1. Startseite
  2. Wissen

Grippeimpfung senkt das Alzheimer-Risiko

Erstellt:

Von: Pamela Dörhöfer

Kommentare

Nach der Studie senkt eine Grippeimpfung das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um 40 Prozent.
Nach der Studie senkt eine Grippeimpfung das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um 40 Prozent. © Robert Michael/dpa

Eine Studie aus den USA mit den Daten von fast einer Million Menschen sieht einen klaren Zusammenhang

Wie lückenhaft das Wissen über die Entstehung von Alzheimer immer noch ist, beleuchtet einmal mehr eine Studie – eine mit einer positiven Botschaft indes: Demnach senkt eine Grippeimpfung das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um 40 Prozent. Über die Gründe dafür kann nur spekuliert werden.

Herausgefunden hat das ein US-Forschungsteam der Universitäten Houston und Massachusetts nach Analyse der Daten einer für die Bevölkerung der Vereinigten Staaten repräsentativen Stichprobe, die knapp eine Million Menschen umfasste. Die Studie wurde im Fachmagazin „Journal of Alzheimer’s Disease“ veröffentlicht.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verwendeten das Material einer landesweiten Datenbank und konzentrierten auf die Jahre von 2009 bis 2019. Sie pickten sich Menschen heraus, die zu Beginn älter als 65 und nicht dement waren und bildeten Kohorten mit ähnlichen Grundkrankheiten und Medikamenten, die eingenommen werden mussten. Anschließend wurde die Gruppe geteilt in Menschen, die sich gegen Grippe impfen ließen und solche, die das nicht taten. Das Ergebnis: In der nicht geimpften Gruppe erkrankten 8,5 Prozent an Demenz, in der geimpften 5,1.

Viren als Auslöser

Bereits frühere Studien legten einen Zusammenhang zwischen einem geringeren Demenzrisiko und der Influenza-Impfung nahe, die Stichproben seien jedoch zu klein und nicht repräsentativ gewesen, schreiben die Forschenden. Ihre Ergebnisse passen zu Erkenntnissen, dass Viren eine Rolle beim Entstehen von Alzheimer spielen. Für Herpes simplex- und Gürtelrose-Erreger scheint das nachgewiesen, aber auch Influenzaviren und bakterielle Erreger, etwa von Harnwegsinfekten und Sepsis, stehen im Verdacht, das Risiko zu erhöhen. In Übereinstimmung mit dieser Vermutung deuten Analysen auf ein geringeres Demenzrisiko auch nach einigen anderen Impfungen im Erwachsenenalter hin, etwa gegen Tetanus, Herpes Zoster und Tuberkulose. Der Tuberkulose-Impfstoff BCG wird auch zur lokalen Therapie bei Blasenkrebs eingesetzt, bei diesen Patientinnen und Patienten zeigte sich ebenfalls ein geringeres Alzheimer-Risiko.

Was speziell die Influenza-Impfung angeht, so halten die Forschenden mehrere zugrunde liegende Mechanismen für möglich. Zum einen könnte es schlicht das Verhindern einer Grippe sein, wobei sie hier auch Prozesse auf molekularer Ebene im Auge haben und auf Ähnlichkeiten zwischen Oberflächenproteinen der Influenzaviren und den pathologischen Veränderungen bei Alzheimer hinweisen. Zum anderen wäre es laut der Studie auch denkbar, dass die Grippeimpfung durch das Training des angeborenen Immunsystems einen unspezifischen Schutz bietet.

Auch interessant

Kommentare