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Hamburgs Professoren wagen den Aufstand

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Die Praesidentin der Universitaet Hamburg, Monika Auweter-Kurtz.
Die Praesidentin der Universitaet Hamburg, Monika Auweter-Kurtz. © ddp

Professoren der Universität Hamburg haben einen Aufruf zum Sturz der Uni-Präsidentin Monika Auweter-Kurtz unterschrieben. Die Dekane wenden sich speziell gegen einen Maulkorberlass. Von Hermann Horstkotte

Von HERMANN HORSTKOTTE

Rebellion im Norden: 120 von insgesamt 550 Professoren der Universität Hamburg (ohne Mediziner) haben jetzt einen Aufruf zum Sturz der Uni-Präsidentin Monika Auweter-Kurtz unterschrieben. Die Hochschullehrer kritisieren unter anderem den autoritären Führungsstil der Präsidentin.

Viele andere dächten genauso, hätten aber Angst, versichern die Initiatoren. So fürchteten die nur befristet eingestellten Juniorprofessoren "Repressalien oder andere Nachteile". In einer knappen Stellungnahme erklärt das Präsidium, dass ihm "die Unterschriftenliste bis jetzt nicht vorliegt", die Tür zu Gesprächen aber immer offen stehe.

Gleichzeitig kritisieren alle Dekane (außerhalb der Medizinischen Fakultät) den Führungsstil der Präsidentin in einer Stellungnahme, die sich an Auweter-Kurtz selbst und den Hochschul- oder Aufsichtsrat der Universität richtet: "Mit Besorgnis nehmen wir wahr, dass während Ihrer Amtszeit die Führungs- und Beteiligungsstrukturen in einer Art und Weise hierarchisiert wurden, wie es vom Hochschulrecht nicht erzwungen wird und aus unserer Sicht nicht dienlich sein kann. Wir befinden uns seit langem und zunehmend in einer Kommunikations- und Vertrauenskrise."

Die Dekane sehen die Universität dem Schreiben zufolge als eine "pluralistische Institution. Es muss akzeptiert und respektiert werden, dass es andere Meinungen gibt als die des Präsidiums oder die der Präsidentin. Wer eine solch andere Meinung - auch nach außen - vertritt, ist nicht schon deshalb störender Abweichler oder Heckenschütze."

Damit wenden sich die Dekane speziell gegen einen Maulkorberlass von 2007, mit dem die Präsidentin den Hochschullehrern ein Schweigegebot in hochschulpolitischen Fragen auferlegte. Die Dekaninnen und Dekane wollen sich "nicht als eine Art Abteilungsleiter" sehen, "deren Aufgabe es ist, für das Präsidium ,unten' für Ruhe zu sorgen oder gar Studierende an Demonstrationen zu hindern." Darauf aber ziele eine von Auweter-Kurtz unterstützte Gesetzesnovelle, wonach Wahlvorschläge für die Dekanate nur noch von der Präsidentin kommen dürfen, und nicht mehr aus den einzelnen Fakultäten selbst.

Schon jetzt ist die Herrschsucht der Spitzenkraft gefürchtet: "Diskussionen, die nach unserem Empfinden nicht selten mit apodiktischen Sätzen im Tenor von ,Ich will es aber so' oder ,Das ist mir egal' beendet werden, ermutigen nicht dazu, immer wieder das letztlich aussichtslose Gespräch zu suchen." Das Arbeitsklima sei "nicht erträglich" und gesundheitsgefährdend: "In manchen Fakultäten war der Krankenstand noch nie so hoch wie jetzt."

Das Außenbild der Universität ist nach Meinung der Dekane insgesamt "katastrophal". Von Amts wegen zuständig ist dafür die Präsidentin selbst. Die Fakultätsleiter geben ihr die fast schon hämische klingende Empfehlung: "Wer die Öffentlichkeit für sich gewinnen will, sollte mit ihr nicht ähnlich robust umgehen wie mit den Mitgliedern der Universität."

Das Protestschreiben wendet sich außer an Auweter-Kurtz auch an den Hochschulrat, der die Präsidentin abwählen kann.

Eine Alternative wäre nicht weit: Vizepräsidentin Gabriele Löschper, gelernte Kriminalistin, langjährige Frauenbeauftragte und jetzt für den Entwicklungsplan der Hochschule zuständig, erhält das einzige Lob im Papier der Dekane. Sie habe "in einfühlsamer Weise mit den Fakultäten" zusammengearbeitet, bis Auweter-Kurtz den Struktur- und Entwicklungsplan "ohne Not und kurz vor Schluss zur ,Chefsache' erklärt" und damit die Arbeit daran gestört habe. Bislang ist aber noch nicht abzusehen, ob oder wann die Präsidentin vor der geballten Kritik kapituliert.

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