Impfstoff

Ganz vorne dabei

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Zwei der führenden Firmen, die nach einem Corona-Impfstoff suchen, sitzen in Deutschland.

Eine Impfung gegen Sars-CoV-2 ist derzeit eines der gefragtesten Produkte der Welt. Gut drei Dutzend Labore in Firmen und Universitäten arbeiten daher bereits an verschiedenen Methoden zur Entwicklung eines passenden Wirkstoffs. Besondere Aufmerksamkeit schenkt die Wissenschaft dabei derzeit drei Unternehmen, die eine gentechnische Abkürzung zum Impfstoff suchen. Zwei dieser Biotech-Firmen kommen aus Deutschland: Die Firma Biontech in Mainz und Curevac in Tübingen. Sie stehen an der Front der Corona-Bekämpfung.

Beide Unternehmen sind vergleichsweise jung und von Anfang an als Spezialisten für den Umgang mit Boten-Ribonukleinsäure gegründet, die im Fachjargon als mRNA abgekürzt wird. Dabei handelt es sich um genetische Information in Form eines Strangs von Molekülen. Sowohl Biontech als auch Curevac sind also keine klassischen Impfstoff-Spezialisten, sondern sie suchen nach zahlreichen Anwendungen für ihre Grundidee, mit den Botenmolekülen allerlei nützliche Reaktionen im Körper auszulösen. Ihr Konkurrent mit einem ähnlichen Profil sitzt in den USA. Die Firma Moderna aus Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts arbeitet derzeit ebenfalls mit Hochdruck an einer Corona-Impfung auf Basis von mRNA.

Biontech wolle bereits Ende April erste Wirkstoffe an Menschen testen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Das Unternehmen ist dazu eine Kooperation mit dem chinesischen Mischkonzern Fosun eingegangen: Das Großunternehmen schießt 44 Millionen Euro an Kapital für die Forschung zu. Außerdem ist die Rede von Impfstoff-Tests in China.

Um den Tübinger Rivalen Curevac hatte es am Wochenende große Aufregung gegeben. Die US-Regierung wollte das Unternehmen offenbar kaufen, um den Impfstoff für sich zu behalten. Die Empörung darüber legte sich Sonntagabend, als Dietmar Hopp, der Haupteigner des Unternehmens klarstellte, ein Verkauf an die Amerikaner komme nicht in Frage. Am Montag legte Hopp mit der Prognose nach, Curevac werde bis zum Herbst einen Impfstoff gegen das neue Corona-Virus fertig haben.

Die Entwicklung eines Impfstoffs in nur etwas über einem halben Jahr wäre ein Rekord und eine Sensation. Möglich ist dieses ehrgeizige Ziel durch die mRNA-Technik. Die Forscher nutzen dafür eine der Grundideen des Lebens auf unserem Planeten. Alle Zellkerne stellen mRNA her, um der Maschinerie im Rest der Zelle zu sagen, welche Substanzen sie herstellen sollen. mRNA ist also ein Bauplan für Moleküle, die eine Zelle herstellen kann. Erst vor wenigen Jahren ist klargeworden, dass sich die Botenmoleküle auch für die Herstellung von Impfstoffen eignen.

Herkömmliche Impfstoffe gegen Grippe werden etwa hergestellt, indem große Mengen an Viren gezüchtet, dann abgetötet und zusammen mit etwas Flüssigkeit in Ampullen gefüllt werden. Ausgangspunkt war also immer ein normales, vollwertiges Grippevirus. Die Methode auf Basis von mRNA geht anders vor. Ausgangspunkt sind Stücke von mRNA, die den Bauplan für ein Bruchstück des Virus bilden. Den Botenstoff hüllen die Wissenschaftler in Gebilde aus Fettmolekülen. Hier liegt das Geheimwissen von Biontech, Curevac und Moderna: Sie haben Verfahren, um empfindliche mRNA so einzukapseln, dass sie sich spritzen lässt. Ohne die schützende Hülle würde der Wirkstoff im Blut des Patienten sofort zerfallen. Aber so kann das Immunsystem diese Virenteile als potenziell gefährlich erkennen – und Antikörper bilden. Fortan ist es gegen Covid-19 gewappnet.

Der große Vorteil dieser Methode ist die Geschwindigkeit in der Gewinnung des Impfstoffs. Weil die Produktion im Zweifelsfall sehr schnell geht, können auch Tests viel früher beginnen. Die US-Konkurrenz liegt hier jedoch bereits eine Nasenlänge vor den Deutschen. Moderna aus Cambridge hat am Montag mit ersten Versuchen an Menschen begonnen.

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