+
Experiment mit Fahrradhelm: Barbara Schmidt demonstriert den Versuchsaufbau.

Manipulation

Fahrradhelm suggeriert Sicherheit - auch wenn man gar nicht auf dem Fahrrad sitzt

  • schließen

Psychologen entdecken, dass sich die Gehirnaktivität und das Verhalten von Helmträgern verändern. Noch wirksamer, um Menschen zu manipulieren, ist aber die Hypnose.

Anscheinend lassen sich Menschen bereits durch das Tragen eines Helms in ihrem Sicherheitsgefühl beeinflussen, was sich wiederum messbar in einem veränderten Verhalten niederschlägt: So untersuchten Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena in einem Experiment das Risikoverhalten von 40 Personen bei einem Kartenglücksspiel am Computer. Die Hälfte der Probanden hatte währenddessen einen Fahrradhelm auf dem Kopf; als Grund wurde ihnen der Vorwand genannt, der sich darauf befindliche Eyetracker messe beim Spiel ihre Augenbewegung.

Sodann beobachteten die Forscher mittels Elektroenzephalografie (EEG) die Gehirnaktivität der Spielenden. Bei den Helmträgern war dabei die sogenannte „Frontal Midline Theta Power“ (die Hirnaktivität, die für das Abwägen während Entscheidungsprozessen steht) weitaus weniger ausgeprägt als bei den Versuchsteilnehmern ohne Helm. Die Probandengruppen ähnelten sich in ihrer Ängstlichkeit; demnach ist ausgeschlossen, dass sich der Effekt auf einen Unterschied zwischen den Probanden zurückführen lässt.

„Das bedeutet, dass der Helm die Entscheidungsfindung im Risikospiel eindeutig beeinflusst. Offensichtlich assoziieren die Probanden mit dem Tragen des Fahrradhelms ein Gefühl der Sicherheit“, sagte Studienleiterin Barbara Schmidt. Somit suggeriere die Kopfbedeckung selbst dann noch eine vermeintliche Sicherheit, wenn der Träger sich gar nicht auf dem Rad im Straßenverkehr bewegt, sondern auch, wenn er am Computer zockt. Bei Helmträgern ist nachweislich die kognitive Kontrolle – der Mechanismus des Abwägens – schwächer. Die Ergebnisse der Studie, die in Kooperation mit der kanadischen University of Victoria durchgeführt wurde, sind im Fachmagazin „Psychophysiology“ veröffentlicht worden.

„Durch die Untersuchung solcher neuronalen Parameter erfahren wir mehr darüber, warum wir so handeln, wie wir es tun – und wie sich das beeinflussen lässt“, betonte die Psychologin Schmidt. Beim Tragen eines Fahrradhelms handele es sich um „eine sehr subtile Manipulation“. Das könne als eine Suggestion interpretiert werden, die unbewusst wirke. „Die aktuelle Studie zeigt, dass selbst solch eine subtile Maßnahme Entscheidungsprozesse signifikant beeinflusst. Experimente wie dieses helfen dabei, die Mechanismen, die hinter der Wirkung von Suggestionen auf Entscheidungsprozesse stehen, genauer zu verstehen.“

Die Jenaer Forscherin, die auch die Wirkung der Hypnose erforscht, betont: „Sicherheit kann noch viel deutlicher suggeriert werden, zum Beispiel unter Hypnose“. Es sei für sie sehr interessant zu untersuchen, wie stark Suggestionen die Hirnaktivität beeinflussen können: „Im hypnotischen Zustand sind Probanden sehr offen für angebotene Vorstellungen, zum Beispiel für die Vorstellung eines sicheren Ortes, an dem sie sich geborgen fühlen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare