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Heller Feuerball über Kanada wirft grundsätzliche Fragen auf

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Von: Tanja Banner

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Ein Feuerball über Kanada entpuppt sich als besonders wichtig für die Forschung: Die Herkunft des Himmelsobjektes wirft fundamentale Fragen auf.

Alberta – Als im Februar 2021 ein heller Feuerball am Himmel über der kanadischen Provinz Alberta beobachtet wurde, sorgte das für viel Aufsehen, denn das Himmelsereignis wurde von zahlreichen Kameras festgehalten. Auch für die Forschung war und ist der Himmelskörper, der in die Erdatmosphäre eindrang, von großem Interesse. Neben privaten Türkameras hatten auch professionelle Meteor-Kameras wie Global Fireball Observatory (GFO) den Feuerball aufgezeichnet und ermöglichten es Forschenden, seine Flugbahn genau zu untersuchen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Western University im kanadischen London nahmen sich des Himmelskörpers an und entdeckten Erstaunliches: Offenbar stammt der Körper, der über der Erde in einem Feuerball endete, aus der Oortschen Wolke. Bei dieser handelt es sich um eine hypothetische, bisher nicht nachgewiesene Ansammlung astronomischer Objekte ganz am Rand des Sonnensystems. Die Forschung geht davon aus, dass dort die Heimat langperiodischer Kometen wie Lovejoy (C/2014 Q2) ist, die gelegentlich den Weg ins Innere des Sonnensystems finden.

Der Feuerball wurde unter anderem von der Kamera des Global Fireball Observatory im Miquelon Lake Provincial Park in Kanada gesichtet.
Der Feuerball wurde unter anderem von der Kamera des Global Fireball Observatory im Miquelon Lake Provincial Park in Kanada gesichtet. © University of Alberta

Feuerball am Himmel über Kanada: Forschende decken großes Rätsel auf

In der Oortschen Wolke sollte es dem aktuellen Forschungsstand zufolge nur Kometen – also Himmelskörper aus Eis, Staub und Geröll – geben. Himmelskörper, die aus Stein bestehen, sollten dort gängigen Theorien zufolge eigentlich nicht existieren. Doch der Meteoroid, der über Alberta zum Feuerball wurde, ist den Forschenden zufolge eindeutig steinig: Es handelte sich um einen etwa zwei Kilogramm schweren „Dezimeter großen“ Steinbrocken, heißt es in der Studie, die im Fachjournal Nature Astronomy veröffentlicht wurde.

„Diese Entdeckung unterstützt ein völlig anderes Modell der Entstehung des Sonnensystems, eines, das die Idee untermauert, dass erhebliche Mengen an felsigem Material neben eisigen Objekten innerhalb der Oortschen Wolke existieren“, betont der Meteorphysiker Denis Vida von der Western University in einer Mitteilung. „Dieses Ergebnis lässt sich mit den derzeit favorisierten Modellen zur Entstehung des Sonnensystems nicht erklären. Es ist ein völliger Wendepunkt.“

Meteorit, Meteoroid oder Meteor - Begriffsdefinition:

Steiniger Himmelskörper aus der Oortschen Wolke stellt Forschende vor ein Rätsel

Der Feuerball sei bis in eine Höhe von 46,5 Kilometer vorgedrungen – und damit viel tiefer in die Erdatmosphäre als eisige Objekte mit einer vergleichbaren Flugbahn, heißt es in einer Mitteilung der Forschenden. Außerdem sei der Feuerball genau so auseinandergebrochen, wie es Feuerbälle tun, die in zahlreiche Stein-Meteoriten zerbrechen.

Das Rätsel, das die Forschenden aus Kanada entdeckt haben, wollen sie nun auch lösen. „Wir wollen erklären, wie dieser steinige Meteoroid so weit weg gelangen konnte, weil wir unsere Ursprünge verstehen wollen“, erklärt Vida. „Je besser wir die Bedingungen, in denen das Sonnensystem entstand, verstehen, desto besser verstehen wir, was nötig war, damit Leben entstehen konnte.“

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„In 70 Jahren regelmäßiger Beobachtungen von Feuerkugeln ist dies eine der sonderbarsten, die je aufgezeichnet wurden“, betont auch Hadrien Devillepoix, der an der Curtin University in Australien forscht und das Global Fireball Observatory (GFO) betreut. (tab)

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