"Gehorche keinem" heißt es an der Fassade der Universitätsbibliothek inMünster.
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"Gehorche keinem" heißt es an der Fassade der Universitätsbibliothek inMünster.

Kunstwerk sorgt an der Uni Münster für Streit

"Gehorche keinem"

Ein Kunstwerk an der Fassade der Uni Münster soll zum kritischen Denken auffordern. Doch Kritiker verstehen den Schriftzug "Gehorche keinem" als Gotteslästerung und Aufruf zur Anarchie. Von Michael Billig

Von Michael Billig

Münster. Zwei Worte, die die Angestellten der Universität Münster zurzeit in helle Aufregung versetzen: "Gehorche keinem." Sie prangen neuerdings in blutroten Lettern unübersehbar an der Glasfassade der Universitätsbibliothek. Der Schriftzug ist ein Kunstwerk, das nicht überall auf Wohlgefallen stößt.

Dabei will der aus dem Iran stammende und in Bonn lebende Künstler Babak Saed damit nur Folgendes zum Ausdruck bringen: In Wissenschaft und Studium sei es wichtig, "erlernte Regeln in Frage zu stellen und durch deren Bruch Neues entstehen zu lassen".

Dazu hat er sich allerdings einer Formulierung bedient, die den Sportwissenschaftler Emanuel Hübner in Unruhe versetzt. Für ihn ruft der Schriftzug zur Anarchie auf. Die Botschaft gefährde Demokratie und Freiheit, argumentiert er und hat deshalb die Universitätsleitung aufgefordert, die 2,20 Meter großen Buchstaben wieder abzuhängen.

Öffentliche Debatte losgetreten

Mit seiner Kritik hat Hübner eine öffentliche Debatte in der katholischen Metropole losgetreten, an der sich Dozenten und Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen beteiligen. Theologen glauben, in dem Kunstwerk Gotteslästerung zu erkennen. Philologen bemängeln gar, "Gehorche keinem" sei falsches Deutsch und müsse doch "Gehorche niemandem" heißen.

Immer wieder würden Mitarbeiter in der Universitätsbibliothek von Besuchern mit ähnlichen Vorwürfen konfrontiert, bestätigt Klaus Hilgemann gegenüber der FR. Hilgemann ist stellvertretender Direktor der Bibliothek und selbst hin und her gerissen. "Ich bin Christ. Natürlich gehorche ich Gott." Gleichzeitig räumt er ein, der Intention des Künstlers folgen zu können. "Gehorche keinem" erinnere ihn an: "Die Gedanken sind frei."

Außerdem handele es sich nicht um den offiziellen Slogan der Uni oder der Bibliothek, sondern um ein Kunstwerk, versucht Hilgemann die Gemüter zu beruhigen. Dass der Schriftzug, wie von Hübner gewünscht, wieder verschwindet, kann er sich nicht vorstellen.

Das Kunstwerk ist ein Geschenk der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei. Und die hat dafür immerhin 65 000 Euro hingeblättert. Entsprechend denkt die Uni-Leitung nicht daran, wegen einiger Meinungsverschiedenheiten das Objekt aus der Welt zu schaffen.

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