1. Startseite
  2. Wissen

Das ist die Glücks-Formel für langes und glückliches Leben

Erstellt:

Von: Nadja Austel

Kommentare

Happy senior couple standing together against yellow background model released, Symbolfoto, JCCMF08220
Die Studie zeigt, dass enge Beziehungen der Schlüssel zu einem gesunden Leben sind. (Symbolfoto) © IMAGO/Jose Carlos Ichiro

Sie ist mit über 80 Jahren Laufzeit die längste bekannte Studie ihrer Art und verrät der Forschung, was ein langes und glückliches Leben vorhersagt.

Frankfurt – Als die Harvard-Wissenschaftler:innen im Jahre 1938 begannen, die Gesundheit von Erwachsenen zu beobachten, hofften sie, dass die Langzeitstudie ihnen Hinweise auf die Voraussetzungen für ein gesundes und glückliches Leben liefern würde. Heute ist sie nach über 80 Jahren Laufzeit eine der weltweit längsten Studien ihrer Art.

Im Laufe der Jahre untersuchten die Forschenden die Gesundheit der – zunächst ausschließlich männlichen – Teilnehmer und ihr weiteres Leben, einschließlich ihrer Erfolge und Misserfolge in Karriere und Ehe und ihrem Empfinden von Glück. Einige wurden zu erfolgreichen Geschäftsleuten, Ärzten und Anwälten, andere entwickelten Schizophrenie oder Alkoholismus. Es habe sowohl Karrieren als auch soziale Abstiege bei den Teilnehmern gegeben, berichtet Robert Waldinger, der aktuelle Leiter der Studie. Doch eins hätten sie alle gemein, so die verblüffende Erkenntnis.

Die Studie zum Glück: Was Gesundheit mit Beziehungen zu tun hat

Von der ursprünglichen Kohorte, die im Rahmen der Studie rekrutiert wurde, sind noch 19 Personen am Leben, die alle in ihren 90ern sind. Am Anfang waren es 724 Teilnehmer. Inzwischen sind es über 2000 Teilnehmer:innen, mittlerweile nehmen auch Frauen und teilweise Nachkommen der ursprünglichen Teilnehmergruppe teil.

Frage man die ältesten Teilnehmer, worauf in ihrem Leben sie mit Stolz und Zufriedenheit zurückschauen, dann nennen laut Waldinger alle einen Aspekt des Lebens: ihre sozialen Beziehungen. „Die überraschende Erkenntnis ist, dass unsere Beziehungen und wie glücklich wir in unseren Beziehungen sind, einen starken Einfluss auf unsere Gesundheit haben“, so der Harvard-Professor. Denn die Studie zeige, dass diese weitaus mehr als etwa Geld oder Ruhm dazu beitragen, dass Menschen ein Leben lang gesund und zufrieden sind

Glückliche Beziehungen – Ein erlernbarer Schutzfaktor für die Gesundheit

Gute Beziehungen wirken wie ein Schutzfaktor: Menschen, die mit ihren sozialen Beziehungen glücklich sind, bleiben länger körperlich gesund und auch geistig fit. Die Forschung könne anhand derer sogar Vorhersagen für die Zukunft einer Person treffen: Je glücklicher ein Mensch im Alter von 50 Jahren in seinen Beziehungen sei, desto gesünder wird er im Alter von 80 Jahren sein, so Waldinger.

Gute Beziehungen sind demnach bessere Prädikatoren für ein langes und glückliches Leben als die soziale Schicht, die Gene oder das Einkommen. Und nicht nur seine Studie, sondern mittlerweile auch die Beobachtungen vieler weiterer Forschenden, bestätigen diese Erkenntnis.

Glücklich sein: „Gute, warme Beziehungen“ beeinflussen die Gesundheit positiv

Doch nicht jede:r hat glückliche Beziehungen, viele Menschen fühlen sich einsam. Auch hier hat Waldinger gute Nachrichten: Gute Sozialkontakte kann man aktiv herstellen, und das ist erlernbar. Diese Fähigkeit lasse sich trainieren wie ein Muskel, so der Professor. Und das sei für die eigene Zufriedenheit wichtig: „Es ist wichtig, sich um seinen Körper zu kümmern, aber auch die Pflege von Beziehungen ist eine Form der Selbstfürsorge“, sagt er.

Schlüssel zum Glück: Wann ist eine Beziehung „gut“ für die Gesundheit?

Eine der häufigsten Fragen zu den Studienergebnissen sei, ob nur eine romantische Beziehung die schützenden Effekte auf unsere Gesundheit habe. „Absolut nicht“, so Waldinger. „Jede Art von Beziehung unterstützt unsere Gesundheit – Freunde, Verwandte, Kollegen oder Bekannte.“ Es gebe sogar Hinweise darauf, dass kurze Gespräche mit Fremden einen positiven Effekt hätten.

Quelle: Professor Robert Waldinger, TED-Interview

Gesundheit – Glücklich mit den eigenen sozialen Beziehungen sein

Auch sei nicht wichtig, wie viele Freundschaften oder anderweitige sozialen Beziehungen ein Mensch hat. Es sei viel mehr relevant, wie gut das eigene Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit durch die Kontakte zufriedengestellt werde. Introvertierte Menschen könnten beispielsweise mit nur ein oder zwei guten Beziehungen sehr glücklich sein.

Extrovertierte Menschen hingegen könnten auch aus Treffen in größeren Gruppen Energie schöpfen. Man müsse deshalb den Anfang bei sich selbst machen und herausfinden, welche Form von sozialer Verbindung man sich wünscht, so Waldinger. (na)

Auch interessant

Kommentare