Die Nasa-Raumsonde „Magellan“ hat die Venus in den Jahren 1990 bis 1994 kartografiert. 	NASA/JPL/USGS/rtr
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Die Nasa-Raumsonde „Magellan“ hat die Venus in den Jahren 1990 bis 1994 kartografiert.

Astronomie

Feuerring auf der Venus entdeckt

  • Tanja Banner
    vonTanja Banner
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Forscher untersuchen das Phänomen der Coronae.

Auf Aufnahmen, die die Nasa-Sonde „Magellan“ Anfang der 1990er Jahre von der Venus zur Erde geschickt hat, erkennt man eigenartige, ringförmige Strukturen, sogenannte Coronae. Forschende gehen davon aus, dass sie entstehen, wenn Mantelplumes – Säulen aus heißem, geschmolzenem Gestein – aus dem Innern der Venus aufsteigen. Die kreisförmigen Strukturen haben die unterschiedlichste Topografie.

Diese Strukturen haben sich Forschende des Instituts für Geophysik der ETH Zürich und der University of Maryland in Baltimore um die Doktorandin Anna Gülcher genau angeschaut. Diese Studie wurde in „Nature Geoscience“ veröffentlicht. Mittels 3D-Simulationen gelang es ihnen, die unterschiedlichen Formen und Größen der Coronae mit den Prozessen zu verknüpfen, die unter der Oberfläche stattfinden. „Jede Corona-Struktur hat eine spezifische Signatur, die anzeigt, was darunter vor sich geht“, erklärt Gülcher.

Die Topografie einer Corona hängt davon ab, wie aktiv die darunterliegende Magmasäule ist. Auf mehr als hundert große Coronae auf der Venus haben die Forschenden ihre Erkenntnis angewandt und konnten sie in zwei Gruppen einteilen: Coronae, unter denen ein aktiver Plume mit geschmolzenem Material aufsteigt und Coronae, deren Plume erkaltet und inaktiv geworden ist.

„Wir können sagen, dass mindestens 37 Coronae in letzter Zeit aktiv waren“, sagt Laurent Montési, Co-Autor der Studie und Geologie-Professor an der University of Maryland. Die Mehrheit der Coronae mit aktiven Mantelplumes liegen auf einem Gürtel in der unteren Hemisphäre der Venus. „Wir nannten es deshalb in Anlehnung an den Pazifischen Feuerring der Erde den Feuerring der Venus“, erklärt Gülcher. Während jedoch auf der Erde die Plattentektonik für die Lage und Dynamik des Feuerrings verantwortlich sei, stecke auf der Venus ein vertikaler Hotspot-Vulkanismus hinter dem Phänomen, betont die Forscherin in einer Mitteilung.

„Diese Studie verändert unseren Blick auf die Venus von einem größtenteils inaktiven Planeten hin zu einem Planeten, dessen Inneres noch brodelt und viele aktive Vulkane speisen kann“, sagt Montési. Die Gegenden, in denen die aktiven Vulkane entdeckt wurden, könnten interessante Ziele für „künftige Raumfahrt-Missionen“ darstellen, schreiben die Autorinnen und Autoren in ihrer Studie.

Doch derzeit steht wieder einmal der Mars im Mittelpunkt der Raumfahrt: Im Jahr 2020 sollen gleich drei Missionen zum roten Planeten aufbrechen – während die Venus kaum Beachtung findet. Seit der japanischen Raumsonde „Akatsuki“ 2010 ist keine Mission mehr zur Venus aufgebrochen. Das mag auch daran liegen, dass der Planet ein äußerst schwieriges Pflaster ist: Dank eines extremen Treibhauseffekts herrschen dort Temperaturen von durchschnittlich 464 Grad Celsius und ein Druck von 92 Bar. Die Atmosphäre der Venus ist dicht und undurchsichtig, sie besteht zu großen Teilen aus Kohlendioxid; Wolken bestehen überwiegend aus Schwefelsäuretröpfchen.

Allerdings war die Venus nicht immer ein lebensfeindlicher Ort: Vor gut 40 Jahren hatten die „Pioneer“-Missionen der Nasa herausgefunden, dass es dort möglicherweise einst flüssiges Wasser und stabile Temperaturen zwischen 20 und 50 Grad Celsius gab – und zwar über Milliarden Jahre hinweg.

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