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Hartnäckige Beschwerden durch Long Covid

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Von: Pamela Dörhöfer

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Bleierne Müdigkeit und Antriebslosigkeit sind häufige Beschwerden bei Long Covid.
Bleierne Müdigkeit und Antriebslosigkeit sind häufige Beschwerden bei Long Covid. © PantherMedia / masterwilu

Die Hälfte der ehemals schwer Erkrankten leidet noch nach zwei Jahren – das ergab die bisher längste Folgestudie.

Auch zwei Jahre nach einer schweren Covid-19-Erkrankung hat mehr als die Hälfte der Patientinnen und Patienten noch mit mindestens einem Symptom zu kämpfen. So lautet das Ergebnis der bisher längsten Nachbeobachtungsstudie zu Covid-19, die ein chinesisches Forschungsteam im Fachmagazin „The Lancet Respiratory Medicine“ veröffentlicht hat. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verfolgten den Gesundheitszustand von 1192 Menschen, die während der ersten Corona-Welle in China zwischen dem 7. Januar und dem 29. Mai 2020 wegen ihrer Infektion im Krankenhaus behandelt wurden.

Das Durchschnittsalter betrug 57 Jahre, 54 Prozent sind Männer. Zwar besserte sich das körperliche und mentale Befinden der Teilnehmenden im Laufe der Zeit, aber insgesamt seien der Gesundheitszustand und die Lebensqualität schlechter geblieben als beim Durchschnitt der Bevölkerung, heißt es. Das gelte insbesondere für jene Menschen, die auch zwei Jahre nach der akuten Erkrankung noch unter mindestens einer Art von Beschwerden litten – was auf mehr als die Hälfte zutraf. So berichteten nach sechs Monaten 68 Prozent von mindestens einem anhaltenden Symptom, nach zwei Jahren waren es immerhin noch 55 Prozent.

Die Beschwerden, die am häufigsten aufgeführt wurden, waren Müdigkeit und Muskelschwäche, Kurzatmigkeit und Schlafstörungen. Ehemalige Covid-19-Patientinnen und -Patienten litten zudem häufiger als Menschen, die nicht infiziert waren, an Gelenk- und Kopfschmerzen, Herzklopfen und Schwindel sowie starken psychischen Problemen. So sollen bei 13 Prozent der ehemaligen Covid-Patientinnen und -Patienten Angststörungen und bei elf Prozent Depressionen festgestellt worden sein, während es bei den Teilnehmenden der Kontrollgruppe (ohne Covid in der Vorgeschichte) drei beziehungsweise ein Prozent waren.

Allerdings kam eine in der vergangenen Woche im Fachmagazin „Jama Psychiatry“ veröffentliche Studie aus Großbritannien zwar ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Menschen, die wegen Covid-19 in einer Klinik behandelt werden mussten, ein erhöhtes Risiko für neuropsychiatrische Folgeerkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, psychotische oder bipolare Störungen sowie Demenz haben – dass das aber kein exklusives Merkmal einer durch Sars-CoV-2 ausgelösten Erkrankung ist. Vielmehr konstatierte das Forschungsteam, dass solche Probleme auch als Folge anderer schwerer Atemwegsinfektionen häufiger auftreten können. Mit Blick auf das erhöhte Risiko einer neuropsychiatrischen Diagnose seien demnach keine signifikanten Unterschiede zwischen Covid-19 und anderen schweren Atemwegserkrankungen festzustellen. Diese Studie basiert auf den Daten von mehr als acht Millionen Erwachsenen in England.

Bin Cao vom China-Japan Friendship Hospital in Peking, Hauptautor der Arbeit aus China, sieht in den Ergebnissen seiner Untersuchung einen Beleg für die Notwendigkeit einer „kontinuierlichen Nachsorge“ ehemaliger Covid-Patientinnen und -Patienten. Diese sei „unerlässlich“, sagte er gegenüber „The Lancet“ – insbesondere dann, wenn jemand unter anhaltenden Symptomen leide. Die Betroffenen benötigten Unterstützung, zudem könne man Long Covid nur so verstehen lernen und erforschen, wie sich Rehabilitationsprogramme auf die Genesung auswirken und welchen Einfluss Impfungen, Medikamente und neue Varianten haben. Alle Teilnehmenden hatten sich mit dem ursprünglichen Wuhan-Virus infiziert, deshalb lassen sich die Ergebnisse nicht automatisch auf die aktuell dominanten Omikron-Varianten übertragen.

Studie aus China: https://t1p.de/opcw9

Englische Studie: https://t1p.de/vudqk

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