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Vor dem Rathaus in Dresden kleben zwei Männer ein Foto der am 1.7.2009 im Dresdner Landgericht erstochenen Ägypterin Marwa El-Sherbini an die Wand.

Rassismus

Tag gegen antimuslimischen Rassismus

Der Rat Muslimischer Studierender und Akademiker hat den 1. Juli zum Tag gegen antimuslimischen Rassismus ausgerufen. Bundesweit werden deshalb an Universitäten Ausstellungen, Informationsstände, Diskussionen und Vorträge organisiert.

Von Timur Tinç

Heute vor genau sechs Jahren mussten Marwa El-Sherbini und ihr ungeborenes Kind sterben. Alexander Wiens hatte die 28 Jahre alte Pharmazeutin mit 18 Messerstichen im Dresdner Landgericht ermordet. Der Grund: sie war eine kopftuchtragende Muslima. Der Rat Muslimischer Studierender und Akademiker (Ramsa) hat den 1. Juli deshalb zum Tag gegen antimuslimischen Rassismus ausgerufen. Zum zweiten Mal werden bundesweit an Universitäten – unter anderem in Mainz – Ausstellungen, Informationsstände, Diskussionen und Vorträge organisiert.

Bereits im vergangenen Jahr hatten sich hunderte Unterstützer gefunden – Menschen unterschiedlichen Glaubens. „Über das Thema muss gesprochen werden“, sagt Ramsa-Präsidentin Hatice Durmaz. Die gewaltbereite Hogesa-Demonstration in Köln, Pegida in Dresden und deren Ableger, eine Serie von Brandanschlägen auf Moscheen und „zahlreiche andere Übergriffe auf Muslime sowie islamische Einrichtungen unterstreichen die Notwendigkeit solcher Aktionen“, betont Durmaz.

Hinzu kommen die islamfeindlichen Internetseiten und rassistischen Kommentare in sozialen Netzwerken und auf Webseiten von Zeitungen.

Wachsende Islamfeindlichkeit

Alleine im Jahr 2014 gab es 45 Brandanschläge auf Moscheen. SPD und Grüne haben im niedersächsischen Landtag einen Antrag gestellt, dass eine eigene Erfassung antimuslimisch motivierter Straftaten unter dem Themenfeld Hasskriminalität eingeführt wird. Staatsministerin Aydan Özoguz, Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration sieht die wachsende Islamfeindlichkeit mit großer Sorge.

„Leider unterscheiden viele nicht zwischen Islam und Terror“, sagte Özoguz der Frankfurter Rundschau. Damit Muslimfeindlichkeit nicht salonfähig wird, seien Staat und Zivilgesellschaft gleichermaßen gefordert. „Die Bundesregierung hat deshalb unter anderem die Mittel für das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ insbesondere bei der Bekämpfung von antimuslimischen Ressentiments aufgestockt“, so Özoguz. Es seien aber alle aufgerufen, wachsam zu sein und laut zu werden, wenn es pauschale Angriffe gegen Menschen aufgrund einer bestimmten Religionszugehörigkeit gäbe.

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