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Das erste Bild eines schwarzen Lochs: Das schwarze Loch in der Galaxie Messier 87. Der schwarze Bereich innerhalb des „Feuerrings“ ist das schwarze Loch, der strahlende Ring der „Ereignishorizont“.

Sensation in der Astronomie

Forscher präsentieren erstes Bild von schwarzem Loch

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Sensation in der Astronomie: Wissenschaftler vom „Event Horizon Telescope“ präsentieren das erste Bild eines schwarzen Lochs.

Erstmals ist es Forschern gelungen, ein Bild von einem schwarzen Loch zu machen. Bei sechs gleichzeitigen Pressekonferenzen in aller Welt stellen die Wissenschaftler vom „Event Horizon Telescope“ das Bild und ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse vor. Der Überblick:

16:05 Uhr: wichtigste Erkenntnis der Wissenschaftler: Das schwarze Loch in der Galaxie M87 hat tatsächlich die Eigenschaften eines schwarzen Lochs, von denen man bisher ausgegangen ist: Es gibt den Ereignishorizont, den „point of no return“, von dem aus Materie unaufhaltsam von der Gravitation des schwarzen Lochs eingefangen wird. Das Bild zeigt, dass Einstein mit seiner allgemeinen Relativitätstheorie richtig lag. „Heute hat die allgemeine Relativitätstheorie einen weiteren Test bestanden“, sagt EHT-Wissenschaftler Avery Broderick.

16:03 Uhr: Warum ist das erste Bild eines schwarzen Lochs eine Sensation? Weil es äußerst schwierig ist, ein schwarzes Loch zu fotografieren: Es leuchtet nicht, es ist weit weg und kein Teleskop der Welt hat eine Auflösung, die ausreicht, um ein schwarzes Loch zu fotografieren. Daher wurden im „Event Horizon Telescope“ mehrere große Teleskope zusammengeschlossen.

15:50 Uhr: „Wir haben jetzt gesehen, was wir für nicht sichtbar gehalten haben“, sagte Projektleiter Doeleman bei der Pressekonferenz.

15 :44 Uhr: „Wir haben etwas erreicht, das noch vor einer Generation als unmöglich galt“, sagt EHT-Projektleiter Doeleman. „Durchbrüche in der Technologie, Verbindungen zwischen den besten Radioobservatorien der Welt und innovative Algorithmen haben ein völlig neues Fenster zu schwarzen Löchern und dem Ereignishorizont geöffnet.“

15:37 Uhr: „Die Konfrontation von Theorie und Beobachtung ist für einen Theoretiker immer ein dramatischer Moment. Es freut uns und macht uns stolz zu erkennen, dass die Beobachtungen unseren Vorhersagen so gut entsprechen“, freut sich Luciano Rezzola von der Goethe-Universität in Frankfurt, der im Vorstand des EHT sitzt.

15:29 Uhr: Viele der Merkmale des beobachteten Bildes entsprechen unserem theoretischen Verständnis überraschend gut“, sagt Paul T. P. Ho, EHT-Vorstandsmitglied und Direktor des East Asian Observatory. „Das macht uns zuversichtlich für die Interpretation unserer Beobachtungen, einschließlich unserer Abschätzung der Masse des Schwarzen Lochs.“

15:17 Uhr: Das erste Bild eines schwarzen Lochs (siehe oben) zeigt das schwarze Loch im Mittelpunkt der Galaxie Messier 87. Es ist 55 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt und hat eine Masse von 6,5 Milliarden Sonnen.

15:10 Uhr: „Man kann ein schwarzes Loch nicht sehen. Aber man sieht seinen Schatten“, so Heino Falcke.

15:08 Uhr: Das Bild zeigt einen „Feuerring“, sagt Heino Falcke bei der Präsentation

15:05 Uhr: Um 15:07 Uhr wird das Bild gezeigt. Wir veröffentlichen es hier, sobald es uns zur Verfügung steht.

15:01 Uhr: Man werde einen „großen Durchbruch für die Menschheit“ präsentieren, sagt Carlos Moedas.

14:56 Uhr: Zu den beteiligten Teleskopen zählen unter anderem das Atacama Large Millimeter Array in Chile, das James Clerk Maxwell Telescope auf Hawaii und das South Pole Telescope am Südpol.

14:50 Uhr: Zu Beginn der Veranstaltung wird Carlos Moedas, EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation, sprechen. Auch das dürfte ein Zeichen für die Bedeutung der Bekanntgabe sein.

14:00 Uhr: In einer Stunde beginnen die Pressekonferenzen in sechs Städten: Brüssel, Santiago de Chile, Shanghai, Tokio, Taipeh und Washington D.C. Den Livestream der Pressekonferenz aus Brüssel (auf englisch) können Sie sich hier anschauen (nach unten scrollen).

