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Europäische Weltraumorganisation Esa: Daten, Zahlen, Fakten

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Von: Martina Lippl

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Die Europäische Weltraumorganisation Esa nennt sich selbst „Europas Tor zum Weltraum“. Sie schickt Raketen, Satelliten und Astronaut:innen ins All.

Paris – In der Geschichte der Raumfahrt spielt die Europäische Weltraumorganisation Esa (englisch: European Space Agency) erst seit den 70er Jahren eine Rolle. Die USA und die damalige Sowjetunion lieferten sich einen Wettstreit um die Vorherrschaft im Weltall. Da wurde die Esa aus der Taufe gehoben, mit dem Ziel, das All friedlich zu erforschen.

NameEsa - Europäische Weltraumorganisation
Gründungsdatum30. Mai 1975
HauptsitzParis (Frankreich)
Generaldirektor der ESAJosef Aschbacher (seit dem 1. März 2021)
Mitgliedsstaaten der ESA22 (Stand: August 2022)
Ziel der Projekte der Weltraumforschung„ausschließlich friedliche Zwecke“
Mitarbeiter:innen2400 (Stand: August 2022)

ESA – Das sind Mitgliedstaaten der europäischen Weltraumorganisation

20 Mitgliedstaaten sind an der europäischen Weltraumorganisation mit Sitz in Paris (Frankreich) beteiligt. Nicht alle EU-Mitgliedstaaten gehören der Esa an und umgekehrt. Auch die Schweiz gehört zur Esa (Stand: August 2022).

1975 waren es zehn Gründungsstaaten: Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Schweden, Schweiz und Spanien.

Europäische Weltraumagentur Esa „ist Europas Tor zum Weltraum“

Die Weltraumbehörde Esa ist eine völlig eigenständige Organisation und keine Raumfahrtbehörde der Europäischen Union, wie oft fälschlicherweise angenommen wird. Der Esa fehle es etwas an Glamour, sagt selbst Paolo Ferri, ein Pionier der europäischen Raumfahrt im ARDalpha-Interview (2022). Ferri verweist dabei auf die amerikanische Weltraumagentur Nasa, „die könnten sich selber besser verkaufen“.

Mitgliedsstaaten der Esa beteiligen sich gemeinsam an Weltraumprojekten, so auch an der Internationalen Raumstation ISS. Es ist allerdings die Esa, die Astronaut:innen zur ISS schickt und nicht die einzelnen Länder selbst.

„Die Europäische Weltraumorganisation ESA ist Europas Tor zum Weltraum“, heißt es auf der offiziellen Esa-Webseite. Die Raumfahrtagentur koordiniert und fördert demnach die Entwicklungen der europäischen Raumfahrt – und „stellt sicher, dass die diesbezüglichen Investitionen allen Europäerinnen und Europäern dauerhaften Nutzen bringen“.

Das Logo der Europäischen Weltraumorganisation / European Space Agency (ESA) auf dem Modell einer Trägerrakete.
„Esa“ das Logo der Europäischen Weltraumagentur ist auf dem Modell einer Trägerrakete zu sehen. © Christoph Hardt/imago

Budget der Esa: So viel Geld bekommt die Europäische Weltraumagentur

Das geschätzte Budget der Esa für 2022 beträgt nach Angeben der Weltraumorganisation 7,15 Milliarden Euro. Der anteilsmäßige Beitrag der einzelnen Staaten richte sich nach dem jeweiligen Bruttoinlandsprodukt, klärt die Raumfahrtagentur auf. Bei optionalen Programmen sei es jedoch den einzelnen Staaten freigestellt, ob und in welcher Höhe sie sich beteiligen.

Was macht die Europäische Weltraumbehörde Esa eigentlich?

