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Gutes Leben, Versuch zwei

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Von: Joachim Wille

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Das wirklich gute Leben geht nur mit der Natur, nicht auf ihre Kosten. Dem Menschen jedenfalls bringt sie emotionalen, kulturellen und spirituellen Wert nur dann, wenn sie bleibt.
Das wirklich gute Leben geht nur mit der Natur, nicht auf ihre Kosten. Dem Menschen jedenfalls bringt sie emotionalen, kulturellen und spirituellen Wert nur dann, wenn sie bleibt. © Noah Seelam/afp

Ein UN-Report zeigt, welch hohen Wert die Natur für den Menschen hat. Höchste Zeit, dass die Erkenntnisse in praktische Politik umgemünzt werden. Die Kolumne „Öko-logisch“.

Was ist das, ein „gutes Leben“? Großes Haus, SUV vor der Tür, zwei Flug-Urlaube im Jahr? Drei Prozent Wirtschaftswachstum, Vollbeschäftigung bis zum Burnout, viel neue Autobahnkilometer? So wurde das lange definiert. Und, mal im Ernst, so ist es doch auch heute noch. Der vielen Krisen zum Trotz, die diese Definition von „Wohlstand“ erzeugt.

Wie lässt sich das ändern? Wissenschaftler:innen haben im Auftrag der UN einen dicken Report dazu geschrieben. Er ist, sozusagen, die Bibel zu diesem Thema. Der Schlüssel zu einem nachhaltigen Leben auf der Erde liege darin, alle Vorteile der Natur für den Menschen zu berücksichtigen. Auch die emotionalen, kulturellen und spirituellen Werte, die die Natur für die Menschen mit sich bringt, müssten angemessen gewürdigt werden. Zudem gehe es darum, neu zu definieren, was „gute Lebensqualität“ bedeute.

Vier Jahre lang lief das Forschungsprojekt zum Wert der Natur, dessen Ergebnis der Weltbiodiversitätsrat (Ipbes) in dieser Woche vorgelegt hat. Es fußt auf 13 000 Referenzen, darunter Studien sowie indigene und lokale Informationsquellen. Die Warnung ist klar: Durch das Versagen der Wirtschaft, den wahren Wert der Natur zu berücksichtigen, ist die Menschheit einem extremen Risiko ausgesetzt, weil sie ihre eigene Lebensgrundlage vernichtet.

Gipfeltreffen verschoben

Das Problem: Der Biodiversitätsrat, das Pendant zum UN-Klimarat, erleidet mit seinen Analysen dasselbe Schicksal wie dieser. Sie werden zur Kenntnis genommen, aber nur völlig unzureichend in praktische Politik umgesetzt. Ja, noch schlimmer. Das Gremium ist noch machtloser als der Klimarat.

Eigentlich sollte 2020 ein wichtiger UN-Gipfel stattfinden, um endlich die Trendwende gegen das Artensterben einzuleiten. Zehn Jahre vorher war das auch schon versucht worden, mit den Aichi-Zielen. Vergeblich. Immerhin: Diesmal herrschte Optimismus vor der im chinesischen Kunming geplanten Konferenz. Dass die Volksrepublik das Treffen ausrichten wollte, beflügelte alle.

Doch dann kam Corona. Der Gipfel wurde auf 2021 verschoben und fand er nur virtuell statt. Ein Präsenz-Treffen sollte im Frühjahr 2022 stattfinden, wurde in den Spätsommer verschoben – und kommt nun erst im Dezember, zudem nicht in China, sondern in Kanada. Das einzig Gute daran: Die Delegierten haben mehr Zeit, die neue Studie zu lesen. Vielleicht kommt es ja dann doch, das „gute Leben“.

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