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Die Zahl der Ganztagsschulen wird weiter steigen.

Bildung

Ganztagsschulen: „Eltern wollen es flexibel“

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Ein Bildungsforscher über den Stand des Ausbaus der Ganztagsschulen.

Stephan Kielblock arbeitet am DIPF/Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt am Main. Er ist Gesamtkoordinator der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG). Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen das professionelle Handeln von Mitarbeitern im pädagogischen Bereich sowie die Qualität der von ihnen gestalteten Bildungssettings.

Herr Kielblock, die Mehrheit der Eltern will Ganztagsschulen, aber nicht alle können ihre Kinder in eine solche schicken. Warum kommt das Projekt nur schleppend voran?
Quantitativ kommt der Ausbau von Ganztagsschulen gut voran. Rund 70 Prozent der Schulen führen inzwischen diesen Titel. Und die Tendenz zeigt weiter nach oben. Die Zahl der Ganztagsschulen wird also weiter steigen. Allerdings gibt es qualitativ und konzeptionell große Unterschiede – und zwar nicht nur zwischen den Bundesländern, sondern auch zwischen den einzelnen Schulen. Zum Beispiel sind nicht an allen Ganztagsschulen sämtliche Schülerinnen und Schüler bis nachmittags in der Schule. Auch die Akzeptanz der Schulen unterscheidet sich – was wiederum von der Qualität der Schule abhängt.

Welche Arten der Ganztagsschulen gibt es und welche wird bevorzugt?
Alle Ganztagsschulen sollten an mindestens drei Tagen Mittagessen und Ganztagsangebote anbieten und zwar im Umfang von mindestens sieben Zeitstunden. Mehrheitlich gibt es offene Ganztagsschulen, wo Kinder vormittags lernen und eine Teilnahme am weiteren Ganztagsbetrieb freiwillig ist. In der Minderheit sind die gebundenen Ganztagsschulen, wo Kinder verbindlich vor- und nachmittags in der Schule sind, um zu lernen und auch beispielsweise Sport zu treiben oder ein Musikinstrument zu lernen.

Rund 40 Prozent der Eltern wollen keine Ganztagsschule. Warum nicht?
Viele Mütter und Väter wollen ihr Kind möglichst flexibel und nicht zu einer festgesetzten Zeit abholen. Das bieten ihnen offene Ganztagsschulen oder Halbtagsschulen. Bei diesen Schultypen haben die Eltern auch mehr Einflussmöglichkeiten auf die kulturelle und sportliche Entwicklung ihres Nachwuchses. Sie wollen ihre Kinder jenseits der Schule fördern, etwa, indem sie sie in die Musikschule, in einen Sportverein oder in kommerzielle Nachhilfe schicken.

Einige Sportvereine und Anbieter von Musikunterricht hatten die Sorge, Ganztagsschulen würden ihnen das Leben schwer machen, da die Mädchen und Jungen nach 17 Uhr keine Zeit oder keinen Bedarf mehr für ein solches Angebot haben. Wie sieht es damit aus?
Grundsätzlich ist diese Sorge nachvollziehbar. In der Praxis zeigt sich das aber so gut wie nie. Und zwar aus zwei Gründen. Einerseits überwiegt das offene Modell der Ganztagsschule, bei der, wie gesagt, der größte Teil der Schülerinnen und Schüler vormittags in die Schule geht und nachmittags genügend Zeit hat, die eigene Freizeit zu gestalten. Es ist also nicht so, dass plötzlich alle Kinder keine Zeit mehr haben für Fußball oder ein Musikinstrument. Andererseits kooperieren viele Ganztagsschulen mit den nahe gelegenen Vereinen. Ein Fußballklub trainiert dann etwa Kinder nachmittags innerhalb der Schulzeit.

Ganztagsschulen müssen zum Unterricht noch Mittagessen und Nachmittagsbetreuung und -programm organisieren. Wie sehr hindert der Lehrer- und Fachkräftemangel die Entwicklung der Ganztagsschule?
Die Kooperation von verschiedenen Professionen an einer Ganztagsschule ist ungemein komplex und teils sehr schwierig. Es kann bei jenen Kräften, die die Kinder nachmittags betreuen, für Unmut sorgen, wenn die Lehrerinnen und Lehrer den Kindern zu viele Hausaufgaben geben. Denn dann bleibt nachmittags weniger Zeit für das restliche Angebot wie gezielte Förderangebote. Hier entwickelt sich viel und wird sich auch weiter viel verändern. Lehrermangel ist dabei nur eine Facette des Problems.

Wie sieht es mit Quereinsteigern aus?
Einerseits wird für Ganztagsschulen häufig gefordert, möglichst heterogene Professionen zu nutzen, darunter auch pädagogisch nicht ausgebildete Menschen. Demnach könnte etwa ein Künstler den Kindern durchaus das Malen beibringen. Andererseits wird auch für diese Personen immer wieder eine pädagogische Grundausbildung gefordert. In den vergangenen Jahren ist es eher noch schwieriger geworden, diese beiden Positionen zusammenzubringen. 

Interview: Andreas Schwarzkopf

FR-Event: Ganztagsschulen. Marathonlauf mit Hindernissen

Die Mehrheit der Eltern will Schulen, in denen ihre Kinder ganztägig lernen und leben. Dennoch kommt das Projekt zu schleppend voran. Welche Hürden sind zu nehmen? Fehlt der politische Wille, das Geld oder behindert der Lehrermangel entscheidende Fortschritte? 

Zu einer Diskussion darüber laden ein: die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie Frankfurter Rundschau.

  • Mittwoch, 6. November, 19.00 Uhr, Einlass ab 18.30 Uhr, Haus am Dom, Domplatz 3, Frankfurt am Main
  • Es diskutieren: Ilka Hoffmann, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft; Wolf Schwarz, Ministerialdirigent des Hessischen Kultusministeriums; Klaus Klemm, Bildungsforscher
  • Es moderiert: Andreas Schwarzkopf, Frankfurter Rundschau

Der Eintritt ist frei

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