Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Auch die Cygnus  soll sich auf den Weg zur ISS machen. Entwickelt wurde sie von dem privaten Unternehmen  Orbital Science.
+
Auch die Cygnus soll sich auf den Weg zur ISS machen. Entwickelt wurde sie von dem privaten Unternehmen Orbital Science.

Private Raumfahrt

Die Erben der Shuttles

Erstmals wird ein von einem kommerziellen Unternehmen gebautes Raumschiff zur Internationalen Raumstation fliegen. Es wird nicht das letzte sein.

Von Thomas Bührke

#image

Eigentlich sollte die von dem Unternehmen SpaceX entwickelte Dragon schon im Juni letzten Jahres ins All fliegen, doch technische Probleme verhinderten dies. Seitdem wurde der Start mehrmals verschoben, derzeit ist er für den 7. Mai geplant, sei aber wegen Software-Problemen derzeit eher unwahrscheinlich, teilte eine Sprecherin von SpaceX mit. Wenn es dann soweit ist, sollen die Triebwerke der ebenfalls von SpaceX gebauten Rakete Falcon 9 zünden und das unbemannte Raumschiff in eine Erdumlaufbahn schießen. Dort soll es an der ISS anlegen und die Astronauten mit Proviant versorgen.

Nachdem die Nasa ihre Space Shuttles aufs Altenteil geschickt hat, können die USA die ISS nicht mehr aus eigener Kraft anfliegen. Deren Versorgung geschieht mit den russischen Progress-Frachtern sowie dem europäischen ATV und dem japanischen HTV. Kritischer sieht es mit dem Transport von Astronauten aus. Sie können nur mit russischen Sojus-Kapseln die Raumstation erreichen. Ein gefährlicher Engpass, den die Russen zudem dazu genutzt haben, den Mitflugpreis innerhalb von drei Jahren von 25 auf 63 Millionen Dollar zu erhöhen.

#gallery

Mit der Entscheidung, das Shuttle-Programm einzustellen, beschloss die US-Regierung eine stärkere Privatisierung der Raumfahrt. Ohne staatliche Unterstützung geht dies allerdings nicht. Der erste Meilenstein in dieser historischen Kehrtwende war das 2006 ins Leben gerufene Programm Commercial Orbital Transportation Services (Cots). Mit einem Gesamtetat von rund 800 Millionen Dollar unterstützt die Nasa Unternehmen bei der Entwicklung von unbemannten Raumtransportern. Ein zweites Projekt namens Commercial Crew Development (CCD) verfolgt dasselbe Ziel für den Bau bemannter Raumschiffe. In beiden Programmen können die Unternehmen auf die jahrzehntelange Erfahrung der Nasa-Ingenieure zurückgreifen.

Am Cots-Programm beteiligen sich nur zwei Unternehmen: SpaceX und die Orbital Sciences Corporation. Das 2002 von dem PayPal-Gründer Elon Musk aus der Taufe gehobene SpaceX hat derzeit eindeutig die Nase vorn. Schon im Dezember 2010 gelang es, eine Dragon-Kapsel in eine Erdumlaufbahn zu bringen und nach zwei Umrundungen an Fallschirmen wieder landen zu lassen. Nach eigenen Angaben soll die Entwicklung der Falcon-Rakete lediglich 390 Millionen Dollar gekostet haben, wovon 253 Millionen aus dem Cots-Programm kamen.

Das hätte keine nationale Raumfahrtagentur hinbekommen. Möglich wurde dies, weil Musk stets gut haushaltet. So hat er in Cape Canaveral von den Militärs günstig eine Startrampe gemietet. Außerdem wird die Falcon im Liegen montiert, weswegen er auf ein hohes Montagegebäude verzichten konnte. Konkurrent Orbital Sciences ist SpaceX jedoch auf den Fersen. Am 6. Juli will das Unternehmen, das seit 30 Jahren im Raumfahrtgeschäft agiert, mit seiner Antares-Rakete eine Kapsel namens Cygnus in eine Erdumlaufbahn bringen. Wenn alles gut geht, soll bereits zwei Monate später eine weitere Cygnus-Kapsel zur ISS fliegen.

Die Nasa sagt 1,6 Milliarden Dollar zu

Trotz zeitlicher Verzögerungen sind beide Unternehmen offenbar auf dem besten Wege, die Versorgung der ISS mit übernehmen zu können. Die Nasa hat SpaceX weitere 1,6 Milliarden Dollar für den Bau von zwölf Dragon-Versorgungsschiffen zugesagt. Noch lange nicht so weit ist dagegen die Entwicklung eines Raumschiffs, mit dem auch Astronauten die ISS erreichen können. Hier müssen viel höhere Sicherheitsanforderungen erfüllt werden.

Im Rennen um die begehrten Fördergelder der Nasa sind noch vier Firmen: SpaceX, das seine Dragon für Astronauten ausbauen will, sowie Boeing, das ein an Apollo-Kapseln erinnerndes Raumschiff entwickelt. Mit interessanten Konzepten warten hingegen Newcomer Blue Origin und die Sierra Nevada Corporation auf.

Blue Origin gehört dem Amazon-Gründer Jeff Bezos, für den die bisherigen CCD-Fördergelder von knapp 26 Millionen Dollar nicht mehr als ein Taschengeld sein dürften. Sein Vermögen wird auf 18 Milliarden Dollar geschätzt. Blue Origin entwickelt einerseits ein kleines wieder verwendbares Raumschiff, das Weltraumtouristen bis in rund hundert Kilometer Höhe bringen und dann auf seiner Startbasis absetzen soll. Dieses Raumschiff namens New Shepard hat bereits im Prinzip bewiesen, dass es mit Rückstoßdüsen punktgenau landen kann. Allerdings musste es wegen einer Fluginstabilität in 14?000 Meter Höhe gesprengt werden.

Gleichzeitig entwickelt Blue Origin ein Raumschiff, mit dem einmal Astronauten zur ISS fliegen sollen. Viel ist darüber bislang nicht bekannt. Offenbar soll es bei der Rückkehr zur Erde an Fallschirmen landen und wieder verwendbar sein.

Den Traum von einem geflügelten Raumschiff setzt einzig die Sierra Nevada mit ihrem Dream Chaser fort. Ihr Konzept beruht auf einem Raumgleiter, den die Nasa Ende der 80er-Jahre entwickelt hat. Er sollte an der ISS angedockt bleiben und den Astronauten als Rettungsfahrzeug dienen. Das Projekt wurde aber aus Kostengründen eingestellt. Jetzt will Sierra Nevada das Fluggerät bauen. Anders als der Shuttle soll es beim Start nicht seitlich an die Rakete angeflanscht, sondern auf der Spitze montiert und im All abgesetzt werden. In der Atmosphäre könnte es manövrieren und wie ein Flugzeug punktgenau landen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare