl der Menschen, die Cannabis, Opioide und Methamphetamin konsumieren, gestiegen sei. Angesichts dieser Entwicklung erwartet Gregory Marcus, dass auch die Häufigkeit gesundheitlicher Schäden zunimmt. Was den Cannabiskonsum angehe, so bestätigten auch jüngere Beobachtungsdaten, dass dieser mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit eines Krankenhausaufenthaltes wegen einer Arrhythmie des Herzens verbunden sei. „Unsere Studie schafft zusätzlich Klarheit über die möglichen langfristigen gesundheitlichen Folgen“, heißt es in der Publikation. (Pamela Dörhöfer)

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