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Für viele Studenten heißt es nach dem Bachelor plötzlich: Schluss mit Vorlesungen.

Hochschulen

Es fehlen Masterplätze

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Viele Studenten haben trotz überdurchschnittlichem Bachelor-Abschluss plötzlich keinen Studienplatz mehr. Die GEW fordert Recht auf ein Anschluss-Studium.

So hatte sich Kristin W. ihren Semesterstart nicht vorgestellt. Statt im Hörsaal sitzt sie ihrer Beraterin im Jobcenter Neukölln gegenüber und muss sich rechtfertigen, dass sie ihr Lehramtsstudium zunächst beenden muss. Um als Lehrerin zu arbeiten, bräuchte die 24-Jährige zum Bachelorabschluss (Note 1,8) an der Berliner Humboldt-Uni noch den Master. Doch nun steht sie ohne Studienplatz da. Denn die Hürde für den Masterplatz schnellte dieses Semester plötzlich auf einen Notendurchschnitt von 1,2 – so hoch, dass auch ein überdurchschnittlicher Bachelor-Abschluss nicht ausreicht, um weiter studieren zu können.

Nicht nur Kristin W. geht es so: Eine Woche nach Semesterstart haben plötzlich unzählige Absolventen keinen Studienplatz. Etwa eine 22-jährige Politik-Studentin, deren Abschluss von 2,0 zu schlecht war. Für einen der 78 Master-Plätze in Politikwissenschaft hätte sie mindestens einen Durchschnitt von 1,5 gebraucht. In Köln wurden sogar Betriebswirtschafts-Studenten abgelehnt, die zunächst als Beste des Jahrgangs ausgezeichnet worden waren.

Tausende sind betroffen, schätzt Florian Keller vom Studierendenverband fzs. Wie viele es genau sind, weiß niemand. Denn niemand erfasst bisher, wie viele Master-Plätze benötigt würden. Seit Bachelor und Master Diplom und Magister ersetzt haben, entscheiden die Universitäten unabhängig darüber, wie viele Studienplätze sie bereitstellen. Eine länderübergreifende Koordination gibt es bislang nicht. Das Ergebnis: Es fehlen massenhaft Studienplätze, sagt Andreas Keller vom Bundesvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Und bald werden es noch viel mehr Studierende sein, die keinen Master-Studienplatz mehr bekommen. Zehntausende, prophezeit Florian Keller. Denn in diesem Semester konkurriert erst die Vorhut der Bachelor-Absolventen um einen Master-Platz. Die Masse der Bachelor-Studenten werde erst kommendes Jahr fertig sein, sagt GEW-Vorstand Keller. Er warnt: „Wenn nichts passiert, wird sich der Mangel der Master-Plätze drastisch verschärfen“. Die Gewerkschaft fordert daher, das Recht auf ein Master-Studium gesetzlich festzuschreiben.

Das Bildungsministerium wies diese Forderung auf Anfrage zurück. Dem Ministerium sei von einem bundesweiten Mangel an Masterstudienplätzen nichts bekannt. Ein Gesetz, das auf Bundesebene den Zugang zu Master-Studien-Plätzen regele, „steht nicht zur Debatte“, sagte eine Sprecherin.

Für Kristin W. bleibt unterdessen unklar, ob sie je Lehrerin werden kann. Ihr Hartz IV stockt sie nun mit Nachhilfestunden auf.

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