1. Startseite
  2. Wissen

Gaia BH1 – Das Schwarze Loch um die Ecke

Erstellt:

Von: Pamela Dörhöfer

Kommentare

Ein Schwarzes Loch mit einer hellen Akkretionsscheibe.
Ein Schwarzes Loch mit einer hellen Akkretionsscheibe. © Max-Planck-Institut

Ein Forschungsteam entdeckt das bislang erdnächste Schwarze Loch.

In kosmischen Dimensionen sind 1560 Lichtjahre nur ein Steinwurf entfernt. In dieser Distanz befindet sich das Schwarze Loch Gaia BH1 – und ist damit das der Erde nächste seiner Art. Ein Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg und des Centers for Astrophyscis Harvard & Smithsonian (USA) hat es mit Hilfe des Gemini-North-Teleskops auf Hawaii und von Daten der Raumsonde Gaia der Europäischen Weltraumorganisation Esa im Sternbild Schlangenträger entdeckt. Gaia BH-1 umkreist dort in 185,6 Tagen einen Stern, der unserer Sonne ähnelt. Ihre Erkenntnisse beschreiben die Fachleute im Magazin Monthly Notices of The Royal Astronomical Society.

Schwarze Löcher gelten als die extremsten Phänomene im Universum (jedenfalls kennt man bisher keine extremeren). Es sind Objekte von unvorstellbarer Dichte mit einer stellaren Masse, die das Fünf- bis Hundertfache der Sonnenmasse wiegt, wie das National Optical-Infrared Astronomy Research Laboratory (Noirlab) schreibt, von dem das North-Teleskop betrieben wird. Diese Masse ist auf eine Region mit einem winzigen Durchmesser konzentriert, was zu einer ungeheuren Schwerkraft führt, durch die nichts entweichen kann, nicht einmal Licht.

Schwarze Löcher: Wohl hundert Millionen Exemplare in der Milchstraße

Schwarze Löcher sind keineswegs selten. Geschätzt soll es hundert Millionen allein in unserer Milchstraße geben, die wiederum nur eine von einer Billion vermuteten Galaxien im Universum ist. Bisher konnte allerdings lediglich eine Handvoll Schwarzer Löcher bestätigt werden, denn ihre Beobachtung ist außerordentlich schwierig. Fast alle dieser entdeckten Schwarzen Löcher sind „aktiv“, was bedeutet, dass sie im Röntgenlicht leuchten, wenn sie mit ihrer Schwerkraft Wasserstoffgas aus ihrem Begleitstern ziehen; ein Effekt, der Akkretionsscheibe genannt wird. Daneben gibt es aber auch „stille“ oder „ruhende“ Schwarze Löcher ohne solche hellen Scheiben. Sie waren bisher kaum zu entdecken, oder vermeintliche Funde wurden im Nachhinein widerlegt. Dem Forschungsteam um Astrophysiker Kareem El-Badry gelang der Nachweis durch Beobachtungen des sonnenähnlichen Sterns, der das Schwarze Loch begleitet. Grundlage dafür waren Daten der Esa-Sonde Gaia, die winzige Unregelmäßigkeiten in der Bewegung des Sterns zeigten, die durch die Schwerkraft eines unsichtbaren massereichen Objekts verursacht worden sein mussten.

Kostenloser Newsletter

Alle wichtigen Nachrichten aus Astronomie und Raumfahrt direkt in Ihr Mail-Postfach

„Dies ist der erste eindeutige Nachweis eines sonnenähnlichen Sterns in einer weiten Umlaufbahn um ein stellares Schwarzes Loch in unserer Galaxie“, wird Kareem El-Badry, Hauptautor der Studie, in der Mitteilung von Noirlab zitiert. Der Astrophysiker vermutet, dass es in unserer Galaxie noch zahlreiche ähnliche Systeme gibt, und hofft auf die nächste Datenveröffentlichung der Gaia-Sonde. Diese ist allerdings nicht vor Ende 2025 zu erwarten. (pam)

Auch interessant

Kommentare