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Auch die Universität selbst könnte eine hohe staatliche Förderung erhalten.

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Exzellente Aussichten für Bonner Forscher

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Sieben Anträge von der Universität Bonn haben es in die Endrunde für die bundesweiten Exzellenz-Cluster geschafft. Es geht um viel Geld.

Während Bonn als zweiter Regierungssitz sichtbar an Bedeutung verliert, profiliert sich die Stadt zunehmend als Bildungsstandort mit internationalem Profil. Augenscheinlich wurde das in der vierten Förderrunde für die Exzellenz-Initiative der Bundesregierung, die als Exzellenz-Strategie neu aufgestellt wurde. Das überwiegend international besetzte Experten-Gremium hat dazu von 195 eingereichten Antragsskizzen 88 in die engere Wahl genommen.

Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn überzeugte mit sieben Cluster-Ideen. Zwei davon sind in Kooperation mit der Universität Köln und der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen entstanden. Damit schickten die Bonner mehr Ideen in die zweite Runde als jede andere Hochschule und selbst die beiden Münchner Universitäten zusammen. „Ausgerechnet Bonn, das in den vergangenen Jahren im Schatten der nahen Exzellenz-Universität Köln stand“, staunt der Wissenschaftsjournalist und Hochschulpolitik-Experte Jan-Martin Wiarda in seinem Blog. Köln brachte diesmal nur einen eigenen Antrag durch. 22 Hochschulen schieden vorzeitig komplett aus.

Im frisch renovierten Rektoratsgebäude, einer schmucken Villa aus dem 19. Jahrhundert, kann Hochschulrektor Michael Hoch seine Begeisterung kaum verbergen. Auch die Aussichten für die zweite Runde stehen arithmetisch nicht schlecht, sagt er: „Wenn man sieht, dass von den 88 verbliebenen 45 bis 50 Cluster gefördert werden sollen, können wir uns mehr als reelle Chancen ausrechnen.“ Die Prognose verbessert sich weiter, weil die Uni, die in diesem Jahr ihr 200-jähriges Bestehen feiert, schon in der vergangenen Förderperiode mit zwei Clustern vertreten war, die nun im Folgeantrag an ihre gute Arbeit anknüpfen können. Wenn erneut mindestens zwei Cluster bewilligt werden, dann könnte Bonn 2019 neben Köln und Aachen der dritte Standort einer Exzellenz-Universität in Nordrhein-Westfalen werden. Das brächte nicht nur beträchtliches Renommee, sondern auch Fördergelder des Bundes von mindestens 126 Millionen Euro und damit Hunderte neue Arbeitsplätze in die Stadt.

Was ein Exzellenz-Cluster bewirken kann, zeigen die aktuell geförderten Projekten. Der Cluster Immuno-Sensation erkundet interdisziplinär wichtige Spieler im menschlichen Immunsystem und deren Funktionsweise. „Bis 2012 waren vielleicht 100 Wissenschaftler in Bonn mit diesem Themenfeld befasst und arbeiteten teils verstreut daran“, berichtet Hoch, der in diesem Bereich vor seinem Amtsantritt als Rektor tätig war. Heute seien rund 450 Spitzenforscher und Nachwuchskräfte im Cluster vernetzt. „Das zieht neben weiteren Top-Leuten auch viele sehr gute Studierende an, die bei den Koryphäen ihres Fachs lernen möchten“, betont er.

Ähnlich erging es den Mathematikern, die das Hausdorff-Centrum (HCM) und das Max-Planck-Institut für Mathematik im vergangenen Jahrzehnt zu einem Knoten mathematischer Spitzenforschung in Europa entwickelt haben. „Wir möchten ein Kristallisationspunkt für mathematische Spitzenforschung sein. Dazu schaffen wir die Rahmenbedingungen, die Spitzenforscher in Deutschland halten beziehungsweise ausländische Topkräfte zu uns kommen lassen“, sagt der Direktor des Hausdorff-Centrums Karl-Theodor Sturm. Bonn konkurriere auf diesem Feld inzwischen mit Paris, New York oder Peking um die Besten der Besten.

Um die Bewerbung in der neuen Runde auf eine noch breitere Basis zu stellen, hat die Hochschulleitung mit allen 555 Professoren der rund 200 Studienfächer sechs Kernthemen identifiziert, die künftig das Profil der Universität Bonn schärfen sollen.

Dies spiegelt sich auch in den Cluster-Skizzen wider, die von Mathematik und Quantenforschung bis zur Ökonomie, Landwirtschaft und den Geisteswissenschaften fast das gesamte Spektrum der vorhandenen Fakultäten abdecken. So wirken an der Cluster-Idee zur Abhängigkeitsforschung (Handlungsspielräume in asymmetrischen Strukturen individueller oder gruppenbezogener Abhängigkeit in vormodernen Gesellschaften) mehr als 20 kleinere Fächer aus den Geistes- und Sozialwissenschaften mit.

Hoch sieht eine „spürbare Mobilisierung“ der gesamten Hochschule mit ihren derzeit rund 6300 Beschäftigten (ohne das Universitätsklinikum) und rund 38 000 Studierenden. Die habe dazu geführt, dass nunmehr Projekte aus allen Fachbereichen von der Medizin bis zur Landwirtschaft noch im Rennen seien. Bis zum 21. Februar müssen diese nun ihren vollständigen Antrag einreichen. Im September werden dann die Gewinner gekürt.

Ein Erfolg einzelner Cluster bringe auch die gesamte Hochschule nach vorne, betont Hoch. So erhält eine Universität für jedes Cluster einen zusätzlichen Betrag zur allgemeinen Entwicklung. Für ein Cluster gibt es neben den etwa acht Millionen Grundförderung eine Million Euro extra, für das zweite Cluster noch 750 000 Euro, für das dritte 500 000 Euro. Und das zunächst sieben Jahre lang und nach erfolgreicher Evaluation für sieben weitere Jahre.

Bekommt die Hochschule im September wieder mindestens zwei Cluster genehmigt, kann sie sich zudem um den Titel einer Exzellenz-Universität bewerben. Diese Auszeichnung soll zunächst auf Probe, dann sogar dauerhaft an 10 bis 15 Hochschulen bundesweit verliehen werden. Sie brächte nochmals 10 bis zu 15 Millionen Euro jährlich extra.

„Andere Hochschulen haben auf diese Weise schon 100 Millionen Euro erhalten und konnten ihre Infrastruktur und Strukturen zukunftsweisend gestalten“, sagt Hoch. In Bonn liege der Rückstand allein bei der Gebäudesubstanz bei rund 750 Millionen Euro. Als Exzellenz-Uni könnte die Bonner Alma Mater in den kommenden Jahren aufholen.

Für Drittmittelgeber wie Unternehmen, Stiftungen und Initiativen würde Bonn noch attraktiver. Derzeit stammen 157 Millionen im 553 Millionen Euro umfassenden Jahresetat aus anderen Quellen als der Landeskasse Nordrhein-Westfalens, die originär für die Hochschulfinanzierung verantwortlich ist. „Der Titel würde uns auch beim Land eine höhere Priorität verschaffen“, glaubt Hoch.

Mit größerer Eigenständigkeit insbesondere vom behäbigen Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes, der die Universitäts-Immobilien verwaltet, könnte Bonn künftig noch attraktiver für Spitzenforscher werden und damit die gesamte Region als Wissenschaftsstandort stärker profilieren.

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