Betreuung

Ganztagsschule hat Potenzial

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Mehr Einrichtungen bieten Betreuung an, es gibt aber Probleme bei der Personalgewinnung.

In Deutschland sind rund zwei Drittel aller Schulen nach Angaben der Kulturministerkonferenz ganztägig organisiert. Das ist ein Anstieg im Vergleich zum Jahr 2005 – damals waren es noch 25 Prozent. An der überwiegenden Mehrzahl der Schulen ist eine Teilnahme am Ganztag freiwillig.

Wie eine repräsentative Online-Befragung von 1355 Schulleitungen im Rahmen der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (www.projekt-steg.de) ergab, bieten neun von zehn der befragten Grundschulen an mindestens vier Tagen pro Woche einen Ganztagsbetrieb an – wie auch die Mehrheit der Schulen in der Sekundarstufe. Im Schnitt sind die Einrichtungen täglich rund acht Stunden geöffnet. Ganztagsgrundschulen, die mit einem Hort kooperieren, bieten sogar an mehr als neuneinhalb Stunden eine Betreuung an.

Im Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung darüber hinaus einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder ab dem Jahr 2025 vereinbart. Auch wenn, wie die beteiligten Forscher betonen, die Ganztagsschule eine zentrale Grundlage für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bildet, übersteigt insbesondere an Grundschulen die Zahl der Anmeldungen bei weitem das Platzangebot. An insgesamt 17 Prozent der Einrichtungen fehlen Ganztagsplätze. Ein weiteres Problem für erwerbstätige Eltern ist, dass zwar die Mehrheit der Grundschulen eine Ferienbetreuung organisiert, die Ferienzeiten jedoch nicht komplett abgedeckt werden. Das größte Problem für die Schulleitungen ist derzeit die Gewinnung von geeignetem Personal, um die Ganztagsschulen weiterzuentwickeln. Außerdem gibt es Verbesserungsbedarf bei der Kooperation zwischen den Lehr- und Fachkräften. Ein Viertel der Grundschulleitungen gibt zudem an, dass die Lehrkräfte die Weiterentwicklung des Ganztags nicht unterstützen. Noch mehr sind es an Schulen der Sekundarstufe I inklusive der Gymnasien: Dort hat jeder dritte Lehrer Vorbehalte.

Das Mittagessen ist teuer

Die Mehrheit der Schulen leistet einen Beitrag zu Inklusion und Integration, indem sie gemeinsame Ganztagsangebote für alle Lernenden organisieren – für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, mit nicht-deutscher Herkunftssprache oder Fluchterfahrung. Weniger als 50 Prozent der Grundschulen und nur ein Drittel der Schulen der Sekundarstufe I (ohne Gymnasien) sehen jedoch vor, Inklusion und Integration gezielt durch Konzepte für den Ganztag zu fördern. An Gymnasien sind es sogar nur elf Prozent. Erschwerend kommt hinzu, dass es an barrierefreien Räumen mangelt: Weniger als die Hälfte der Schulleitungen hat demnach eine für Integration und Inklusion geeignete Ausstattung – ganz zu schweigen von der Personalnot. „Will man Inklusion und Integration durch den Ganztag unterstützen, braucht es gute Konzepte und zusätzliche Mittel“, so die Forscher.

Während mehr als 90 Prozent der Ganztagsschulen sportliche und musisch-kulturelle Angebote machen, gibt es einen Rückgang bei den Angeboten zu neuen Medien – um mehr als zehn Prozentpunkte gegenüber dem Jahr 2012. Mehr als zwei Drittel der Schulen bieten beispielsweise Hausaufgabenbetreuung oder spezifische Fördermaßnahmen an.

Kritik üben die Forscher vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, dem Deutschen Jugendinstitut, dem Institut für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund und der Uni Gießen an der „finanziellen Belastung von Eltern“, wenn es darum geht, breite Teilhabe und Chancengleichheit zu ermöglichen. Das Mittagessen ist weiter fast durchgehend kostenpflichtig und teurer als beispielsweise an den Mensen von Hochschulen. Knapp die Hälfte der Grundschulen erheben zudem generelle Beiträge; schulübergreifend fallen jedoch seltener Beiträge für einzelne Angebote an.

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