Dem schwarzen Loch auf der Spur

Schwarze Löcher sind geheimnisvolle Orte. Ihre Schwerkraft ist so gewaltig, dass ihnen nichts entkommen kann – nicht einmal Licht. Die monströsen Objekte regen die Fantasie vieler Menschen an - schwarze Löcher tauchen beispielsweise immer wieder in der Science Fiction auf. Doch noch niemand hat jemals ein schwarzes Loch zu Gesicht bekommen - weil kein Licht nach außen dringt, kann man es schlicht und ergreifend nicht sehen. Man weiß jedoch, dass sich beispielsweise im Zentrum der Milchstraße ein schwarzes Loch befindet: „Sagittarius A*“.

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Bilder von diesem oder anderen schwarzen Löchern gibt es bisher nicht. Das könnte sich nun jedoch ändern: Am Mittwoch wollen die Wissenschaftler des internationalen Forschungsprojekts „Event Horizon Telescope“ (EHT) erste Ergebnisse ihrer Arbeit vorstellen – und dabei möglicherweise auch das Bild eines schwarzen Lochs zeigen.

Ein schwarzes Loch fotografieren - gar nicht so einfach

Denn das ist ein Ziel des „Event Horizon Telescope“: das erste Bild eines schwarzen Lochs aufnehmen. Genauer: Die Forscher wollen nicht das schwarze Loch selbst fotografieren, sondern den so genannten „Ereignishorizont“ („event horizon“), der das schwarze Loch umgibt. „Ereignishorizont“ ist ein Begriff aus der allgemeinen Relativitätstheorie. Er steht für den so genannten „point of no return“, den „Ort ohne Wiederkehr“ um ein schwarzes Loch: Alles, was den Ereignishorizont eines schwarzen Lochs erreicht, wird von der starken Gravitation angezogen und kann nicht mehr entkommen. Forscher gehen davon aus, dass der Ereignishorizont auf dem Bild als ein hell leuchtender Ring um das schwarze Loch zu sehen sein wird. Möglicherweise ist auf diesem hellen Ring auch der Schatten des schwarzen Lochs zu sehen.

Schwarzes Loch „Sagittarius A*“ ist weit entfernt

Das „Event Horizon Telescope“ ist ein Zusammenschluss mehrerer großer Radioteleskope, die in aller Welt verteilt sind und zusammen ein virtuelles Teleskop bilden, das den Durchmesser der Erde hat. Das schwarze Loch „Sagittarius A*“ ist riesig, aber auch 26.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Deshalb entspricht seine Größe aus unserer Perspektive etwa dem eines Tennisballs auf dem Mond. Ein gewöhnliches Teleskop reicht nicht aus, um ein derart kleines Objekt zu sehen - mehrere Teleskope im Verbund sind dazu nötig, die gleichzeitig ein Objekt beobachten und ihre Daten anschließend mit Hilfe eines Supercomputers miteinander kombinieren.

In der Ankündigung für die sechs zur gleichen Zeit angesetzten Pressekonferenzen (Mittwoch, 10. April um 15 Uhr) ist von einem „bahnbrechenden Ergebnis“ die Rede – weshalb man wohl davon ausgehen kann, dass es den Forschern gelungen ist, ein Bild zu machen, das sie der Welt nun präsentieren möchten.

Gilt die Relativitätstheorie auch im Umfeld eines schwarzen Lochs?

Doch warum sollte man ein schwarzes Loch fotografieren? Was erhoffen sich die Forscher davon? Experten können aus einem solchen Bild eine Menge Schlüsse ziehen. Sie wollen beispielsweise herausfinden, ob Einsteins allgemeine Relativitätstheorie auch in der extremen Umgebung eines schwarzen Lochs ihre Gültigkeit hat. Darüber hinaus sind viele Fragen rund um schwarze Löcher noch nicht geklärt. Beispielsweise fragen sich die Forscher, wie genau die Materie in das schwarze Loch gelangt und warum manche schwarze Löcher einen Teil der Materie wieder hinausschleudern. Antworten auf solche Fragen könnten auch das Bild verändern, das Astrophysiker von unserem Universum haben.

Außerdem spielt auch die natürliche Neugier des Menschen eine Rolle: Wenn es den Forschern gelingt, mit Hilfe des „Event Horizon Telescope“ erstmals - indirekt - ein schwarzes Loch zu fotografieren, dann ist das eine Sensation. Man darf gespannt sein, was die Forscher bei ihrer Pressekonferenz bekanntgeben.

1915 stellte Albert Einstein die Theorie auf, dass es extreme Orte geben könnte, die alles anziehen, aber kein Licht nach außen lassen. 1967 etablierte der theoretische Physiker John Archibald Wheeler den Begriff „schwarzes Loch“. Bereits im 18. Jahrhundert spekulierte der britische Forscher John Michell über „dunkle Sterne“, die den heutigen schwarzen Löchern ähneln.

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