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Das Karolinska-Institut hat gestern in Stockholm die Preisträger des diesjährigen Medizin-Nobelpreises bekannt gegeben.

Nobelpreis

Nobelpreis für Entdecker des Hepatitis-C-Virus: Millionen Menschen verdanken ihnen ihr Leben

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Mit der Entdeckung des Hepatitis-C-Virus ging der Nobelpreis für Medizin in diesem Jahr an zwei Amerikaner sowie einen Briten. Ihre Forschungen trugen maßgebend zur Bekämpfung des Hepatitis-C-Virus bei und lässt auch auf eine Eindämmung des Coronavirus hoffen.

  • Der Nobelpreis in Medizin geht an die Entdecker des Hepatitis-C-Virus.
  • Dank ihrer Forschung kann Hepatitis C erstmals geheilt werden.
  • Es gibt unterschiedliche Arten von Hepatitis-Viren.

Stockholm – Der Nobelpreis für Medizin geht an zwei US-amerikanische Virologen und einen britischen Biochemiker für die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus.

Vor 40 Jahren war der Krankheitserreger noch gänzlich unbekannt. Millionen Menschen bekamen eine Leberzirrhose oder Leberkrebs, ohne die Ursache dafür zu kennen. Erst in den 1980er Jahren stellte sich heraus, dass es neben den bekannten Arten der virusbedingten Leberentzündung, der Hepatitis A und B, noch eine weitere Form gibt; die Hepatitis C. Sie kann chronisch verlaufen und nach Jahren tödlich enden.

Entwicklung zu Test für Hepatitis-C-Virus

Für die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus und die Entwicklung eines Tests erhalten die beiden US-amerikanischen Virologen Harvey J. Alter (85) und Charles M. Rice (68) sowie der britische Biochemiker Michael Houghton (71) in diesem Jahr den Nobelpreis für Medizin. Das gab das Nobelkomitee des Karolinska-Instituts in Stockholm gestern bekannt. Die höchste Auszeichnung für Forschende auf dem Gebiet der Medizin ist 2020 mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 950 000 Euro) dotiert, das sind eine Million Kronen mehr als im Vorjahr.

Alter, Rice und Houghton werden den Preis am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, erhalten. Die drei Wissenschaftler hätten einen „maßgeblichen Anteil“ an der Bekämpfung der Hepatitis C, heißt es in der Begründung des Nobelkomitees. Die Krankheit stelle ein großes globales Gesundheitsproblem dar, die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus sei ein „Meilenstein im anhaltenden Kampf gegen virale Erkrankungen“. Mit ihrer Forschung hätten die drei Preisträger Bluttests und neue Medikamente ermöglicht, die „Millionen Leben gerettet“ hätten. Das mache Hoffnung, das Virus ganz aus der Bevölkerung zu tilgen.

Die verschieden Hepatitis-Viren im Vergleich

Die meisten Leberentzündungen entstehen aus einer Virusinfektion. Bereits in den 1940er Jahren erkannten Wissenschaftler, dass es dabei verschiedene Formen gibt. Die Hepatitis A kann man sich über verschmutztes Wasser oder Essen einfangen, sie verläuft akut und bleibt aber meist ohne Langzeitfolgen. In den 1960er Jahren wurde als weiterer Erreger das Hepatitis-B-Virus identifiziert. Dafür erhielt der Amerikaner Baruch S. Bloomberg 1976 den Nobelpreis für Medizin, an seinen Forschungen war mit Harvey J. Alter einer der diesjährigen Preisträger bereits beteiligt.

Hepatitis B wird über den Kontakt mit Blut und Körperflüssigkeit von Infizierten übertragen. Sie kann chronisch verlaufen und in Leberzirrhose und Leberkrebs münden. Doch auch nach der Entdeckung des Hepatitis-B-Virus blieb die Uracher vieler chronischer Leberentzündungen ungeklärt. Da man von der Existenz des Hepatitis-C-Virus nichts wusste, wurde es weiterhin auch durch Blutprodukte übertragen.

Bis dato unbekanntes Virus kann chronische Hepatitis auslösen

Harvey J. Alter stellte als Erster fest, dass noch ein weiteres, bis dato unbekanntes Virus eine chronische Hepatitis auslösen kann. Michael Houghton gelang es dann, das Genom dieses Erregers zu isolieren, Charles M. Rice schließlich lieferte den Beweis, dass das Hepatitis-C-Virus tatsächlich der alleinige Verursacher einer infektiösen Leberentzündung sein kann.

Das Hepatitis-C-Virus gehört zu den RNA-Viren, die als Trägerin des Erbguts die einsträngige Ribonukleinsäure haben – ebenso wie unter anderem das Coronavirus Sars-CoV-2 oder die Erreger von Zika, Gelbfieber, Dengue und Chikungunya. Charles M. Rice hat auch viel dazu geforscht, wie sich das Virus vermehrt und wie das Immunsystem die Infektion in die Schranken weisen kann. Trotz dieser Erkenntnisse ist es bis heute allerdings nicht gelungen, auf dieser Basis eine Impfung zu entwickeln.

Seit Anfang der 1990er Jahre lässt sich das Virus mit Labortests nachweisen. Michael Houghton hat einen solchen Test mitentwickelt und dafür 1993 bereits den Robert-Koch-Preis erhalten. Seit damals werden alle Blutprodukte routinemäßig auf das Hepatitis-C-Virus untersucht, seit 2000 zusätzlich auf das Erbgut des Erregers. Seitdem ist eine Übertragung über eine Blutspende extrem unwahrscheinlich.

Die Übertragung von Hepatitis C

Das Hepatitis-C-Virus wird fast ausschließlich durch Blut und anders als das Hepatitis-B-Virus nur äußert selten durch andere Körperflüssigkeiten wie Sperma übertragen. Die Hauptinfektionswege sind heute der gemeinsame Gebrauch von Nadeln und Spritzen bei Drogenabhängigen sowie das Tätowieren und Piercen unter schlechten hygienischen Bedingungen. Trotz der großen Forschungserfolge waren im Jahr 2017 laut dem Globalen Hepatitis Report der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 70 Millionen Menschen weltweit chronisch mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert, 400 000 sterben jedes Jahr an den Langzeitfolgen. Das Tückische an dieser Erkrankung ist, dass sie in 80 Prozent der Fälle chronisch verläuft, jahrelang aber oft gar keine oder nur unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit und nachlassende Leistungsfähigkeit bereitet. Unbehandelt entwickeln etwa 20 Prozent der chronisch Hepatitis-C-Kranken eine Leberzirrhose.

Mit ihrer Forschung haben die drei Nobelpreisträger auch die Basis für die Therapie dieser Erkrankung geschaffen. Behandelt wird die Hepatitis C mit sogenannten Virostatika, Arzneimitteln, die verhindern sollen, dass die Viren sich im Körper vermehren. Mit den Medikamenten der neuesten Generation können die meisten Patientinnen und Patienten erstmals dauerhaft geheilt werden. Sie sind seit 2014 zugelassen und greifen das Hepatitis-C-Virus über verschiedene molekulare Mechanismen direkt an. Bevor diese zielgerichteten Mittel auf dem Markt waren, wurde zur Therapie von Hepatitis C vor allem Interferon und Ribavirin eingesetzt – zwei Medikamente, die in Studien derzeit auch als potenzielle Behandlungsmöglichkeiten bei Covid-19 getestet werden.

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