Die Europäische Weltraumorganisation Esa ist relativ jung. Doch sie hat schon Atemberaubendes in der Raumfahrt geleistet, um Europa einen Zugang zum Weltall zu sichern. Die Geschichte der Esa-Missionen ist vielfältig: Es umfasst eigene Weltraumteleskope wie beispielsweise Gaia, eigene Wissenschaftslabore, wie Columbus auf der ISS, präzisiere Satellitennavigation mit Hilfe von Galileo oder auch die Mission Solar Orbiter zur Erforschung der Sonne unter der Beteiligung der US-Raumfahrtagentur Nasa. Auch am James-Webb-Teleskop ist die Esa beteiligt.

Mit der Ariane 1 ist erstmals im Dezember 1979 eine europäische Trägerrakete ins All gestartet. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten war Ariane ein großer Erfolg. Der neu entwickelte Trägertyp funktionierte auf Anhieb. Einen Markt, um Satelliten in den Erdorbit zu bringen, gab es in den 70er-Jahren noch nicht. Inzwischen gibt es den Nachfolger Ariane 6 und Vega-C. Dazu solle der wiederverwendbare Space Rider einen sicheren und bezahlbaren Zugang zum Weltall sichern, schreibt die Esa in einer Broschüre von 2021.

Europäische Weltraumforschung: Die Esa setzt auf Kooperation

Es gibt unterschiedliche Esa-Projekte – oft steckt jahrzehntelange Planung dahinter. Häufig werden große Weltraummissionen in Kooperation mit andern Raumfahrtagenturen durchgeführt.

Als bahnbrechend bezeichnet die Esa ihre Mission mit der Raumsonde Rosetta in einer Umlaufbahn um den Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko. Rosetta setzte das Landefahrzeug Philae auf dessen Oberfläche ab. Erst funkte die Sonde Fotos von der „Weltraumkartoffel“, dann registrierte Rosetta neben Wasser unter anderem auch Sauerstoff auf dem Kometen, der nach Ansicht der Forschenden aufgrund seiner Temperatur (minus 250 Grad) weit weg von der Sonne geboren sein muss. Bei der Huygens-Mission tauchte eine Esa-Sonde „in die Atmosphäre des geheimnisvollen Mondes Titan ein und landete“ 2005 auf dem Saturnmond.

Die Esa entwickelt eigens Satelliten – Sentinels – für das Europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus. Diese Satelliten halten Temperaturen zwischen minus 180 Grad und plus 180 Grad stand. Mit den Daten aus dem All lassen sich Wetter und Klima auf unserer Erde messen und überwachen. Täglich liefert Copernicus 150.000 Gigabyte Daten.

Wissenschaft und Erfolge der Esa im Weltraum
1979Die erste Trägerrakete Ariane hebt am 24. Dezember 1979 von Kourou in Französisch-Guayana ab.
1983Im Rahmen der STS-9-Mission startet erstmals das europäische Forschungslabor Spacelab.
1986Die europäische Raumsonde Giotto nähert sich im März dem Kometen Halley auf einen Abstand von nur 596 Kilometern.
1990Das Hubble-Weltraumteleskop (Projekt von Esa und Nasa) startet im April in seine Umlaufbahn 550 Kilometer über der Erde.
2004Der Start der Rosetta-Mission: Esa landet 2014 auf einem Asteroiden.
2005Die Huygens-Mission gelingt. Die Esa-Sonde landet auf dem Titan (Saturnmond).
2008Das Wissenschaftsmodul Columbus dockt an der ISS an.
2011Navigationssystem Galileo
2013Der Forschungssatellit Gaia erkundet unsere Galaxie.
2014Die Satelliten des Copernicus-Programms liefern Daten und Info.rmationen von unserer Erde.
2020Solar Orbiter
2022Die Trägerrakete Vega-C startet am 13. Juli 2022 zu ihrem Jungfernflug.

Sonnenstürme, Asteroiden und Weltraumschrott – Esa überwacht Gefahren aus dem Weltraum

Mit Teleskopen hat die Esa das Weltall und den Himmel über unserem Planeten im Blick, um vor möglichen Gefahren, wie Asteroiden, Sonnenstürme und Weltraumschrott zu warnen. Weltraumschrott ist beispielsweise für Raumfahrzeuge ein massives Problem. Tonnenweise Müll – defekte Satelliten oder Raketenteile – kreisen schon über unserer Erde im Orbit. Selbst kleine Objekte können eine zerstörerische Wirkung haben. Regelmäßig muss die ISS Ausweichmanöver fliegen, wenn Trümmer gefährlich nahekommen.

