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Der Girls' Day soll Mädchen zu Männerberufen motivieren.
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Der Girls' Day soll Mädchen zu Männerberufen motivieren.

Girls' Day

Girls' Days haben keinen Effekt

Unis, Firmen und Parteien versuchen, einmal im Jahr Mädchen Männerberufe und Jungen Jobs in Frauendomänen schmackhaft zu machen. Die Berufswahl wird davon nicht beeinflusst, zeigt eine Studie.

Von Katja Irle

Die Opel AG in Rüsselsheim will am Donnerstag Mädchen mit modernster Fahrzeugtechnik beeindrucken. Die Firma airberlin technik Düsseldorf lässt Fluggerätemechaniker etwas erzählen, und die Linke im Berliner Abgeordnetenhaus lockt mit „Planen und Bauen – Berufe für Frauen“. In Köln wollen Friseursalons Jungen für Haar- und Hautpflege gewinnen, und in Straubing werben die „Barmherzigen Brüder“ für die Arbeit mit Behinderten.

Seit mehr als zehn Jahren versuchen Unis, Firmen, Kommunen, Vereine und Parteien einmal im Jahr Mädchen Männerberufe und Jungen Jobs in Frauendomänen schmackhaft zu machen. Doch ob der große Aufwand irgendeinen Effekt auf die Berufswahl hat, daran weckt zumindest eine Untersuchung des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) erhebliche Zweifel.

Rollenbilder prägen sich früh aus

Die Vorstellung, dass punktuelle Maßnahmen das Berufsverhalten beeinflussen könnten, sei nicht haltbar, schreiben die Wissenschaftler um Kathrin Leuze, die als Professorin am WZB die Projektgruppe „Nationales Bildungspanel“ leitet. Die Idee, dass man Mädchen einfach besser über Männerberufe informieren müsse, funktioniere leider nicht.

Der Grund sei, dass sich Rollenbilder sehr viel früher ausprägten. Auch die Berufsorientierung setze bereits mit fünf oder sechs Jahren ein. „Eine punktuelle Information wie bei den Girls’-und- Boys’-Tagen kann gegen einen jahrelangen Sozialisationsprozess fast nichts ausrichten.“ Grundlage der Untersuchung, die in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie veröffentlicht wurde, sind Daten von 15-Jährigen aus der deutschen Pisa-Ergänzungsstudie. Die WZB-Forscher untersuchten Einflussfaktoren wie das Elternhaus, individuelle Leistungen, Noten und schulische Fördermaßnahmen.

Dabei bestätigten sich internationale Forschungsergebnisse. Die US-Forscherin Jacquelynne Eccles stellte schon in den 80er-Jahren fest, dass Kinder kulturelle Geschlechtsstereotypen „weiblicher“ und „männlicher“ Berufe bereits in der frühen Sozialisation lernen – und akzeptieren.

Eltern beeinflussen Berufswahl

Der Einfluss der Eltern auf die Berufswahl der Kinder ist dabei enorm: Bereits die Erwartungen, die Mütter und Väter (bewusst und unbewusst) an die schulischen Leistungen ihrer Kinder stellen, ist geschlechtsspezifisch. Das wiederum beeinflusst, wie die Heranwachsenden ihre Fähigkeiten wahrnehmen, was wiederum für ihre spätere Fächer- und Berufswahl entscheidend ist.

Unterschiede gibt es bei den sozialen Schichten. So wollen Mädchen aus Familien mit höheren Einkommen häufiger einen Männerberuf ergreifen als Gleichaltrige aus sozial niedrigeren Schichten. Hier wirken traditionelle Muster offenbar stärker.

Wie mächtig Rollenbilder in der Familie sein können, zeigt sich vor allem bei Jungen, die sich stärker als Mädchen am Vater orientieren. Darin sieht die Forscherin Kathrin Leuze auch eine Chance: „Wenn der Vater ein Erzieher ist, würde sich auch der Sohn für diesen Beruf interessieren.“

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