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Ernährung und Gehirn: Wie unser Essen unser Denken beeinflusst

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Von: Sophia Lother

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Das Essverhalten kann das Gehirn beeinflussen, berichten Forschende in mehreren Studien. (Symbolfoto)
Das Essverhalten kann das Gehirn beeinflussen, berichten Forschende in mehreren Studien. (Symbolfoto) © Webum/Imago

Risikobereitschaft, Denkvermögen, geistige Fitness. Studien zeigen: All das könnte durch die Ernährung stark beeinflusst werden.

Frankfurt – Du bist, was Du isst. Diesen oder ähnlich gelagerte Sätze werden im Alltag meist dazu eingesetzt, um eine Person und ihr Essverhalten zu beurteilen. Dabei handelt es sich offenbar keineswegs um eine bloße Phrase, denn auch die Wissenschaft beschäftigt sich damit, wie die Ernährung die menschliche Psyche beeinflussen kann – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Nicht nur die Risikobereitschaft, auch die geistige Leistungsfähigkeit und das Denkvermögen scheinen in Zusammenhang mit der Ernährung zu stehen. Ein Überblick:

Ernährung und Gehirn: Beeinflussen Kohlenhydrate und Proteine unser Denken?

Deutsche Forscherinnen und Forscher veröffentlichten 2021 eine Studie in der Fachzeitschrift Neuroimage, in welcher sie deutliche Zusammenhänge zwischen dem Essverhalten und der Risikobereitschaft ermittelten. An zwei Untersuchungszeitpunkten bekamen Versuchsteilnehmer bestimmte Lebensmittel angeboten. Anschließend wurde ihre Bereitschaft für riskantes Verhalten erhoben. Die Ernährung setzte sich wie folgt zusammen:

Gehirn und Ernährung: Wie die Ernährung die Risikobereitschaft beeinflusst

Mittels Bluttests und funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) wurden 35 männliche Versuchsteilnehmer zu mehreren Messzeitpunkten untersucht. Auch der Körperfettanteil der Probanden wurde in der Studie miteinbezogen. Die Theorie der Forscherinnen und Forscher war, dass die Ernährung Einfluss auf das Level der Plasma-Aminosäure Tryptophan ausübt, und zwar in Abhängigkeit zum Körperfettanteil. Die Aminosäure wiederum erhöht Serotonin-Level im Gehirn erhöht. Das „Glückshormon“ Serotonin wiederum beeinflusst vorangegangenen Studien zufolge die Risikobereitschaft.

Es zeigte sich: Diejenigen, die das Frühstück mit vielen Kohlenhydraten und Proteinen zu sich nahmen und einen geringen Körperfettanteil vorwiesen, waren deutlich risikofreudiger und verspielten größere Geldmengen bei der Erhebung der Risikobereitschaft. Bei Menschen mit hohem Körperfettanteil war das Gegenteil der Fall. Auch innerhalb der Hirnscans zeigten sich Unterschiede: „Im Vergleich zur Versuchsbedingung mit niedrigem Kohlenhydrat-/Proteingehalt zeigten die Teilnehmer der Sitzung mit hohem Kohlenhydrat-/Proteingehalt stärkere Reaktionen auf die Risikoverarbeitung im Gehirn innerhalb des rechten Parietallappens“, erklären die Forschenden in ihrer Studie.

Ernährung und Gehirn: So können Lebensmittel das Denkvermögen beeinflussen

Auch auf die geistige Leistungsfähigkeit kann sich die Ernährung auswirken. Demnach zeigten mehrere Studien, dass Spermidin das Gehirn fit halten könnte. Das Molekül ist beispielsweise in Pilzen, Äpfeln und diversen Hülsenfrüchten und Bohnen enthalten und könnte dem kognitiven Verfall vorbeugen. Dass das Denkvermögen auch durch Ernährung negativ beeinflusst werden kann, zeigte eine im Fachmagazin BMJ Open veröffentlichte Studie aus China.

Hierfür wurden 661 Personen unter 65 untersucht. Es zeigte sich, eine Ernährung mit besonders fett- und protein-reichen Lebensmitteln führte eher zu einer Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit. Wurde der Energiehaushalt eher durch Kohlenhydrate aufgefüllt, war dies nicht der Fall. Die Forschenden geben in ihrer Studie jedoch zu bedenken, dass die Art der Nahrungsfette nicht nochmals genauer untersucht wurden. Hierbei könne sich jedoch herausstellen, dass unterschiedliche Fette auch unterschiedlich auf die Kognition einwirken.

Ernährung könnte also massive Auswirkungen darauf haben, wie geistig leistungsfähig und risikobereit Menschen sind. Bestätigen weitere Studien diese Ergebnisse, dann findet sich in der Phrase „Du bist, was Du isst“, möglicherweise tatsächlich mehr Wahrheit, als es von alltäglichen Redewendungen erwartet wird. (Sophia Lother)

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