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Fordert eine stetige Steigerung der Grundfinanzierung: Frankfurter Universitätspräsidentin Birgitta Wolff.

Beschäftigungsverhältnisse

Forschen auf Zeit

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Loewe-Programm: Hessen beschäftigt Nachwuchskräfte oft prekär. Nun fordert der Univerbund eine höhere Grundfinanzierung.

Laut Statistischen Landesamt sind die hessischen Hochschulen im Aufwind. Sie beschäftigen rund 50 000 Menschen. So viele wie nie zuvor. Doch in der Realität ist die Beschäftigung für mehr als 90 Prozent des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals befristet. Das schätzt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Auch im neu gegründeten Forschungszentrum Druid in Gießen wird diese Praxis fortgeführt. 24 Doktoranden hat das Zentrum bislang für das Projekt eingestellt – alle mit befristeten Verträgen. „Eine andere Anstellung ist derzeit kaum möglich, weil die Mittel nur in dem bewilligten Zeitraum zur Verfügung stehen“, sagt Katja Becker, Koordinatorin des Zentrums. Die Landesregierung stellt über das Loewe-Programm von 2018 bis 2021 rund 18,8 Millionen Euro zur Verfügung.

Im Druid-Projekt arbeiten seit Jahresbeginn rund 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an den Universitäten Frankfurt, Gießen und Marburg, der Technischen Hochschule Mittelhessen sowie am Paul-Ehrlich-Institut Langen an der Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen seltene tropische Infektionskrankheiten.

Vier Jahre haben die Doktoranden Zeit, ihre Promotion innerhalb des Projekts abzuschließen. Trotzdem möchte Becker eine Verlängerung des Loewe-Zentrums um drei Jahre beantragen, damit nicht abgeschlossene Doktorarbeiten noch fertiggestellt werden können. Doch auch nach Abschluss ihrer Promotion stehen viele Doktoranden vor einer unsicheren Zukunft. Professuren, die für Forschungsprojekte ausgeschrieben wurden, werden im universitären Regelbetrieb häufig nicht fortgeführt oder müssen durch Einwerbung von öffentlichen und privaten Drittmitteln finanziert werden. Eine Weiterbeschäftigung als Postdoktorand steht nicht immer in Aussicht.

Es fehlen Dauerstellen 

Das sei im Sinne der Nachhaltigkeit der Forschung, teilte das Wissenschaftsministerium mit. Rund 890 Millionen Euro an Drittmitteln wurden seit 2008 durch Loewe-Projekte eingeworben. Die Linken-Fraktionschefin Janine Wissler hält es für besser, das Geld in die Grundfinanzierung der Hochschulen zu stecken, damit alle Studierenden davon profitieren. Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) nennt diese Forderung „eine wissenschaftspolitische Geisterfahrt“. 

In der Regel werden wissenschaftliche Qualifikationsstellen auf maximal sechs Jahre befristet. „Das ist legitim und entspricht den internationalen Gepflogenheiten“, sagt die Frankfurter Universitätspräsidentin Birgitta Wolff, „doch mit befristeten Mitteln kann man keine unbefristeten Stellen schaffen“. Seit Oktober ist sie Sprecherin der Konferenz Hessischer Universitätspräsidien (KHU). Die KHU ist ein Verbund der fünf hessischen Universitäten. Im Frühjahr verhandelt sie mit dem Land über den Hessischen Hochschulpakt 2021 bis 2025. Um langfristig mehr Professuren zu schaffen, fordert die KHU eine stetige Steigerung der Grundfinanzierung um fünf Prozent pro Jahr.

Als Koordinatorin des Druid-Projekts befürwortet Katja Becker einen Kompromiss mit einer gestärkte Grundfinanzierung als auch Förderprogramme für exzellente Wissenschaft: „Spitzenforschung kann schon auch dadurch gefördert werden, dass einige Stellen im akademischen Mittelbau entfristet werden. Wenn Doktoranden und Postdoktoranden eine Abteilung verlassen, dann geht der Universität auch immer Expertise in der Lehre und Forschung verloren.“ Personelle Wechsel seien für die Förderung des Nachwuchses wichtig, „aber Kontinuität braucht es eben auch.“ Mehr Dauerstellen würden den Hochschulen weiteren Aufwind geben.

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