Gebärmutterhalskrebs bildet sich am Übergang zwischen Scheide und Uterus.
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Gebärmutterhalskrebs bildet sich am Übergang zwischen Scheide und Uterus.

Medizin

Gebärmutterhalskrebs: Veränderte Früherkennung seit Januar 2020

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Gebärmutterhalskrebs ist ein Thema, das jede Frau angeht. Seit Januar 2020 hat sich die Früherkennung geändert, es gibt nun auch ein Screening auf HPV.

  • Die Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung ist eine Routineuntersuchung beim Gynäkologen
  • Den Pap-Test kann jede krankenversicherte Frau ab 20 einmal im Jahr kostenlos durchführen lassen
  • Seit 1. Januar 2020 können Frauen ab 35 Jahren alle drei Jahre einen kombinierten Pap-Test und HPV-Test wahrnehmen

Die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs gehört zu den Routineuntersuchungen beim Gynäkologen. Frauen jeden Alters kennen es: Der Arzt entnimmt mit einem kleinen Spatel schmerzlos Zellen aus dem Muttermund – deren anschließende Analyse unter dem Mikroskop gibt dann Aufschluss über mögliche entzündliche Veränderungen, Vorstufen von Krebs oder eine bereits bestehende Tumorerkrankung.

Seit Anfang der 1970er Jahre ist dieser sogenannte Pap-Test neben einer gynäkologischen Untersuchung Bestandteil der Krebsfrüherkennung, die jede krankenversicherte Frau ab einem Alter von 20 Jahren einmal jährlich kostenlos in Anspruch nehmen kann. Der Nutzen des Pap-Tests gilt als unbestritten, die Fehlerquote als sehr gering. So belegen Zahlen des deutschen Krebsregisters, dass vor der Einführung des Pap-Tests doppelt so viele Frauen an Gebärmutterhalskrebs starben wie heute. Einer der Vorteile des Tests ist es, dass er bereits Vorstufen von Krebs erkennen kann.

Vorsorge beim Gynäkologen: Kombinierter Pap- und HPV-Test alle drei Jahre

Seit dem 1. Januar wird die gynäkologische Vorsorge in Deutschland nun nicht mehr einheitlich gehandhabt, sondern in zwei Altersgruppen eingeteilt: Frauen zwischen 20 und 34 Jahren können wie bisher einmal im Jahr ihren Unterleib untersuchen und einen Zellabstrich nehmen lassen, für sie ändert sich nichts. Frauen ab 35 wird künftig ein Screening auf Gebärmutterhalskrebs angeboten: Für sie wird der Pap-Abstrich künftig mit einem Test auf humane Papillomviren (HPV) kombiniert. Ist das Ergebnis unauffällig, wird der Doppeltest alle drei Jahre wiederholt. Die gynäkologische Untersuchung des Unterleibs kann wie gehabt einmal im Jahr kostenlos wahrgenommen werden.

Auch für eine Brustkrebsvorsorge müssen Frauen in regelmäßigen Abständen Untersuchungen durchführen lassen. Dabei hat die Ernährung einen entscheidenden Einfluss auf das Brustkrebsrisiko: Laut einer neuen Studie lässt Kuhmilch das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, erheblich ansteigen.

Humane Papillomviren sind weit verbreitete Erreger, die Feigwarzen, Entzündungen und auch bösartige Veränderungen hervorrufen können. Es existieren mehr als 200 verschiedene HPV-Typen, etwa 40 von ihnen verursachen Infektionen und sind sexuell übertragbar. Die meisten Frauen und Männer stecken sich im Laufe des Lebens einmal oder auch mehrmals mit einem HP-Virus an. Oft verlaufen die Infektionen unbemerkt und heilen auch ohne Behandlung folgenlos von alleine aus, denn die meisten humanen Papillomviren sind harmlos. Einige Typen jedoch erhöhen das Risiko für Gebärmutterhalskrebs.

Manche Humanen Papillomviren erhöhen das Risiko für Gebärmutterhalskrebs

Das Zervixkarzinom, so der medizinische Fachbegriff, zählt weltweit zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen und wird in den meisten Fällen durch eine Infektion mit Viren ausgelöst. Der Krebs entsteht dabei oft viele Jahre nach der Ansteckung aus krankhaft veränderten Hautarealen. Mädchen und Jungen im Alter zwischen neu und 18 Jahren können sich gegen eine Ansteckung mit Hochrisiko-Papillomviren impfen lassen; manche Krankenkassen zahlen die Impfung auch bis zum 26. Geburtstag..

Zurück zum Screening: Zeigen der Pap-Abstrich und/oder der HPV-Test Auffälligkeiten, muss der Befund abgeklärt werden. Dafür wird der Gebärmutterhals der Patientin unter einem besonderen Mikroskop untersucht, einem Kolposkop. Gynäkologen, die damit arbeiten, müssen eine spezielle Qualifikation erwerben.

Zu wenige Frauenärzte können die Untersuchung mit dem Kolposkop anbieten

Nach Angaben des Berufsverbandes der Frauenärzte gibt des derzeit in Deutschland jedoch „bei weitem zu wenige Frauenärztinnen und -ärzte“, die diese Untersuchungen mit dem Kolposkop anbieten können“. Sie sehen deshalb ein „Chaos in den Praxen“ auf ihre Kolleginnen und Kollegen zukommen und haben Ende November vergangenen Jahres sogar einen offenen Brief an Bundesminister Jens Spahn (CDU) geschrieben mit der Forderung, den Start des Programms zu verschieben.

Die Frauenärzte fürchten, dass es zu Wartezeiten kommen wird, „die schnell über viele Monate anwachsen können, bis hin zu einem völligen Zusammenbruch des Systems“. Außerdem seien „grundlegende Fragen“ des Datenschutzes und der Dokumentation noch ungeklärt. Letzteres hat vor allem damit zu tun, dass die nötige Software für die Praxen bis zum 1. Januar 2020 noch nicht zur Verfügung gestellt werden konnte. Deshalb habe man den Start der neuen Früherkennung „zunächst auch ohne Erfüllung der Dokumentationsvorgaben ermöglicht“, heißt es in einer Pressemitteilung des Gemeinsamen Bundesausschusses. Bislang ist vorgesehen, dass die Erfahrungen mit dem Screening-Programm nach sechs Jahren ausgewertet werden sollen und man prüfen will, ob es sich bewährt hat.

In Zukunft könnte es einen Gebärmutterhalskrebs-Schnelltest für zuhause geben

In einigen Jahren könnte es möglicherweise eine noch einschneidendere Veränderung beziehungsweise eine zusätzliche Option bei der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs geben: Bei einer großen Krebskonferenz im vergangenen Jahr stellte ein Forscherteam um Belinda Nejai von der Queen Mary University in London einen Schnelltest für zu Hause vor, bei dem Frauen selbst Vaginalsekret und Urinproben nehmen können. An der Studie nahmen 600 Frauen teil, die aufgrund eines auffälligen Screening-Befundes oder eines positiven HPV-Tests bereits mit einem Kolposkop untersucht worden waren. Ein Teil nahm nur einen Abstrich aus der Vagina, ein Teil zusätzlich auch noch eine Urinprobe. Wie die Forscher berichteten, habe der Test in beiden Varianten gut funktioniert und verlässliche Hinweise auf fortgeschrittene Vorstufen einer Krebserkrankung geliefert.

Der Test mit dem Namen „S 5“ sucht nach epigenetischen Veränderungen im Erbgut von menschlichen Zellen und HP- Viren. Epigenetische Veränderungen sagen etwas über die Aktivität bestimmter Gene aus.

Krankhafte Veränderungen am Gebärmutterhals frühzeitig erkennen

Interessant könnte der Test vor allem für Frauen sein, die den Weg zum Gynäkologen scheuen, weil sie die Untersuchung als unangenehm empfinden und die deshalb nicht an der Früherkennung teilnehmen. Bei diesen Patientinnen wird der Krebs oft erst dann erkannt, wenn er bereits Beschwerden macht und somit häufig schon fortgeschritten ist.

Auch für Frauen, die in abgelegenen Regionen oder Ländern ohne Krebsfrüherkennung leben, könnte ein solcher Selbsttest eine Hilfe sein, krankhafte Veränderungen am Gebärmutterhals frühzeitig zu erkennen.

Es gibt aber auch kritische Stimmen, dass ein solcher Selbsttest die bewährte bisherige Krebsfrüherkennung konterkariert.

Neue Entwicklungen gibt es auch beim Blasenkrebs. Zielgerichtete Medikamente und die Immuntherapie erweitern inzwischen die Möglichkeiten der Behandlung - auch im fortgeschrittenen Krankheitsstadium.

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