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In riesigen Tanks auf dem Gelände des Atomkraftwerks von Fukushima wird radioaktiv belastetes Kühlwasser gelagert.
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Nach der Atomkatastrophe von Fukushima werden die Kapazitäten für die Lagerung des radioaktiv belasteten Wassers knapp.

Studie zu Plänen Japans

Fukushima: Radioaktiv belastetes Wasser verteilt sich über den gesamten Pazifik

  • VonMax Schäfer
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Kühlwasser aus Fukushima soll in den Pazifischen Ozean geleitet werden. Dort bereitet es sich schnell aus, stellen Forschende in einer Studie fest.

Shenzhen – Mehr als zehn Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima müssen die Reaktoren weiterhin gekühlt werden. Zusammen mit Regen- und Grundwasser kommen dadurch täglich etwa 170 Tonnen von radioaktiv belastetem Wasser zusammen. Mehr als 1,2 Millionen Tonnen davon werden bereits in Wassertanks gelagert und aufbereitet. Doch es gibt ein Problem: Laut Betreiberfirma Tepco werden die Lagerkapazitäten ab Herbst 2022 ausgeschöpft sein.

Fukushima: Belastetes Kühlwasser soll in Pazifik geleitet werden

Um das Lagerproblem in Fukushima zu lösen, wollen Tepco und die japanische Regierung das radioaktiv belastete Wasser ins Meer pumpen. Zuvor wird das Wasser gefiltert. Dabei können 62 Radionuklide aus dem Wasser entfernt werden – mit Ausnahme des Wasserstoff-Isotops Titium. Zusätzlich wird das mit Tritium belastete Wasser so weit verdünnt, bis der Grenzwert von 60.000 Becquerel pro Liter liegt. Das entspricht dem internationalen Grenzwert für das Verklappen ins Meer. Deshalb sei das Einleiten des radioaktiv belasteten Wassers in den Pazifischen Ozean von der Internationalen Atomenergie-Organisation als unbedenklich eingestuft worden, berichtet das Wissenschaftsmagazin Scinexx. 2023 soll das Einleiten des Wassers in den Pazifik beginnen.

Dennoch kritisieren Anwohner:innen, Umweltschützer:innen und Nachbarstaaten die Pläne. Die japanische Regierung habe die schnellste und billigste Lösung für das Problem gewählt, so der Vorwurf der Kritiker:innen. Sie befürchten Umweltschäden und eine weitreichende Kontamination des Meeres. Es gebe außerdem Hinweise, dass trotz Filter weiterhin Nuklide wie Strontium und Cäsium im Wasser seien, das nahe Fukushima ins Meer geleitet werden soll.

Nach Fukushima-Katastrophe: Radioaktiv verseuchtes Wasser breitet sich schnell nach Osten aus

Die Folgen der Einleitung des radioaktiv belasteten Wassers für den Pazifischen Ozean ist Gegenstand einer Studie von Yi Liu vom Institut für Meeresforschung an der Tsinghua Universität in Shenzhen, die in der Fachzeitschrift National Science Review veröffentlicht wurde. Mithilfe von zwei Modelle simulieren die Forschenden die Ausbreitung des radioaktiven Wasserstoff-Isotops Tritium im Pazifik.

Die Simulationen zeigen, dass sich das radioaktiv belastete Wasser von Fukushima aus innerhalb von etwa 120 Tagen schnell über 30 Breitengrade und 40 Längengrade im nördlichen Pazifik ausbreitet. Die Radionuklide bewegen sich dabei hauptsächlich in Richtung Osten. Ursache dafür sind die Meeresströmungen Kuroshion und Oyasion, die sich nahe Fukushima treffen. Ein Streifen mit der höheren Tritium-Konzentration bewegt sich laut der chinesischen Studie entlang des 35. nördlichen Breitengrades nach Osten. Nach etwas mehr als drei Jahren erreicht die Kontamination die Westküste der USA und ist damit über den gesamten nördlichen Pazifik verteilt.

Radioaktiv belastetes Wasser aus Fukushima: Nach sechs Jahren im gesamten Pazifik, aber ist es auch gefährlich?

Die Radionuklide haben sich laut der chinesischen Studie nach sechseinhalb Jahren über den gesamten Pazifischen Ozean verteilt und erreichen schließlich auch den Indischen Ozean. Die Forschenden stellen fest, dass nach fast 11 Jahren die Belastung an der Westküste der USA höher sein wird, als in der Stadt Miyazaki in Japan oder in Shanghai in China. Wie hoch die radioaktive Belastung durch das Einleiten des Wassers aus Fukushima letztendlich sein wird, können die Forschenden jedoch nicht sagen. Die Modelle seien Basis für künftige quantitative Berechnungen, zitiert das Wissenschaftsmagazin Scinexx die Wissenschaftler:innen.

Das Tritium stelle weder für Mensch noch für Umwelt eine Gefahr dar, stellt Radioökologe Georg Steinhauser im Interview mit der Deutschen Welle (DW) fest. Es sei ein Bruchteil dessen, was von den Atomwaffentests dort noch drin sei. Es werde in Kürze unter die Nachweisgrenze verdünnt.

Die Einleitung des Wassers aus Fukushima sei radiologisch unbedenklich, ist laut DW auch Burkhard Heuel-Fabianek, Leiter des Geschäftsbereichs Strahlenschutz am Forschungszentrum Jülich, überzeugt. Selbst, wenn Tritium in den Körper gelange, sei das Risiko gering. Es werde kaum im Gewebe gebunden, so Heuel-Fabianek. (Max Schäfer)

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