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Luftfahrt

„Halte nichts von Flugscham“

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    Andreas Niesmann
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Bundesregierung und Wissenschaft weisen eine „Verteufelung des Luftverkehrs“ zurück. Diesen Mittwoch beginnt die Luftfahrtkonferenz in Leipzig.

Vor der ersten nationalen Luftfahrtkonferenz am Mittwoch wehren sich Vertreter der Bundesregierung und der Wissenschaft gegen Kritik. „Die Fokussierung auf das Fliegen in der aktuellen Klimaschutzdebatte greift mir zu kurz“, sagte der Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek (CDU), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Ich fliege nicht aus Jux und Tollerei, sondern wenn es sein muss. Bei großen Distanzen gibt es oft keine sinnvolle Alternative“, sagte der Bundestagsabgeordnete. „Ich halte nichts von dem Begriff Flugscham, und die Buchungszahlen sprechen dafür, dass die meisten Deutschen das ähnlich sehen“, so Jarzombek weiter.

Der Regierungskoordinator betonte die Bedeutung des Luftverkehrs für den Wirtschaftsstandort Deutschland. „Allein am Flugzeugbau hängen 100.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Wenn Sie Flughäfen und Airlines mit hinzurechnen, reden wir über fast eine Million Jobs“, sagte Jarzombek. „Gerade in diesen Zeiten, wo viel über Klimaschutz diskutiert wird, wird das gerne vergessen“. Eine Strafabgabe für Inlandsflüge, wie sie von Umweltschützern gefordert wird, lehnte der CDU-Politiker ab. „Der Flugverkehr muss und wird in den kommenden Jahren noch weit mehr CO2 einsparen, aber er darf keine Sonderrolle haben, weder im Positiven noch im Negativen“, forderte er.

Auch der für Luftfahrt zuständige Vorstand des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Rolf Henke, warnte davor, den Flugverkehr zum Sündenbock zu machen. „Natürlich nehme ich wahr, dass derzeit sehr emotional über das Fliegen debattiert wird. Ich warne jedoch vor der Verteufelung des Luftverkehrs und Panikmache“, sagte Henke dem RND. Derzeit liege der durch den Menschen mit dem Flugverkehr verursachte Anteil an der CO2-Belastung weltweit bei zwei Prozent. „Wenn wir aber die heutigen Triebwerke mit denen von vor 20 Jahren vergleichen, sind sie erheblich leiser geworden, verbrauchen wesentlich weniger Kraftstoff und stoßen wesentlich weniger Schadstoffe aus. Der Luftverkehr ist durch seine bessere Auslastung außerdem enorm effizient geworden“, so der DLR-Vorstand weiter. „Verdoppelung des Luftverkehrs bedeutet also nicht, dass sich auch die Umweltbelastung verdoppeln wird.“

Henke sagte, das Fliegen für geschäftliche Zwecke oder Urlaubsreisen genieße weiterhin eine große gesellschaftliche Akzeptanz. Gleichwohl müsse der CO2-Ausstoß der Flugzeuge natürlich sinken. „Die aktuelle Debatte empfinde ich als Aufforderung an Industrie und Forschung, hier besser zu werden als wir bereits sind“, sagte Henke. „Unser Ziel ist das Zero-Emission-Aircraft – das Flugzeug, das keine Schadstoffe mehr ausstößt.“

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