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Corona-Studie: Grippeimpfung schützt vor schwerem Covid-Verlauf

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Von: Pamela Dörhöfer

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Um satte 89 Prozent hat eine Impfung gegen die Grippe bei Personal im Gesundheitswesen das Risiko eines schweren Verlaufs von Covid-19 verringert.
Um satte 89 Prozent hat eine Impfung gegen die Grippe bei Personal im Gesundheitswesen das Risiko eines schweren Verlaufs von Covid-19 verringert. © imago/ITAR-TASS

Eine Studie aus Katar zeigt eine Verringerung des Risikos um fast 90 Prozent – die Dauer der Wirkung ist aber unklar.

Doha – Um satte 89 Prozent hat eine Impfung gegen die Grippe bei Personal im Gesundheitswesen das Risiko eines schweren Verlaufs von Covid-19 verringert – und das einer Infektion mit Sars-CoV-2 um immerhin noch 30 Prozent. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie eines Teams der Weill Cornell Medicine-Qatar in Doha (einem Ableger der gleichnamigen Universität in New York) gekommen. Die Arbeit ist im Mai auf medRxiv veröffentlicht und noch nicht unabhängig begutachtet worden.

Die Gruppe um den Epidemiologen für Infektionskrankheiten Laith Abu-Raddad hatte dafür mehr als 30.000 Mitarbeiter:innen des Gesundheitswesens in Katar im Jahr 2020 beobachtet, zu einer Zeit, als noch keine Corona-Impfstoffe verfügbar waren. Es stellte sich heraus, dass diejenigen, die eine Grippeimpfung mit einem Influenza-Totimpfstoff erhalten hatten, in den darauffolgenden Monaten zu 89 Prozent weniger wahrscheinlich schwer an Covid-19 erkrankten als jene, die nicht geimpft waren. Einschränkend ist anzumerken, dass damals die Wuhan-Variante grassierte und sich die Ergebnisse nicht eins zu eins auf Omikron übertragen lassen.

Corona-Studie bestätigt frühere Vermutungen

Die Studie aus Katar bestätigt frühere Vermutungen. So verweist das Wissenschaftsmagazin „Nature“ auf die Arbeit eines Teams um den Epidemiologen Günther Fink von der Universität Basel. Die Forschenden hatten in Brasilien beobachtet, dass Menschen, die gegen Grippe geimpft und wegen Covid-19 im Krankenhaus waren, seltener an den Folgen der Infektion starben.

Ungewiss ist allerdings, wie lange der Schutz der Grippeimpfung vor schwerem Covid-Verlauf anhält, da der Studienzeitraum in Katar im Dezember 2020 mit Beginn der Corona-Impfungen endete. Gegenüber „Nature“ äußerte der niederländische Infektiologe Mihai Netea vom Radboud University Medical Center die Vermutung, „dass die Vorteile zwischen sechs Monaten bis zu zwei Jahren anhalten“. Er selbst forscht in Brasilien zu Effekten von Impfstoffen gegen Grippe und Masern-Mumps-Röteln bei Covid-19.

Corona-Studie: „Impfstoffe trainieren das Immunsystem“

Hintergrund ist die Annahme, dass Impfstoffe neben dem gezielten Schutz vor bestimmten Erregern auch unspezifische Effekte auf die körpereigene Abwehr haben. „Impfstoffe trainieren das Immunsystem, um bestimmte Krankheitserreger zu erkennen, aber sie verstärken auch die breit wirkenden antiviralen Abwehrkräfte“, wird Miahi Netea im „Nature“-Artikel zitiert. Anzeichen solcher Reaktionen habe er auch bei Menschen gefunden, die gegen Grippe geimpft wurden.

Zu unspezifischen Effekten von Impfungen wurde bereits vor Corona geforscht, allerdings standen damals vor allem Lebendimpfstoffe (mit abgeschwächten Erregern) im Fokus. Zu diesen zählt etwa auch die BCG-Impfung gegen Tuberkulose. Bevor die Corona-Vakzine auf den Markt kamen, galt sie als möglicher Kandidat, um wenigstens einen gewissen Schutz vor Covid zu bieten. (Pamela Dörhöfer)

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