Seit April 2021 gibt es ein neues Zentrum der Europäischen Weltraumbehörde Esa für Weltraumsicherheit in Darmstadt. Dort sagt die Esa dem Weltraumschrott den Kampf an. Eine neue Weltraum-Müllabfuhr mit der Mission ClearSpace-1 soll getestet und entwickelt werden.

Dazu soll das Weltraumwetter überwacht und vorhergesagt werden. Sonnenstürme können auf die Erde treffen und im schlimmsten Fall GPS-Navigationssysteme stören oder zu Stromausfällen führen.

Asteroidenabwehr: Esa will Erde vor gefährlichen Einschlägen schützen

Astroidenabwehr klingt nach Science-Fiktion: Doch die Raumfahrtagentur Esa will auf das Szenario vorbereitet sein. Ein Asteroid bzw. sein Einschlag könnte verheerende Folgen auf unserem Planeten haben.

Ein Meteorit mit einem Durchmesser von etwa 20 Metern schlug aus dem Nichts am 15. Februar 2013 in einer Stadt im Uralgebirge ein. Rund 1500 Menschen wurden verletzt und 3700 Gebäude beschädigt – so die erschreckende Bilanz des Asteroiden-Einschlags.

European Space Agency (ESA) vom 07.02.2013 zeigt die im Rahmen der Mission Asteroid Impact simulierte Begegnung von Asteroiden mit der Erde.
Asteroidenabwehr: Die Europäische Weltraumorganistation Esa simuliert hier (im Jahr 2013) eine Begegnung von Astroiden mit der Erde. © ESA Science Office/dpa

Ein Frühwarnsystem soll einen Asteroiden-Einschlag rechtzeitig erkennen, falls einer auf die Erde zurast. Gemeinsam mit der Nasa will die Esa zudem erforschen, ob sich ein Asteroid im Ernstfall von seinem Kollisionskurs ablenken lässt. Die bereits gestartete Nasa-Sonde Dart soll im September 2022 auf dem kleineren Brocken eines Doppel-Asteroiden einschlagen und dessen Umlaufbahn um den größeren leicht verschieben.

Gibt es Astronauten und Astronautinnen bei der Esa?

Esa-Astronaut:innen sind regelmäßig Teil der Crew auf der internationalen ISS. Eine eigene Rakete für einen bemannten Raumflug fehlt der Esa. Auch wenn die europäische Raumfahrtagentur Astronautinnen und Astronauten selbst ausbildet, fliegen diese immer „nur“ mit. So ist der Esa-Astronaut Alexander Gerst 2018 mit einem russischen Sojus-Raumschiff ins All geflogen. Matthias Maurer und Samantha Cristoferetti durften an Bord einer Crew-Dragon-Kapsel von SpaceX zur ISS fliegen.

So viel zahlen Bürgerinnen und Bürger eines ESA-Mitgliedstaats

Für die Esa-Aktivitäten zahlt jeder Bürger und jede Bürgerin eines ESA-Mitgliedstaats pro Kopf jährlich rund zwölf Euro. Der Esa zufolge ist die europäische Pro-Kopf-Investition in die Raumfahrt vergleichsweise gering. In den USA seien die Investitionen in die Raumfahrt fast viermal so hoch.

Will die Esa zum Mond? Zukunftsvision der Europäischen Weltraumorganisation

Die Liste der zukünftigen Esa-Projekte ist spannend: So ist die Raumsonden BepiColombo schon seit 2018 unterwegs und soll im Dezember 2025 den Merkur erreichen. Im April 2023 soll Juice die Jupitermonde erkunden. Dazu macht sich die Esa auf den Weg zum Mond.

