+
Die Gesundheitsbranche - vom Krankenwagen bis zur Arzneimittelproduktion - erzeugt mehr CO2-Emissionen als der Flugverkehr.

CO2-Ausstoß

Gesundheitsbranche für mehr CO2-Emissionen verantwortlich als Flugverkehr

  • schließen

Der Gesundheits-Sektor ist für rund 4,4 Prozent der Emissionen weltweit verantwortlich - und damit für mehr Treibhausgase als der Flugverkehr oder die Schifffahrt.

Migräne, ein gebrochener Arm, ein kaputte Niere, Krebs. Wenn jemand krank ist, und es handelt sich nicht nur um ein Schnupfen oder eine Schürfwunde, dann ist ihm das Weltklima völlig schnuppe. Dann will er, dass alles getan wird, ganz egal, wie viel CO2 dabei entsteht. Wahrscheinlich deswegen wird so wenig über die Klimafolgen des Gesundheitswesens gesprochen. Für Kohlestrom, denkt man, gibt es einen ökologischen Ersatz. Aber für das Wieder-Gesund-Werden?

Trotzdem ist es natürlich richtig, nicht nur Kraftwerke, Gebäude, Verkehr und Landwirtschaft unter die Klima-Lupe zu nehmen, sondern auch die Gesundheitsbranche. Das hat die internationale NGO „Health Care Without Harm“ (Gesundheitswesen ohne Nachteile) getan. Und zwar mit überraschenden Ergebnissen. In ihrem jetzt veröffentlichten Bericht zum „Klima-Fußabdruck“ der Branche steht beispielsweise: Wäre das globale Gesundheitswesen ein Land, wäre es nach China, den USA, Indien und Russland der fünfgrößte Emittent der Welt.

Gesundheitssektor erzeugt mehr CO2-Emissionen als der Flugverkehr

Die NGO hat den Sektor komplett durchchecken lassen – von der Arzneimittel- und Medizingeräte-Produktion über den Betrieb der Krankenhäuser und Praxen bis hin zum Krankentransport und zur Entsorgung der Materialien. Ergebnis: Er ist für rund 4,4 Prozent der Emissionen weltweit verantwortlich und damit für mehr Treibhausgase als der Flugverkehr oder die Schifffahrt, die auf drei respektive zwei Prozent kommen. Die „gesunde“ Branche trägt also ganz schön zur dicken Luft auf dem Planeten bei, ihr CO2-Ausstoß entspricht dem von 514 Kohlekraftwerken. Für Deutschland kommt die Studie auf 57,5 Millionen Tonnen „medizinisches“ CO2 jährlich, etwa 5,2 Prozent der Gesamtemissionen.

FR-Autor Joachim Wille.

Auch interessant: CO2-Betrug - Haben diese Männer 136 Millionen hinterzogen?

Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, findet diese Zahlen offenbar auch ziemlich beeindruckend, um nicht zu sagen, erschreckend: „Die Orte, an denen Menschen geheilt werden, sollten mit gutem Vorbild vorangehen und die Belastung nicht weiter vorantreiben“, kommentierte er. Was man machen sollte? Die Health-Care-NGO gibt eine Reihe Tipps, es geht von der Umstellung auf 100 Prozent Ökostrom in allen Bereichen über den Bau von klimaneutralen Krankenhäusern bis zur Aufstellung von nationalen Plänen für eine klimafreundliche Gesundheitsversorgung. Minister Jens Spahn, ein Job für Sie!

Lese-Empfehlungen zum Thema CO2-Emissionen

Wie kann man den privaten CO2-Ausstoß verringern? Oft ist das gar nicht so schwer und sogar günstiger als eine klimaschädlichere Lebensweise. Das Internet beispielsweise erzeugt so viele Emissionen wie der Flugverkehr, das Nischenprodukt Bitcoin so viel wie Dänemark.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare