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Satelliten auf den Weg zu bringen und ihre Bahnen zu berechnen, gehört zu den Tätigkeiten der Spezialisten am Esoc in Darmstadt.

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Gesucht: Deutscher Nachwuchs für die internationale Raumfahrt

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Das „German Trainee Programme“ von DLR und Esa soll junge Menschen – vor allem Frauen – für die Branche begeistern und ihnen den beruflichen Einstieg erleichtern.

Daran teilhaben, wenn ferne Welten erkundet werden. Sonden auf ihrer Reise zu anderen Planeten, Asteroiden und Kometen begleiten. Satelliten betreuen, die vom All aus die Erde beobachten, die Winde und Temperaturen messen, nahende Naturkatastrophen und schwere Umweltfrevel erkennen können: Die Raumfahrt zählt zu den faszinierendsten Berufsfeldern, die man sich vorstellen kann. Doch wie kommt man eigentlich an einen Job – und welche Ausbildung braucht es, um dort arbeiten zu können?

Das Spektrum der in der Branche gefragten Studiengänge ist größer als man annehmen könnte. Bei den großen Weltraumorganisationen wie der europäischen Raumfahrtagentur Esa arbeiten Wissenschaftler und Ingenieure verschiedenster Fachrichtungen, außerdem Juristen, Betriebswirte, Politologen, Computerspezialisten und Medienfachleute – gemein ist all diesen Stellen, dass sich hinter ihnen sehr anspruchsvolle Tätigkeiten verbergen und sie deshalb eine hohe Qualifikation erfordern.

Arbeitsplatz in der Raumfahrt: „German Trainee Programme“ von DLR und Esa

Um potenzielle Nachwuchskräfte überhaupt auf die Raumfahrt als Arbeitsplatz aufmerksam zu machen und ihnen gleichzeitig den Einstieg in diesen anspruchsvollen Bereich zu erleichtern, hat die europäische Weltraumorganisation Esa vor zehn Jahren zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) das „German Trainee Programme“ (GTP) aufgelegt. Es wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie über das nationale Raumfahrtprogramm beim DLR finanziert; die Fördersumme variiert und betrug in diesem Jahr 750.000 Euro.

Das „German Trainee Programme“ zielt speziell auf die Ausbildung und Förderung von deutschen Hochschulabsolventen und Berufsanfängern. Denn – und das ist ein weiterer Hintergrund des Programms – Deutschland ist zwar der zweitgrößte Beitragszahler unter den 22 Mitgliedsstaaten der ESA, doch das spiegelt sich nicht in einem entsprechenden Anteil beim Personal wider, wie Olivia Drescher-Schwenzfeier, wissenschaftliche Leiterin des DLR-Vorstandsbüros in Berlin-Mitte und Koordinatorin des „German Trainee Programmes“, sagt. In der rund 2200-köpfigen Belegschaft der Esa sei Deutschland nicht „adäquat vertreten“. Heißt: Nach dem, was die Bundesrepublik finanziell in die Weltraumorganisation investiert, müssten weitaus mehr Deutsche dort arbeiten.

Esa finanziert sich aus Staatshaushalten der Mitgliedsstaaten

Zum Verständnis: Die Esa finanziert sich aus den Staatshaushalten ihrer Mitgliedsstaaten, der Anteil der einzelnen Länder richtet sich nach deren Bruttoinlandsprodukt. Für das Jahr 2019 bedeutete das: Zum Gesamtbudget der Esa von rund 5,72 Milliarden Euro hat Deutschland 927 Millionen Euro beigesteuert. Dass deutsche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Belegschaft unterrepräsentiert sind, sei allerdings nicht allein bei der Esa so, sondern typisch auch bei anderen internationalen Organisationen, etwa der UN, sagt Olivia Drescher-Schwenzfeier.

Denise Schmidt (vorne rechts) arbeitet beim Missionsbetrieb der Esa.

Einen Grund dafür sieht sie unter anderem darin, „dass die Bereitschaft zur Mobilität von Deutschen gegenüber anderen Staatsangehöriger teils geringer sei. “ Aus Italien, Spanien oder Griechenland hingegen bewerben sich überproportional viele Wissenschaftler und Ingenieure bei der Esa. Für die Raumfahrtbehörde als Arbeitgeberin sprechen nach Ansicht von Olivia Drescher-Schwenzfeier unter anderem „hochinteressante Tätigkeitsfelder, Internationalität der Teams verbunden mit umfangreichen Sozial – und Familienleistungen“.

Ausbildung bei der Esa dauert zwölf bis 24 Monate

Durch das „German Trainee Programme“ habe sich die Situation für Spezialisten aus Deutschland bei der Esa bereits deutlich gebessert, auch wenn deren Anteil am gesamten Personal insgesamt immer noch zu niedrig sei, sagt Olivia Drescher-Schwenzfeier. Jedes starten über das Programm zehn Trainees eine zwölf bis 24 Monate dauernde Ausbildung an einem der europäischen Standorte der Esa. Das kann etwa das Europäische Weltraumforschungs- und Technologiezentrum Estec im niederländischen Noordwijk sein, das Hauptquartier in Paris oder das Satellitenkontrollzentrum Esoc in Darmstadt. Bei der Ausbildung handelt es sich um ein sogenanntes „On the Job-Training“ in einem spezifischen Tätigkeitsfelder der Esa. Dazu gehören unter anderem Erdbeobachtung, Satellitenbetrieb, Navigation, Raumfahrtträger, Technologieentwicklung, Robotik, bemannte und unbemannte Raumfahrt, Missionsanalyse, Weltraumschrott oder Planetenforschung. Aber auch rechtliche Angelegenheiten, Finanzen, Personal, PR und Kommunikation zählen dazu.

Für welche Projekte und Abteilungen Trainees jeweils eingestellt werden sollen, entscheiden Experten des DLR und der Esa gemeinsam einmal im Jahr. Bei der Esa werden die Stipendiatinnen und Stipendiaten dann in die laufenden Arbeiten und Projekte ihrer Abteilung eingebunden und auch bereits mit eigenen Aufgaben betraut. Ein erfahrener Tutor steht den jungen Leuten dabei zur Seite. Auch Teilnahmen an Konferenzen, Workshops oder Weiterbildungen sind möglich.

GTP-Programm ist ein Türöffner für den Arbeitsmarkt in der Raumfahrt

„All das sind beste Voraussetzungen, um sich für Jobs bei der Esa, der Industrie oder einer wissenschaftlichen Einrichtung hervorragend zu qualifizieren, betont Olivia Drescher-Schwenzfeier. „Die Erfahrungen aus den ersten zehn GTP-Jahren stimmen optimistisch. Das Programm ist ein Türöffner und macht die Absolventen sehr attraktiv für den Arbeitsmarkt in der Raumfahrt.“ Bisher hat knapp die Hälfte der Trainees nach ihrer Ausbildung einen Job bei der Esa oder bei einem der mit der Weltraumorganisation kooperierenden Unternehmen angetreten, rund ein Drittel arbeitet in der Industrie, etwa 20 Prozent entschieden sich für eine wissenschaftliche Laufbahn.

Besonders wichtig ist es Olivia Drescher-Schwenzfeier auch, mit dem Programm vor allem junge Frauen anzusprechen und sie für die Raumfahrt zu gewinnen. „Und dies gelingt: Unter den 111 Absolventen der vergangenen Jahre sind 37 Frauen, ein erfreulich hoher Anteil für die Raumfahrtbranche, die noch von Männern dominiert wird.“

Guter Einstieg am Satellitenkontrollzentrum Esoc in Darmstadt

Zwei dieser jungen Frauen, die es über das „German Trainee Programme“ zu einer Anstellung bei einer Vertragsfirma der Esa geschafft haben, sind Claudia Dietze, Ingenieurin für Luft- und Raumfahrttechnik, und Denise Schmidt, Geowissenschaftlerin. Beide arbeiten am Satellitenkontrollzentrum Esoc in Darmstadt. „Das Programm war ein guter Einstieg“, sagt Claudia Dietze, „einen Automatismus, dass man im Anschluss einen festen Job bei der Esa bekommt, gibt es aber nicht.“ Denise Schmidt sagt: „Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle. Eigeninitiative, Timing und ein bisschen Glück gehören dazu. Und eine passende Stelle muss zum richtigen Zeitpunkt frei sein.“

Für sie gab es eine im Missionsbetrieb für Erdbeobachtungssatelliten, Claudia Dietze arbeitet in der Flugdynamik, einer hauptsächlich mit Männern besetzten Abteilung. Dort geht es unter anderem um das Berechnen der Satellitenbahnen, also deren Position und Geschwindigkeit, was auch das Programmieren der verwendeten Software beinhaltet, erklärt die 34-Jährige.

Claudia Dietze berechnet Flugbahnen von Satelliten.