Die Mond-Mission in Kooperation mit dem Artemis Mondprogramm der Nasa hat Glamour-Faktor auch für die europäische Raumfahrt. Seit dem Jahr 1972 (Apollo-17-Mission) war kein Mensch mehr auf dem Erdtrabanten. Die erste Mondlandung war ein beispielloser Kraftakt. Nun startet eine neue Mond-Mission. Deren Ziel ist es, dass Menschen wieder auf dem Mond landen.

Mondmission: Esa und Nasa entwickeln gemeinsam das Raumschiff Orion

Für die Erforschung des Mondes will die Raumfahrtagentur Esa eine Raumstation auf dem Erdtrabanten bauen. Das klingt nach einer abgehobenen Zukunftsvision, doch die ersten Schritte dafür sind schon gemacht. Die Nasa hat bereits grünes Licht für die Artemis-Mission gegeben. Im August oder September 2022 ist ein erster Teststart für das System bestehend aus der Rakete Space Launch System (SLS) und der Orion-Kapsel anvisiert.

Mit dem Raumschiff Orion sollen später Menschen Richtung Mond fliegen. Die Esa entwickelt für Orion das Servicemodul ESM. Die Abkürzung steht für European Service Modul und ist für den Antrieb, die Energieversorgung und weitere zentrale Elemente des Raumschiffs verantwortlich. Das Antriebsmodul wird in Deutschland gebaut. Das ESM nimmt am ersten Flug des Orion-Raumschiffs der Nasa teil, wird den Mond umrunden und soll anschließend wieder zurückfliegen.

Esa bei Mondmission der Nasa Mond Rakete Orion Nasa Esa Mond-Mission
Die Esa ist bei der geplanten Mondmission der Nasa dabei (hier eine künstlerische Darstellung, wie das Raumschiff Orion um den Mond kreist). © NASA/ESA/ATG Medialab

Esa auf Mondmission: Servicemodul EMS soll Astronauten mit Wasser und Sauerstoff versorgen

Bei der Mission Artemis-1 soll die SLS-Rakete zunächst noch ohne Besatzung in einer vier- bis sechswöchigen Mission den Mond umrunden und dann zur Erde zurückkehren. Mit der Mission Artemis-2 sollen Astronauten dann 2024 den Mond umrunden – wieder mit dem EMS aus Europa.

Erst Artemis-3 soll dann 2025 tatsächlich mit Besatzung auf dem Erdtrabanten landen, darunter auch erstmals eine Frau. Das dritte ESM der Esa soll dann auf dem Mond für die Astronaut:innen Wasser, Nahrung und Sauerstoff liefern. Ein ehrgeiziger Plan.

Seit dem 1. März 2021 steht Josef Aschbacher der Europäischen Weltraumorganisation ESA vor. „Dieses Mal brauchen sie Europa“, betont Aschenbacher im ARDalpha-Interview über die Artemis-Mission. Ob ein Europäer oder eine Europäerin in ferner Zukunft auf dem Mond landen wird, bleibt abzuwarten. Der deutsche Esa-Astronaut Matthias Maurer hofft, dass es in seiner nächsten Mission zum Mond geht. „Das ist mein größter Traum“, sagte der gebürtige Saarländer der Nachrichtenagentur dpa (2. August 2022).

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Wo sitzt die Esa? Wo ist die Esa in Deutschland?

Die Europäische Weltraumagentur Esa hat ihren Hauptsitz in Paris. Jedoch sind in ganz Europa weitere Zentren mit verschiedenen Aufgabenbereichen zu finden. In Deutschland gibt es in Darmstadt das Satellitenkontrollzentrum ESOC (European Space Operations Centre) sowie das Esa-Programm für die Weltraumsicherheit. Für ihren Einsatz im All trainieren zukünftige Astronauten in Köln. Hier eine Übersicht der Zentren:

Die Esa unterhält eigenen Angaben zufolge noch Verbindungsbüros in den USA, Russland und Belgien. Dazu gibt es Bodenstationen (Tracking Stations) zur Kommunikation mit den ESA-Satelliten und Sonden in verschiedenen Teilen der Welt. Vom europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana starten Raketen, die Satelliten in die Umlaufbahn schießen. (ml)

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