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Optisch kaum von echtem Fleisch zu unterscheiden: ein veganes Gulasch auf der Basis von Sojabohnen.

Vegane Ernährung

Fleischlos ist nicht gleich klimafreundlich

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Vegane Ernährung ist besser für die Umwelt – das bedeutet aber nicht, dass alle pflanzlichen Ersatzprodukte automatisch das Klima schonen.

Die Menge an Fleischersatzprodukten nimmt in Deutschlands Warenregalen zu. Sie basieren häufig auf Soja, doch fleischlose Alternativen gibt es auch mit Erbsen, Seitan, Laborfleisch und manchmal sogar Insekten. Für Umwelt und Klima ist das positiv. Laut Umweltministerium emittiert ein Veganer mit seiner Ernährung nur halb so viel CO2 wie ein Fleischesser. Eine vegetarische Ernährung mit Ei- und Milchprodukten bewegt sich im Mittelfeld der CO2-Werte.

Daher rät das Ministerium mittlerweile dazu, weniger Fleisch- und Milchprodukte zu essen. Ein Ratschlag, der von einer Breite an wissenschaftlichen Studien untermauert wird, bestätigt der Umwelternährungsexperte Florian Antony vom Öko-Institut in Freiburg.

Der Wissenschaftler hat jüngst per Literaturscreening, einer Querauswertung bestehender Literatur, untersucht, was die Wissenschaft zur Umweltwirkung von Fleisch- und Fleischersatzprodukten herausgefunden hat. Welche Unterschiede gibt es?

Das Ergebnis: Mit Ausnahme von Laborfleisch schneiden alle Fleischalternativen bei der Umwelt- und Klimabelastung besser ab als herkömmliches Fleisch. Dass das Laborfleisch mit seinem Klimaeffekt eher negativ zu bewerten ist, liegt an dem aktuellen Stand der Technik, erklärt Antony. „Mit dem gezüchteten Fleisch wird noch experimentiert, aber es ist nicht in der großtechnischen Anwendung.“ Die Produktion ist einfach noch nicht so weit entwickelt und bisher wenig energieeffizient, deswegen fällt sie so stark ins CO2-Gewicht.

Neben dem Laborfleisch hat sich das Öko-Institut auch Soja, Gluten, Milch, Insekten und Mykoprotein (Quorn) angesehen. „Alle Fleischalternativen bieten leicht unterschiedliche Umweltentlastungspotenziale“, sagt Antony. „Das macht ein Ersatzprodukt jedoch nicht unbedingt schlechter als das andere.“ Für bestimmte Produkte eignet sich Soja besser, für andere Hafer.

Es hat deshlab keinen Sinn, einzelne Fleischalternativen gegeneinander auszuspielen. Denn beim Aufstellen von Ökobilanzen für einzelne Lebensmittelprodukte gibt es, so der Wissenschaftler, vergleichsweise viele Unsicherheiten.

Zum einen liegt das einfach daran, dass es sehr viele unterschiedliche Herstellerbetriebe gibt. „Wenn man sich 10 000 Betriebe anschaut, hat jeder Betrieb andere Distanzen zwischen Futteranbaufläche und Hof, andere Temperaturen, andere Bodenzusammensetzungen“, sagt Antony. Vom Aufwand her könne man nicht alle Betriebe erfassen.

Zum anderen gibt es komplexe Interaktionen, wie zum Beispiel die Wechselwirkung mit dem Boden. Man muss beispielsweise den Humusgehalt des Bodens beachten, aber auch, welches Produkt auf einem Acker vorher angebaut wurde. Dazu kommen saisonale Unterschiede. „Wir sind notwendigerweise gezwungen, Durchschnittswerte heranzuziehen, und müssen tatsächlich auch eine Vielzahl von Annahmen treffen.“ Grundsätzliche Aussagen sind aber möglich.

In den Studien, die Antony betrachtete, fiel vor allem auf, dass sojabasierten Produkten ein großes Potenzial zugeschrieben wird. Allerdings werden in der Literatur und damit auch in vielen Ökobilanzen die nachteiligen Effekte nicht ausreichend beachtet, zum Beispiel die Auswirkungen verschiedener Fleischersatzprodukte auf die globale Biodiversität oder auf die Abholzung des Regenwaldes.

So kann nicht ausgeschlossen werden, dass durch den Anbau von Sojapflanzen für den Menschen indirekt auch tropischer Regenwald abgeholzt wird, meint der Umweltwissenschaftler vom Öko-Institut. Nämlich dann, wenn zum Beispiel auf ehemaligen Futterflächen nun Soja für den menschlichen Verzehr angebaut wird, das Futtersoja aber nun auf Flächen wächst, auf denen zuvor noch Wald stand.

Auch wenn es Unterschiede zwischen Soja zum direkten menschlichen Verzehr und Soja für Futtermittel gibt, werden beide Pflanzenarten in der Regel auf denselben oder ähnlichen Flächen angebaut. „Die Fläche kann aber nur einmal belegt werden“, sagt Florian Antony.

Eine zu hohe Nachfrage erzeugt daher Druck auf die Bereitstellung von Anbauflächen. „Um die weltweite Nachfrage nach Soja zu bedienen, ist es in der Vergangenheit zu Abholzungen gekommen und kommt es auch weiterhin.“ In der EU wird jedoch laut einem Report von Greenpeace der weitaus größte Teil der Sojaimporte – 87 Prozent – für Tierfutter verwendet. Die Europäische Union importiert jährlich rund 33 Millionen Tonnen Soja, Deutschland ist Abnehmer Nummer eins. Nur sieben Prozent der Ernte landen in Lebensmitteln, der Rest wird für die Herstellung von Biodiesel verwendet.

Viele deutsche Hersteller achten zudem darauf, dass ihre sojabasierten Alternativen von bio-zertifizierten Sojabohnen aus der EU stammen. Der weltweit steigende Fleischkonsum hat also wesentlich mehr Einfluss auf die Abholzung des Regenwaldes als Tofuwurst und Sojamilch.

Trotz des Landflächenproblems zeigen die vom Öko-Institut untersuchten Studien aber alle, wie sinnvoll es ist, Fleisch zu ersetzen – und zwar auch durch Soja.

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