+
In den USA häufen sich Meldungen von Lungenkrankheiten, die anscheinend nach dem Konsum von E-Zigaretten auftreten.

E-Zigaretten

E-Zigaretten: Wissenschaftler warnen vor gepanschtem Liquid

  • schließen

In den USA leiden Konsumenten von E-Zigaretten unter akuten Beschwerden – nun gab es sogar einen Todesfall.

Atemnot und Brustschmerzen, dazu in einigen Fällen Erbrechen und Durchfall: In den USA häufen sich Meldungen ungeklärter Lungenerkrankungen, die anscheinend nach dem Konsum von E-Zigaretten auftreten. Nun gab es sogar den ersten Todesfall. Ein Erwachsener aus dem US-Bundesstaat Illinois sei mit einer „schweren, ungeklärten Atemwegserkrankung“ ins Krankenhaus gebracht worden, teilte die leitende medizinische Angestellte des Gesundheitsministeriums, Jennifer Layden, mit. Man prüfe die Verbindung zu elektronischen Zigaretten. Insgesamt 193 ähnliche Fälle wurden den US-Behörden gemeldet.

Was die Beschwerden tatsächlich ausgelöst hat, ist für Experten derzeit noch ein Rätsel. Ute Mons, Gesundheitswissenschaftlerin am Deutschen Krebsforschungszentrum bei der Stabsstelle Krebsprävention, kann nur spekulieren: Klar sei aber, dass die Betroffenen alle junge Männer waren, die kurz hintereinander erkrankten – scheinbar, nachdem sie flüssiges Liquid, das bei E-Zigaretten genutzt wird, rauchten. Da zu den Symptomen in vielen Fällen Durchfall und Erbrechen zählten, vermutet Mons, dass der Auslöser „etwas war, was da drin war“.

Das Liquid könnte demnach „gepanscht“ und „vom Schwarzmarkt“ gewesen sein. „Die Magen-Darm-Beschwerden sprechen für eine Vergiftung“, sagt Mons. „Es gibt Vermutungen, dass sich im Liquid THC befunden haben könnte, das mit Pflanzenschutzmitteln verunreinigt war“, sagt sie. THC – Tetrahydrocannabinol – ist in Cannabis enthalten und der Inhaltsstoff, der den Rausch auslöst. Haben die jungen Männer ihr Liquid für die E-Zigarette illegal beschafft, um gleichzeitig Drogen zu konsumieren? Wenn die Produkte, die für das Liquid verwendet wurden, nicht frei von Pflanzenschutzmitteln waren, könnte das die Erkrankungen ausgelöst haben, sagte Mons. „Das erscheint plausibel.“

Lage in Deutschland unklar

Auch die US-Behörden hatten zuletzt mitgeteilt, dass viele Konsumenten mit Beschwerden THC- Liquids geraucht hätten. Zunächst blieb aber unklar, wie hoch der Anteil der THC-Konsumenten unter den Betroffenen war. Bislang konnten die Behörden zudem kein bestimmtes Produkt ausfindig machen, das mit allen Erkrankungen in Verbindung steht. Es gibt viele verschiedene E-Zigaretten und Tausende sogenannte Liquids – also Flüssigkeiten, die verdampft werden. Andere Experten vermuten auch komplexe allergische Reaktionen auf Bestandteile des Dampfs. Doch andere Ursachen sind ebenfalls möglich.

Laut dem Bundesverband der Krankenkasse AOK gebe es „keinen Grund zu der Annahme, dass Deutsche von diesen Risiken nicht betroffen sein könnten“, teilte Pressereferent Michael Bernatek mit und wies auf Studien zu möglichen Folgen des E-Zigaretten-Konsums hin. Demnach könnten Raucher etwa unter erhöhtem Bluthochdruck, Lungenschädigungen und Atemwegserkrankungen leiden. Wie verbreitet solche Gesundheitsprobleme unter Deutschen sind, „wissen wir nicht“, so Bernatek.

Dass legal erworbenes Liquid an den Erkrankungen schuld sein könnte, kann sich Gesundheitswissenschaftlerin Mons schlecht vorstellen. Es sehe „eher nach einer akuten Ursache“ aus, da viele Menschen in kurzer Zeit erkrankten.

„E-Zigaretten gibt es schon seit zehn Jahren und sie werden in den USA auch viel verwendet“, sagte Mons. „Das wäre uns schon früher aufgefallen.“ In Deutschland ist der Expertin kein Fall bekannt. Man könne davon ausgehen, dass Liquids aus dem Fachhandel „einigermaßen sicher“ seien.

„Gesund ist die E-Zigarette darum aber nicht“, betont sie. Eine Alternative sei sie„nur für Raucher, die vom Rauchen loskommen wollen“. Denn der Konsens in der Wissenschaft sei inzwischen, dass die E-Zigarette weniger schädlich sei als herkömmliche Zigaretten. Wer auf die E-Zigarette umsteige, verzichte immerhin schon mal auf das Verbrennen von Tabak, Papier und weiteren Zusatzstoffen. Das sei ein erster Schritt.

Allerdings seien die Langzeitfolgen von E-Zigaretten noch nicht geklärt – hier fehlten noch Studien. E-Zigaretten hätten „trotzdem Schadenspotential“ und es sei nicht klar „welche Risiken damit auf lange Sicht verbunden sind“, sagte Mons.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare