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Zwar sei es gut, dass die Bundesregierung den Wert der Genderforschung anerkenne, betont Kai Gehring. Angesichts der Diskreditierung des Forschungsfeldes durch „Feinde der Wissenschaftsfreiheit“ brauche sie aber „mehr als warme Worte“.

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Grüne wollen Genderforschung stärker fördern

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Angesichts der Anfeindungen von Rechts soll die Bundesregierung die Disziplin auf sicherere Füße stellen.

Nach Ansicht des hochschulpolitischen Sprechers der Grünen-Bundestagsfraktion, Kai Gehring, muss die Bundesregierung die Förderung der Gender- und Geschlechterforschung stärken. Im europäischen Vergleich stehe Deutschland auf diesem Feld schlecht da. Nötig sei ein eigener Förderschwerpunkt Genderforschung sowie eine gezieltere Nachwuchsförderung.

Auf Anfrage seiner Fraktion hatte die Bundesregierung angegeben, Projekte in der Gender- und Geschlechterforschung seien im Jahr 2018 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 19,5 Millionen Euro gefördert worden – verteilt auf insgesamt 267 Projekte. Zudem gebe es deutschlandweit 190 Professuren, die sich mit der Thematik befassten. In dem Papier heißt es, die Koalition messe dem Forschungsfeld große Bedeutung bei, weil es „wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse über Ursachen und Mechanismen [liefert], die die Gleichstellung behindern“.

Zwar sei es gut, dass die Bundesregierung den Wert der Genderforschung anerkenne, betont Kai Gehring. Angesichts der Diskreditierung des Forschungsfeldes durch „Feinde der Wissenschaftsfreiheit“ brauche sie aber „mehr als warme Worte“, nämlich eine verlässliche Förderung und feste Strukturen.

Insbesondere kritisiert Gehring, dass die Bundesregierung seit 2013 nur zwei eigenständige Förderrichtlinien zum Thema vorweisen kann: „Frauen an die Spitze“, die 2015 ausgelaufen ist, und „Erfolg mit MINT – neue Chancen für Frauen“. Damit zeige die Koalition zudem, dass sie die Genderforschung stark auf Fragen der Gleichstellung verenge.

Die Genderwissenschaft in Deutschland beschäftigt sich durchaus mit Gleichstellungsfragen, berührt aber auch viele weitere Forschungs- und Anwendungsbereiche. Mit welchen besonderen Schwierigkeiten sind Migrantinnen in Deutschland konfrontiert? Wie wirkt sich das Geschlecht auf die Wirkweise medizinischer Behandlungen aus? Wie werden Geschlechterrollen gesellschaftlich konstruiert? Auch solche Fragen werden bearbeitet.

In den vergangenen Jahren hatten Naturwissenschaftler und einige Politiker immer wieder gegen die Genderwissenschaft polemisiert und sie als ideologiegetriebene „Pseudowissenschaft“ dargestellt. Zuletzt forderte die AfD von der Bundesregierung, die Förderung des Forschungsfeldes komplett einzustellen. In Ungarn verbannte Ministerpräsident Viktor Orban die Gender Studies sogar ganz von den Universitäten.

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