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Waldbrände in Kalifornien: Bewohner der Kleinstadt Ojai betrachten im Dezember die Feuer am Hang über dem trockenen Flussbett des Ventura Rivers.

Kalifornien

"Etwas Ungewöhnliches passiert"

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Der Klimawandel heizt die Waldbrände an: Die Waldbrand-Saison in Kalifornien ist deutlich länger als gewöhnlich - und 14 der 20 flächenmäßig größten Waldbrände fanden seit dem Jahr 2000 statt.

Die kalifornische Feuerschutzbehörde veröffentlicht regelmäßig eine Liste mit den 20 stärksten Waldbränden der vergangenen Jahrzehnte. Der älteste verzeichnete Brand datiert auf das Jahr 1932. Auffällig ist an der Liste jedoch eines: 14 der 20 flächenmäßig größten Waldbrände fanden seit dem Jahr 2000 statt. Allein sechs waren es in den vergangenen sieben Jahren.

Auch bei der Liste der „zerstörerischsten“ Feuer, bei denen besonders viele Menschen starben und Häuser abbrannten, stehen die Brände der letzten Jahrzehnte ganz weit oben. Die Liste des Schreckens zeigt einen Trend und auch für kalifornische Medien ist mittlerweile klar: Es handelt sich nicht mehr „nur“ um eine einzelne Naturkatastrophe. Rein statistisch ist offensichtlich, dass die Brände häufiger und heftiger auftreten.

Kalifornien ein Hotspot der globalen Erwärmung

Während die Zeit für Waldbrände früher voraussagbar war, sei man nun das ganze Jahr in Alarmstimmung, zitiert die Los Angeles Times den Feuerchef von Ventura. Das hänge mit der enormen Trockenheit zusammen. The Verge schreibt: „Etwas Ungewöhnliches passiert“, und zitiert einen Klimaforscher, der die Dürre in der Region zu erklären versucht. Und auch The Atlantic fragt: „Hat der Klimawandel die Waldbrände an der Westküste verstärkt?“

Tatsächlich belegen mittlerweile viele Studien, dass Kalifornien ein Hotspot der globalen Erwärmung ist. Im offiziellen Klimabericht des US-Bundesstaates finden sich alle Zutaten für die derzeitige Katastrophe: Steigende Temperaturen, mehr Hitzewellen, weniger Regen und Schneefall, sinkende Flusspegel, aber ein steigender Meeresspiegel.

Forschern zufolge hat sich aufgrund der steigenden Trockenheit die Fläche der Waldbrände seit 1984 verdoppelt. Nach Erkenntnissen des Washingtoner World Resource Institute hat sich auch der Zeitraum um zweieinhalb Monate verlängert, in denen man mit Waldbränden rechnen muss.

Waldbrand-Saison um mehr als 100 Tage länger als gewöhnlich

Auch der US-Thinktank Climate Central hat ermittelt, dass in diesem Jahr die Waldbrand-Saison um mehr als 100 Tage länger ist als gewöhnlich. Zusammen mit Wetter-und Klimainstituten sowie Universitäten, darunter das Meteorologische Institut der Niederlande und die University of Oxford, analysieren die Forscher die Ursachen und Wirkungen von Wetterextremen wie den aktuellen Waldbränden in Kalifornien. Durch höhere Temperaturen trockne die Vegetation in den ländlichen Gebieten des Bundesstaates so stark aus, dass die Feuer leichtes Spiel haben. „Die Erforschung von Extremwetter bringt den Klimawandel direkt vor unsere Haustür“, erklärt die Leiterin des Netzwerkes, Heidi Cullen, in ihrer Kolumne in der New York Times.

Eigentlich hätte es jetzt im Dezember schon längst regnen müssen, die Waldbrandsaison ist laut lokalen Experten lange vorbei. Doch der Regen bleibt wieder einmal aus. Laut einer neuen Studie in der Fachzeitschrift Nature Communications könnte daraus eine ernste Bedrohung für den Bundesstaat erwachsen. Denn die mittlerweile jahrelange Dürre – immerhin schon seit 2012 – dürfte in Zukunft zu einem Dauerphänomen werden.

Die Studienautoren vom Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL) und von der University of California in Berkeley haben einen erschreckenden Zusammenhang festgestellt: Durch das Schmelzen des Arktis-Eises könnte der Regen in Kalifornien ausbleiben. Die Schmelze beeinflusse atmosphärische Strömungen über dem Nordpazifik.

Bisher sorgen diese Strömungen dafür, dass die Niederschläge an die US-Westküste kommen. Künftig könnten sie nach Kanada und Alaska abgedrängt werden. Schon die derzeitige Trockenheit sei ein Hinweis auf diese Veränderungen, glaubt Studienautorin Ivana Cvijanovic vom LLNL.

Fotos von der ISS

Hinzu kommt, dass natürliche Winde in Kalifornien die Waldbrände regelrecht anheizen. Die Santa-Ana- oder Diablo-Winde entstehen im Großen Becken zwischen den Rocky Mountains und der Sierra Nevada. Auf ihrem Weg Richtung Pazifik beschleunigen sich diese Winde, die Berglandschaft verstärkt den Effekt. An der Küste wirken die Winde dann wie ein Blasebalg, der das Feuer ordentlich anfacht.

Deutlich sieht man die Brände auch aus dem All: Der Astronaut und derzeitige Kommandant der Internationalen Raumstation (ISS) Randolph Bresnik hat Fotos aus 400 Kilometern Höhe gemacht. Sie zeigen eindrücklich, wie die Rauchsäulen über Ventura, Santa Monica und Los Angeles aufs offene Meer ziehen.

Was vom All aus wie eine harmlose Schleierwolke aussieht, ist jedoch nicht nur für die Natur zerstörerisch, sondern auch für die menschliche Gesundheit gefährlich. Der Thinktank Climate Central warnt, die Rauchwolken enthielten einen gefährlichen Chemiecocktail – auch wegen der brennenden Häuser, Autos oder Hausmüll. Darunter auch extrem gesundheitsschädliche Feinstaubpartikel, die Krankheiten wie Asthma verschlimmern und längerfristig zu Krebserkrankungen führen können. „Das alles ist nur eine weitere Folge unseres ungebremsten Drangs Treibhausgase in die Atmosphäre zu blasen, und es ist ein Grund mehr zu sagen: Okay, lasst uns endlich Emissionen einsparen“, appelliert Loretta Mickley von der Harvard University.

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