Zudem kümmern sich die Spezialistinnen und Spezialisten parallel um Missionen, die bereits im All sind und um solche, die demnächst starten. „Zur Zeit befinden wir uns zum Beispiel in der Vorbereitungsphase für Sentinel-6, einem weiteren Erdbeobachtungssatelliten des Copernicus-Programms, der Ende 2020 starten soll“, erzählt Claudia Dietze. „Am spannendsten sind die Simulationen, in denen wir die Inbetriebnahme des Satelliten nach dem Start und mögliche Störfälle simulieren – und dann später nach dem tatsächlichen Start zu erleben, wie eine Mission sich entwickelt.“

Missionsbetrieb der Esa kontrolliert verschiedene Satelliten im All

Die Tätigkeit der jungen Frau hat sehr viel mit Mathematik und Physik zu tun. So muss exakt berechnet werden, in welcher Bahn ein Satellit fliegen soll, in welcher Höhe und mit wie vielen Stundenkilometern er dabei unterwegs sein muss. Der Ingenieurin kommt das entgegen: „Für mich passt es gut. Ich war schon in der Schule gut in Mathe und Physik und interessiere mich für deren praktische Anwendungen.“

Auch für die Arbeit von Denise Schmidt ist ein „gutes Verständnis für Zahlen und Computersysteme“ wichtig, wie sie sagt. Im Missionsbetrieb der Esa werden verschiedene Satelliten im All betreut – das können Flugkörper im Orbit der Erde genauso sein wie Sonden, die zu ferneren Zielen unterwegs sind, etwa die 2018 gestartete Mission BepiColombo, die sich auf einer sieben Jahre dauernden Reise zum Merkur befindet.

Flugrouten der Satelliten werden genau berechnet

Zwar werden die Flugrouten der Satelliten vorher genau berechnet, trotzdem könne es jederzeit erforderlich werden, dass ein Satellit ein ungeplantes Manöver vollziehen und seine Lage verändern müsse, erklärt Denise Schmidt. Im erdnahen Orbit kann das etwa der Fall sein, wenn sich ein anderer Flugkörper auf Kollisionskurs nähert. Angesichts der mittlerweile herrschenden Dichte von Satelliten und Trümmern in der Umlaufbahn eine reelle Gefahr.

„Dann muss man unter Umständen auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten, zum Beispiel am Wochenende ins Büro kommen und sich an die Konsole setzen, sagt die 31-Jährige: „Das muss man vorher wissen. Die Arbeit hat immer eine gewisse Dringlichkeit.“ Die Bereitschaft dazu ist ebenso wie eine hohe fachliche Expertise Voraussetzung, um in der Raumfahrt zu arbeiten. Auch Claudia Dietze erzählt davon, dass sie regelmäßig jeweils eine Woche lang rund um die Uhr Rufbereitschaft hat. „Man muss dann auch in der Lage sein, nachts um vier Uhr fundierte Entscheidungen zu treffen.“

Die Arbeitssprache bei der Esa ist Englisch – auch dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man eine Karriere in der Raumfahrtbranche anstrebt. Beim Esoc in Darmstadt arbeiten viele verschiedene Nationalitäten. Bei allen kulturellen Unterschieden herrsche eine sehr offene Mentalität, sagt Denise Schmidt. „Gerade bei unserer Arbeit stellt man fest, wie wichtig Fremdsprachenkenntnisse sind“, ergänzt Claudia Dietze – „und wie bereichernd eine internationale Zusammenarbeit sein kann“.

Trainee werden

Ausgeschriebenwerden die Traineestellen auf der Homepage des „German Trainee Programme“ beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt unter www.DLR.de/jobs, in Fachzeitschriften und bei Universitäten. 

Voraussetzungenfür eine Bewerbung sind ein Hochschulabschluss vorzugsweise in einem technischen oder naturwissenschaftlichen Fach (aber auch Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sind möglich) als Master oder PHD, der nicht länger als zwei Jahre zurückliegt. Erforderlich sind zudem sehr gute Englischkenntnisse, die Bereitschaft zur Arbeit in einem internationalen Team und die deutsche Staatsbürgerschaft. Außerdem müssen die Bewerber ein Gesundheitsattest des Hausarztes vorlegen sowie eine Kranken-, Unfall- und private Haftpflichtversicherung für die Dauer der Traineezeit nachweisen. 

Der Stipendiatenvertragmit dem  DLR wird zunächst für die Dauer eines Jahres abgeschlossen. Spätestens drei Monate vor Ablauf beraten Esa und DLR gemeinsam mit dem Trainee die mögliche Verlängerung des Vertrages um weitere zwölf Monate. Neben dem Vertrag mit dem DLR schließt der Trainee eine Dienstvereinbarung mit der Esa ab. 

Jeder Traineewird von einem Programmkoordinator und einem fachliche Tutor betreut.  

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