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Kommt ein universeller Impfstoff gegen Grippe? Neue Studie macht Hoffnung

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Von: Tanja Banner

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Weil sich Grippeviren ständig anpassen, muss auch die Grippe-Impfung jährlich angepasst und neu verabreicht werden.
Weil sich Grippeviren ständig anpassen, muss auch die Grippe-Impfung jährlich angepasst und neu verabreicht werden. © IMAGO/Beautiful Sports

Fachleute arbeiten in den USA an einer Universal-Impfung gegen die Grippe. An der aktuellen Studie ist ein Vater der mRNA-Impfung beteiligt.

Philadelphia – Die Grippe ist ein äußerst unangenehmer Gegner. Es gibt drei Typen (A, B und C) des Influenzavirus, von denen vor allem die Typen A und B für den Menschen gefährlich werden können. Weil sich Influenzaviren ständig verändern und neue Subtypen bilden, können Menschen im Laufe ihres Lebens immer wieder an der Grippe erkranken. Eine Folge: Der Influenza-Impfstoff wird jährlich angepasst, die Grippe-Impfung muss jährlich neu verabreicht werden.

Um den Influenza-Impfstoff anzupassen, schauen Fachleute unter anderem auf die Grippesaison auf der Südhalbkugel und welche Grippe-Stämme dort kursieren. Doch nicht immer liegt die Forschung mit der Anpassung des Impfstoffs richtig. Nun macht eine Studie Hoffnung auf einen universellen Grippe-Impfstoff, der nicht nur gegen die 20 bereits bekannten Influenza-Varianten helfen soll, sondern auch gegen bisher unbekannte Varianten wirken könnte.

mRNA-Impfung gegen Grippe wird entwickelt: „Grundniveau an Immunität“

„Die Idee ist, einen Impfstoff zu entwickeln, der den Menschen ein Grundniveau an Immunität gegen verschiedene Grippe-Stämme verleiht, sodass es bei der nächsten Grippepandemie zu weitaus weniger Krankheiten und Todesfällen kommt“, erklärt der Mikrobiologe Scott Hensley (University of Pennsylvania School of Medicine) in einer Mitteilung. Hensley ist einer von mehreren Autor:innen einer Studie zum Thema, die im Fachjournal Science veröffentlicht wurde.

Das Forschungsteam verwendet für die neuartige Grippe-Impfung einen Mechanismus, der erst seit kurzer Zeit genutzt wird, seither jedoch millionenfach zum Einsatz kommt: die mRNA-Impfung. An der Studie beteiligt ist auch Drew Weissman, Direktor für Impfstoff-Forschung an der Universität von Pennyslvania und einer der Fachleute, die bereits seit vielen Jahren an der mRNA-Impfung forschen.

Schutz gegen alle 20 Influenza-Stämme mit einer mRNA-Impfung

mRNA-Impfungen schleusen den genetischen Code eines Virus-Proteins in den Körper ein – das Immunsystem reagiert darauf und bildet Antikörper. Im Fall der Influenza nutzen die Forschenden Fragmente, die in allen 20 bekannten Stämmen der Influenza A und B vorkommen. „Bei einem herkömmlichen Impfstoff wäre es eine große Herausforderung, gegen all diese Subtypen zu immunisieren, aber mit der mRNA-Technologie ist es relativ einfach“, betont Hensley.

Die Forschenden nutzen das Oberflächenprotein Hämagglutinin, das in verschiedenen Versionen in allen Grippe-Stämmen vorkommt. Das Team verabreichte die mRNA-Impfung dann Mäusen und fand heraus, dass die Tiere spezifische Antikörper für alle 20 Grippe-Stämme bildeten. Diese Antikörper blieben der Studie zufolge für bis zu vier Monate stabil.

Universelle Influenza-Impfung schützt Mäuse vor Grippe

In einem weiteren Test erhielt eine Gruppe Mäuse die universelle Grippe-Impfung, während eine andere Gruppe eine Dummy-Impfung erhielt. Einen Monat später infizierten die Forschenden die Mäuse mit einer der beiden H1N1-Grippevarianten – bei einer Variante war das H1-Protein sehr ähnlich wie das in der Impfung verwendete Protein, die andere Variante hatte ein etwas anderes H1-Protein.

Alle Mäuse, die die Grippe-Impfung erhalten hatten, überlebten den Kontakt mit dem sehr ähnlichen Protein, 80 Prozent überlebten die Infektion mit dem etwas anderen H1-Protein. Die Mäuse, die keinen Impfstoff bekommen hatten, starben etwa eine Woche nach der Infektion. Dieselben Tests wurden auch mit Frettchen durchgeführt und führten der Studie zufolge zu identischen Ergebnissen.

Grippe-Impfung: „Daten aus Tierversuchen sind vielversprechend“

„Diese Daten aus Tierversuchen sind auf jeden Fall vielversprechend und sollten in klinischen Studien weiter untersucht werden“, zitiert das Portal New Scientist den Veterinärmediziner und Virologen Albert Osterhaus. „Für die Erzeugung einer Grundimmunität gegen epidemische oder pandemische Influenzavirus-Stämme in der Zukunft könnte diese Strategie eine Option sein, wenn sich die Langlebigkeit der Immunität beim Menschen bestätigt“, so der Fachmann, der an der Studie nicht beteiligt war.

Der Grippe-Impfstoff soll keine „sterile“ Immunität auslösen, kann also nicht verhindern, dass die virale Infektion weitergegeben wird. Die Studie zeigt den Forschenden zufolge jedoch, dass der Impfstoff eine Gedächtnis-Immunreaktion auslöst, die schnell abgerufen und an neue Virus-Stämme angepasst werden kann. So könnten schwere Erkrankungen und Todesfälle durch die Grippe erheblich reduziert werden.

Grippewellen

In Deutschland treten Grippewellen meist im Winter, kurz nach dem Jahreswechsel auf. Meist sind im Januar und Februar die meisten Krankheitsfälle zu verzeichnen, die Grippewelle dauert meist etwa acht bis zehn Wochen.

Pro Jahr gibt es laut Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert Koch-Instituts zwischen einer und sieben Millionen Grippe-bedingten Arztbesuchen. Die schwere Grippewelle 2012/2013 sorgte für rund 30.000 Krankenhauseinweisungen und 20.000 Todesfällen.

Universelle Grippe-Impfung mit Corona-Impfstoffen vergleichbar

„Es ist vergleichbar mit der ersten Generation der mRNA-Corona-Impfstoffe, die auf den ursprünglichen Wuhan-Stamm des Coronavirus abzielten“, erklärt Hensley. „Gegen spätere Varianten wie Omikron haben diese ursprünglichen Impfstoffe die Virusinfektionen nicht vollständig blockiert, aber sie bieten weiterhin einen dauerhaften Schutz vor schweren Erkrankungen und Todesfällen.“

Derzeit arbeiten Hensley und sein Team an klinischen Tests des Influenza-Impfstoffs. Das Team geht davon aus, dass der Impfstoff bei Menschen aller Altersgruppen, einschließlich Kleinkindern, ein langfristiges Immungedächtnis gegen alle Grippe-Subtypen hervorrufen könnte. „Wir glauben, dass dieser Impfstoff die Wahrscheinlichkeit einer schweren Grippe-Infektion erheblich verringern könnte“, so Hensley. (tab)

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