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Antiker Rennsportartikel: Römischer Wagenlenker aus vergoldeter Bronze, 1. bis 2. Jahrhundert nach Christus.

Ausstellung

Fankultur früher und heute

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Ethnologen und Archäologen präsentieren in Frankfurt ihre spannenden Forschungsergebnisse ? museumsreif und wunderbar gestaltet.

Massenunterhaltung liebten schon die alten Römer: So wie heute begeisterten sportliche Großereignisse bereits die Menschen in der Antike, wie eine Ausstellung im Museum Giersch in Frankfurt zeigt. Das Kolosseum in Rom bot damals Platz für rund 70.000 Zuschauer, gerade mal 20.000 mehr Fans passen ins neue Londoner Wembley-Stadion.

In einem bunt gestalteten Raum der Ausstellung „Faszination der Dinge“ werden Fanartikel aus alter und neuer Zeit präsentiert: Neben Eintracht-Frankfurt-Trinkbechern aus Plastik findet sich eine alte Tonschüssel: Denn unter dem ersten römischen Kaiser Augustus, der von 31 vor Christus bis 14 nach Christus herrschte, erblühte die Produktion von Memorabilia; in hoher Stückzahl wurden für das Volk beispielsweise Messergriffe oder Trinkbecher produziert, die mit gefeierten Gladiatoren und Wagenlenkern geschmückt waren.

Mit der Zeit entdeckten auch wohlhabende Mäzene, die die Wettkämpfe in den Circusarenen sponserten, ihre Leidenschaft für den Sport und gaben anhand von Mosaiken und Wandmalereien in ihren Häusern zu erkennen, dass sie zu den großzügigen Geldgebern gehörten. Die soziale Dimension im antiken Merchandise erforscht Postdoc Boris Burandt von der Frankfurter Goethe-Universität.

Spannende und vielfältige Einblicke in ethnologische und archäologische Projekte von Nachwuchsforschern, die sonst nur einer kleinen Fachöffentlichkeit bekannt sind, erhalten die Museumsbesucher. Studierende des Fachs Gestaltung aus Darmstadt unterstützen dabei die Promovierenden und Postdocs vom Frankfurter Graduiertenkolleg „Wert und Äquivalent“.

Kuratorin Charlotte Trümpler war es wichtig, die komplexen wissenschaftlichen Fragestellungen der Öffentlichkeit anschaulich und verständlich zu präsentieren, aber auch einen Bezug zu heute herzustellen.

„Die Wissenschaftler bekamen die Aufgabe, zwei bis drei aussagekräftige Objekte auszuwählen, darunter auch Fotos, Filme, Zeichnungen oder Pläne“, berichtet Charlotte Trümpler. Mit jungen kreativen Menschen eineinhalb Jahre lang ein Konzept zu erarbeiten, habe Freude gemacht - habe jedoch mitunter auch Nerven gekostet: „Eine Ausstellung ist eine Punktlandung, die auf die Minute fertig werden muss.“

Faszinierend ist nicht zuletzt die Bandbreite der Themen: Untersucht wird etwa, wie sich das Essverhalten usbekischer Migranten in den USA verändert. In einer anderen Doktorarbeit geht es um den Siegeszug des korinthischen Helms in der griechischen Bildsprache: als Symbol für militärische Tugenden. Der Helm wurde seit dem Ende des 8. Jahrhunderts vor Christus bis zu den Perserkriegen von schwer bewaffneten Kriegern getragen. Seine Form taucht bis heute in verschiedenen Kontexten auf, gedruckt auf Pullis oder als Tattoo auf der Haut. Das zeigt, welche Wirkungsmacht dieses Symbol entfaltet hat und weiterhin ausstrahlt.

Zeremonien im alten Mesopotamien zeugen vom Leben und Sterben der Götter: Verehrte Götterstatuen, die aus verschiedenen Materialien wie einem Holzkern, wertvollen Metallen oder Perlmutt gefertigt und in hochwertige Gewänder gekleidet wurden, waren Teil von Prozessionen. Mit der Zeit ließen sie sich aber nicht mehr reparieren und mussten zeremoniell entsorgt werden, wie spektakuläre Grabungsfunde einer Grabanlage aus dem Ruinenhügel Tell Chuera in Syrien 1998 belegten.

Das Totengedenken im heutigen Ghana ist ebenfalls von starken Traditionen geprägt. Alle zwei Wochenenden finden in der Ewe-Gemeinschaft Beerdigungen statt. „Bemerkenswert ist, dass der Tote mehrfach umgekleidet wird, um ihn in verschiedenen Rollen, etwas als Vater oder Geschäftsmann darzustellen“, sagt die Kuratorin. Große Poster auch an Hauswänden erinnern an die Verstorbenen, die zu Ahnen werden.

Und wer hätte gedacht, dass Menschen im 2. und 1. Jahrtausend vor Christus bereits assyrische Fake-Quarzkeramik im Ofen herstellten. Nachgeahmt wurde Lapislazuli, ein blauer, seltener Stein und damit ein Luxusgut. Mit den magischen Kräften des Steins sicherte man sich den Schutz der Götter. Die gleiche Funktion hatte auch das im Ofen glasierte Imitat.

Münzprägungen dokumentieren wiederum den Baumkult in der griechisch-römischen Antike: Der Ölbaum der Athena, die Eiche des Zeus, der Lorbeer des Apollon oder Weinstock des Dionysos waren heilig und standen unter dem Schutz der Götter. Wer damals heilige Bäume oder Haine beschädigte, wurde als Frevler bestraft. Wer noch tiefer in die Materie einsteigen möchte, kann sich zudem die Interviews mit den Nachwuchswissenschaftlern ansehen.

Im Römischen Reich war darüber hinaus das Horten von Munzschätzen sehr verbreitet, insbesondere in Krisen- und Kriegszeiten. Ein Bankwesen gab es damals nicht. Gefäße mit Münzen wurden im Haus eingemauert oder vergraben. Auch eine römische Spardose aus Ton ist zu sehen.

Diese Funde verraten viel über den Umgang mit Geld, den Verbergungskontext und sind oft ein Beleg dafür, dass die Besitzer aufgrund von Zufällen oder Unglücken ihre Münzen nicht mehr zurückholen konnten.

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