+
Das neue Verfahren ermöglicht, die Zahl der täglichen Tests massiv zu erhöhen.

Corona

Frankfurter Wissenschaftler entwickeln neuen Corona-Test

  • schließen

Frankfurter Wissenschaftler haben eine ressourcensparende Methode entdeckt, um Patienten auf das Coronavirus zu testen. Sie ist weltweit einsetzbar, und zwar sofort.

Forscher aus Frankfurt haben ein Verfahren entwickelt, das die Testkapazitäten zum Nachweis von Sars-Cov-2 weltweit enorm erhöhen kann. Verfügbar ist es ab sofort. Beteiligt daran: die Leiterin des Instituts für Medizinische Virologie der Uniklinik, Sandra Ciesek, sowie der Blutspendedienstes des Deutschen Roten Kreuzes um Erhard Seifried.

Bundesweit gibt es aktuell rund 40 000 Untersuchungen pro Tag. Diese Zahl lasse sich auf bis zu 400 000 Untersuchungen steigern, ohne die hohe Qualität der Diagnostik zu reduzieren, teilt die Uniklinik mit.

Die Präsidentin der Goethe-Universität, Birgitta Wolff, spricht von einem „Meilenstein“, Hessens Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) von einer „großartigen Entdeckung“. „Damit wird es möglich, die von allen Wissenschaftlern und auch Politikern geforderte Ausweitung der Testung in weitere Bevölkerungsgruppen auch bei den begrenzten Testkit-Ressourcen früher umzusetzen als bisher angenommen wurde“, sagt Seifried.

Das Verfahren nennt sich Pool-Test. Schleimhautabstrichproben des Rachens oder der Nase werden in einer Pufferlösung zusammengeführt und anschließend mit Hilfe des sogenannten PCR-Verfahrens getestet. Bei einem negativen Ergebnis ergibt sich für alle darin enthaltenen Proben ein zuverlässig negatives Ergebnis. Im Fall eines positiven Befunds folgt die einzelne Testung der zuvor angefertigten Rückstellproben. Die positive Probe kann dann, wie bisher, innerhalb von vier Stunden identifiziert werden. Die Wissenschaftler sprechen von einer „Mini-Pool-Methode“. Dabei kommt der Abstrichtupfer zunächst in ein Archivröhrchen und anschließend in ein Pool-Gefäß. Nach einer Vortestung haben die Frankfurter die Neuerung in einem kleinen Feldversuch an 50 unselektierten Patientenproben erfolgreich ausprobiert.

Das Verfahren ermögliche, die Zahl der Tests in der Bevölkerung ressourcenschonend massiv auszubauen, sagt Ciesek: „Auf der Basis dieser Laborergebnisse können insbesondere große Kohorten und Untersuchungen bei asymptomatischen Menschen durchgeführt werden, wobei dadurch eine massive Einsparung insbesondere von Testkits möglich ist.“ Aktuell erforscht die Gruppe Möglichkeiten, die Pools von derzeit jeweils fünf Proben zu vergrößern.

Bei einem globalen Einsatz könnte das Verfahren sehr schnell eine bessere Auskunft über die Zahl tatsächlich infizierter Menschen ermöglichen, ergänzt Michael Schmidt vom Blutspendedienst. Von einer Erweiterung des Screening hänge die Effektivität der Strategie der Früherkennung und Isolierung ab. Gerade für systemrelevante Berufsgruppen sei dies von hohem Nutzen – etwa für Ärzte, in der Krankenpflege, bei Polizei, Feuerwehr, in Altenheimen, Verwaltung, der Nahrungsmittelindustrie.

Die Rechte an der in den USA und in Europa zum Patent angemeldeten Erfindung werden gemeinschaftlich von der Goethe-Universität und dem Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes gehalten. Über die Wissenstransfergesellschaft der Goethe-Universität, Innovectis, kann die Technologie umgehend anderen Einrichtungen zugänglich gemacht werden.

Mainova-Chef Alsheimer spricht im Interview über den Stromverbrauch in Frankfurt in Corona-Zeiten, die Verantwortung für den Betrieb von Kliniken und Supermärkten und Notfall-Szenarien, falls sich die Lage noch zuspitzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare