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Wildlachs aus Alaska ist laut der Umweltorganisation WWF eine gute Wahl, weil die Bestände in der Region noch gesund sind.

Ernährung

Fischgenuss mit gutem Gewissen

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Die Umweltorganisation WWF veröffentlicht ihren aktuellen Einkaufsratgeber.

Aal, Blauflossenthun, Wittling und Ostsee-Dorsch sollte unbedingt vom Speiseplan streichen, wer die Meere schützen will. Der Bestand an Aalen ist so niedrig wie noch nie, die Tierart gilt als massiv bedroht. Beim Blauflossenthun ist insbesondere die in tropischen Gewässern vorkommende südliche Art stark gefährdet. Beim Wittling, einem dorschartigen Fisch, sind vor allem die Bestände westlich von Schottland stark überfischt. Ohne schlechtes Gewissen kann man dagegen zu Wildlachs aus Alaska und Hering aus der Nordsee greifen, denn dort sind die Bestände dieser Fische gesund. Auch Bio-Forelle und Karpfen aus europäischer Zucht können ohne Bedenken verzehrt werden. So zumindest lauten die Empfehlungen des aktuellen Einkaufsratgebers für Fisch, den die Umweltorganisation WWF am Montag veröffentlicht hat.

Grundsätzlich rät WWF-Fischereiexpertin Catherine Zucco jedoch, mit Blick auf den Schutz der Tierwelt in den Meeren weniger Fisch zu essen. „Man sieht es den vollen Fischtheken nicht an, aber unsere Meere sind am Limit“, erklärt sie: „Auch wenn sich vereinzelt Bestände erholen, hat die Überfischung weltweit sogar zugenommen.“ 33 Prozent der Fischbestände rund um den Globus seien derzeit überfischt, weitere 60 Prozent würden „voll“ – also bis an die Grenzen ihrer Regenerationsfähigkeit – befischt.

Deshalb sollten Verbraucher beim Einkauf auf Art, Herkunft und Fangmethode achten, sasgt Catherine Zucco. „Es kommt darauf an, wo und wie ein Fisch gefangen wurde.“ So verursachten manche Fangmethoden viel Beifang – was bedeutet, dass sich andere Meeresbewohner in den Netzen verheddern und mit an Bord gezogen werden. Meist werfen die Fischer sie zwar ins Meer zurück, doch viele Tiere verletzen sich dabei schwer oder sterben sogar. Nicht allein Fische landen als Beifang in den Netzen, sondern auch Delfine, Wale, Seevögel und Meeresschildkröten, sogar Robben. Oft zerstören die Fanggeräte auch wichtige Lebensräume im Meer.

Fanggebiet und Methode müssen auf der Verpackung ausgewiesen sein. Meiden sollten Verbraucher nach Empfehlung des WWF Fische und Meeresfrüchte aus Gebieten, die bereits überfischt sind sowie solche, die mit fragwürdigen Fangmethoden gefischt wurden. Eine Orientierung gibt dabei das Ampelsystem des WW-Fischratgebers. Noch einfachere Wegweiser sind Zertifikate wie das MSC-Siegel. MSC steht für die unabhängige Umweltorganisation „Marine Stewardship Council“ und gibt einen Standard für nachhaltige Fischerei vor, nach dem Fischereien weltweit bewertet und zertifiziert werden können. Produkte, mit dem MSC-Siegel sollen laut Information der Organisation „ausschließlich aus nachweislich nachhaltig arbeitenden Fischereien“ stammen.

Fischerei auf Garnelen verursacht viel Beifang

Auch Catherine Zucco sagt: „Es ist derzeit der umfassendste Standard für Wildfisch, auch wenn es einzelne Zertifizierungen gibt, die der WWF nicht mitträgt.“ Für Fisch aus Aquakultur empfiehlt der WWF die Bio-Siegel von Naturland und Bioland sowie das ASC-Siegel für konventionelle Zuchten. ASC steht für „Acquaculture Stewardship Council“ und soll Fisch und Meeresfrüchte aus „verantwortungsvoller Zucht“ kennzeichnen.

 In Deutschland werden Fische und Meeresfrüchte aus allen Weltmeeren verkauft. Wichtig sei es, dass Fischbestände „nachhaltig bewirtschaftet“ würden, sagt Catherine Zucco. So habe zum Beispiel handgeangelter Bonito- Thunfisch (die Art wird oft als Konserve angeboten) nur „geringe Auswirkungen“ auf die Umwelt, verschaffe aber gleichzeitig vielen Menschen, die darauf angewiesen seien, ein Auskommen. Die Fischerei auf Garnelen aus tropischen Meeren hingegen verursache viel Beifang von Jungfischen, Haien und Meeresschildkröten.

Der WWF-Einkaufsratgeber für Fisch und Meeresfrüchte ist als App zum Download in den App-Stores erhältlich und kann auch im Internet unter www.fischratgeber.wwf.de heruntergeladen werden. Wer eine gedruckte Kurzfassung im EC-Kartenformat ins Portemonnaie stecken möchte, kann diese unter info@ww.de anfordern. 

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