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Schädelfragmente von Nesher Ramla Homo.
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Schädelfragmente von Nesher Ramla Homo.

Entwicklungsgeschichte

Erweiterte Verwandtschaft

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Ein Forschungsteam entdeckt in Israel Überreste eines bislang unbekannten Urmenschen. „Nesher Ramla Homo“ hat wohl bisher in unser aller Stammbaum gefehlt.

Nesher Ramla Homo“ – diesen Namen hat ein „neuer“ Urmenschen-Typ bekommen, den ein Forschungsteam der Universität Tel Aviv und der Hebräischen Universität Jerusalem in der Nähe von Tel Aviv gefunden hat. Der bislang unbekannte frühe Verwandte von Homo sapiens soll bis vor etwa 120 000 Jahren in der Region Levante gelebt haben. Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schreiben, weist Nesher Ramla Homo Ähnlichkeiten mit anderen archaischen Vertretern der Gattung Homo auf, die vor 400 000 Jahren in Israel und Eurasien vorgekommen sind. An der Entdeckung waren anthropologische, medizinische sowie archäologische Fachleute beteiligt, die Leitung hatte der israelische Anthropologe Israel Hershkovitz. Die Studie wurde im Fachjournal „Science“ veröffentlicht.

„Missing link“ gefunden

Der Knochenfund lege nahe, so die Forschenden, dass zwei Typen von Frühmenschen für mehr als 100 000 Jahre „Seite an Seite“ in der Levante gelebt und „Wissen und Werkzeugtechnologie geteilt“ hätten: Homo Nesher Ramla, der von vor 400 000 Jahren in der Region ansässig gewesen und Homo sapiens, der dort etwa 200 000 Jahre später eingetroffen sei. Der Fund gebe zudem Hinweise in Bezug auf eines der bislang ungelösten Geheimnisse der menschlichen Evolution: die Frage, wie Gene von Homo sapiens Eingang in die Population der Neandertaler gefunden haben, jenen Frühmenschen also, die schon lange vor unseren direkten Vorfahren in Europa gelebt haben. Das israelische Forschungsteam vermutet, dass Homo Nesher Ramla und Homo Sapiens sich vermischt haben und zumindest einige Vorfahren des Neandertaler aus der Levante kamen. Damit stellt das Forschungsteam eine fundamentale und bislang vorherrschende These der Paläoanthropologie in Frage: nämlich die, dass der Neandertaler sich in Europa aus der Frühmenschen-Gattung Homo erectus entwickelt habe.

Die gefundenen Überreste von Nesher Ramla Homo datieren die Forschenden auf ein Alter zwischen 120 000 und 140 000 Jahren. Die Morphologie weise Ähnlichkeiten sowohl mit dem Neandertaler – speziell bei Zähnen und Kiefer – als auch dem frühen Homo sapiens –hier vor allem beim Schädel – auf. Gleichzeitig gebe es aber auch große Unterschiede zum modernen Menschen: So sei insbesondere die Schädelstruktur völlig anders. Nesher Ramla Homo fehle das Kinn – ein exklusives Merkmal von Homo sapiens –, auch seien seine Zähne sehr groß.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten deshalb, ein „missing link“ gefunden zu haben, eine bislang im menschlichen Stammbaum fehlende, aber entscheidende Population. Als relativ gesicherte Erkenntnis gilt, dass sich Homo sapiens in Afrika entwickelt, den Kontinent irgendwann verlassen und über die Levante kommend Europa und Asien besiedelt hat. Wann genau sich das alles abgespielt hat, dazu unterscheiden sich die Einschätzungen.

„Die Entwicklung eines neuen Typus von Homo ist von großer wissenschaftlicher Bedeutung“, sagt Israel Hershkovitz. Der Fund ermögliche eine Neubewertung bereits früher entdeckter humaner Fossilien, füge eine neues Stück im Puzzle der menschlichen Evolution hinzu und helfe, zu Migration der Menschen in der alten Welt zu verstehen. „Die Nasher Ramla-Leute können uns eine faszinierende Geschichte erzählen.“

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