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Zu Tausenden fahren und laufen Migranten im November durch Mexiko Richtung der Grenze der Vereinigten Staaten.

Zentralamerika

Auf der Flucht auch vor dem Klimawandel

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Zentralamerika wird verstärkt durch Extremwetter gebeutelt. Das könnte dazu beitragen, dass Tausende Richtung USA ziehen.

Mit dem Flüchtlingstreck in die USA bahnt sich nun ein Szenario an, über das viele Jahre spekuliert worden war: Flüchtlinge, die massenweise aus den von Armut und Klimawandel gebeutelten Staaten Zentralamerikas in die reichen USA fliehen. Lange war das reine Theorie, eine Sache der Zukunft. Diese Zukunft, so scheint es, findet jetzt statt. Die Gründe sind vielschichtig, warum sich die Menschen auf den Weg gemacht haben. Einer davon, so spekulieren Experten, könnte der Klimawandel sein. „Der Hauptgrund, warum Menschen wegziehen, ist, dass sie nichts zu essen haben“, sagte Robert Albro vom Zentrum für Lateinamerikastudien an der Amerikanischen Universität in Washington der britischen Zeitung „The Guardian“: „Das ist eng mit dem Klimawandel verbunden – wir sehen eine enorme Instabilität des Klimas, die die Ernährungssicherheit in der Region radikal verändert.“

Tatsächlich haben Extremwetterereignisse Zentralamerika in den vergangenen Jahren besonders hart getroffen. Honduras hat zwei schwere Dürren in den vergangenen beiden Jahren erlebt. Auch der Hurrikan „Michael“ hat größeren Schaden im Land angerichtet.

„Der Klimawandel beeinflusst nicht nur die Subsistenzlandwirtschaft und die Nahrungsmittelversorgung, sondern auch eine der wichtigsten Geldquellen des nördlichen Dreiecks: Kaffee“, schreibt die Migrationsexpertin Lauren Markham in einem Gastbeitrag für das Sierra Magazine. „Kaffee ist einer der wenigen verlässlich rentablen Exporte in Zentralamerika, und die Ernten gingen während der jüngsten Dürre dramatisch zurück.“

Zudem haben die Landwirte in einem Großteil Zentralamerikas mit einem Rostpilz zu kämpfen, der die Kaffeepflanzen angreift und sich angesichts von wärmeren Nächten ausbreiten kann. Ein Zusammenhang mit dem Klimawandel könnte es deshalb Experten zufolge durchaus geben. Stephanie Leutert von der Universität Texas weist im „Guardian“ daraufhin, dass die Zahl der Migranten, die ihr Land verlassen, besonders stark im Westen von Honduras angestiegen seien, dem Hauptproduktionsgebiet für Kaffee.

Migrationsexperten warnen allerdings davor, nun pauschal von Klimaflüchtlingen zu sprechen. „Wir müssen auf ganz andere Faktoren achten“, sagt Silvia Klepp, Spezialistin für Klimaflucht vom Institut für Geographie an der Universität Kiel, gegenüber der Frankfurter Rundschau.

Beim Thema Klimaflucht würden viel zu oft zu kurze Schlüsse gezogen. Oft würden die Menschen aus ganz anderen Gründen fliehen – im Falle Zentralamerikas zum Beispiel wegen der hohen Kriminalität, Korruption und Gewalt. Und selbst wenn Umweltprobleme die Existenz von Menschen in Entwicklungsländern bedrohen, seien sie oft schlicht zu arm, um zu fliehen. „Der Klimawandel kann für manche allerdings der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt“, sagt Klepp.

Auch Susanne Dröge von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin will in dem aktuellen Fall nicht von Klimaflüchtlingen sprechen. „Den Klimawandel würde ich hier kleinschreiben“, sagt sie. Zwar nimmt sie an, dass der Klimawandel in der Region heute durchaus schon sein Gesicht in Form von vermehrten Extremwetterereignissen zeigt. Doch zur Katastrophe würden Missernten oft erst wegen Fehlmanagement, Korruption und Landbesitzproblemen. Und wenn die Menschen dann tatsächlich fliehen, würden sie eher die nächste Stadt aufsuchen, zumindest aber in der Region bleiben, dort, wo Verwandte leben oder sie die Sprache beherrschen. „Es kann aber gut sein, dass der Klimawandel bei der Binnenmigration ein Faktor ist.“

Möglicherweise war der Klimawandel also der erste Anstoß, den Heimatort zu verlassen und vielleicht die nächste Stadt anzusteuern – während ganz andere Gründe die Menschen über Landesgrenzen weitergetrieben hätten. „Die ganze Wirkungskette kann sehr, sehr lang sein“, so Dröge.

In Zukunft allerdings dürften die Extremwetter zunehmen. Und dieser „Stressmultiplikator“ dürfte den Druck erhöhen. Ob die Menschen in 30, 40 Jahren dann aber gleich Tausende Kilometer zurücklegen oder nicht doch nur in die nächste Stadt aufbrechen, lasse sich auch heute noch nicht sagen.

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