+
Der Bau von Luftschlössern bedarf der Kreativität (Symbolbild).

Gehirnforschung

Fahndung nach dem Geistesblitz

  • schließen

Ein Biologe begibt sich auf Spurensuche nach den Ausbrüchen von Kreativität im Gehirn.

Für den Moment überraschend blitzt der kreative Einfall wie aus dem Nichts auf – doch warum fühlen sich Menschen oft so urplötzlich erleuchtet? Diese spannende Fragen greift der Biologe Konrad Lehmann in seinem kürzlich erschienenen Buch „Das schöpferische Gehirn“ auf. „Kreativität ist für mich eine der wunderbarsten menschlichen Fähigkeiten“, betont der Hirnforscher und Akademische Rat am Institut für Allgemeine Zoologie und Tierphysiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

In seinem Werk bedient sich der Autor eines erzählerischen Kunstgriffs – er schickt die Leser gemeinsam mit Commissario Prefrontale sieben Tage lang auf Spurensuche nach den Geheimnissen, die den Geistesblitz umranken: Woher kommt überhaupt der Antrieb, kreativ zu sein? Welche Gebiete im Gehirn sind aktiv, wenn wir rappen, jazzen oder eine zündende Idee haben? Warum kommen die besten Einfälle im Schlaf? Verdanken wir unserem Einfallsreichtum den Genen oder handelt es sich um ein außergewöhnliches Talent? Und wie in einem Krimi werden dabei die Windungen der neurobiologischen Kreativitätsforschung dargestellt, und die bisherigen Erkenntnisse von Psychologen sowie Neurowissenschaftlern zu diesem Thema eingeordnet und verständlich aufbereitet.

Der Laie könnte leicht verleitet sein anzunehmen, dass Genies wie etwa der italienische Universalgelehrte Leonardo da Vinci ihre Eingebungen wie von Zauberhand erhalten – doch in Wahrheit steckt dahinter ein komplexer Prozess, den der englische Psychologe Graham Wallas bereits in den 1920er Jahren anhand von fünf Phasen beschrieben hat.

Auf einen Schlag entlädt sich der Geistesblitz

Nach dem Sammeln von Informationen und Lernen geschieht im Kopf scheinbar zunächst gar nichts. Doch während dieser Inkubationszeit arbeitet es im Gehirn. Ahnungen, wie die Lösung eines Problems aussehen könnte, tauchen in der nächsten Phase auf – und auf einen Schlag entlädt sich der Geistesblitz. Nach reifer Überlegung stellt sich im Idealfall heraus, dass das Ergebnis brauchbar ist. Neurologen machen insbesondere die Inkubationsphase für den Überraschungseffekt des Geistesblitzes verantwortlich.

Häufig tritt der Moment der Erleuchtung gerade dann ein, wenn das Gehirn nicht im Denkmodus verharrt. „Es gibt eine begrenzte Menge von Regionen, die immer dann in Schweigen verfallen, wenn Aufmerksamkeit gefordert ist. Im Umkehrschluss bedeutet das: Diese Gebiete sind immer dann aktiv, wenn gerade keine Aufmerksamkeit gefordert ist“, fasst Lehmann die Theorie zusammen. Die Hirnareale, die aktiv sind, wenn der Mensch nichts tut, erforschte als Erster intensiv Marcus Raichle.

Eben dieses Netzwerk im Gehirn, das auch die Innenansicht und „ein stabiles, kontinuierliches Selbst“ ermöglicht, lässt offenbar Freiraum für kreative Leistungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare