Bekommen Drehbuchschreiber, Regisseure und Schauspieler eine Vergütung für das werbewirksame Präsentieren des Rauchens?
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Bekommen Drehbuchschreiber, Regisseure und Schauspieler eine Vergütung für das werbewirksame Präsentieren des Rauchens?

Lobbyismus

„Er raucht nur Kräuterzigaretten“

  • vonEckart Roloff
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Tabakkonsum in deutschen Filmen: Vertreter der Branche und die Agentur des Künstlers äußern sich.

Ein FR-Leser aus Zwickau wollte es genau wissen. „Warum“, so fragte er beim Ressort Wissen nach, „ist der Autor Eckart Roloff nicht dieser sehr naheliegenden Frage nachgegangen: Gibt es finanzielle Vergütungen aus der Tabakbranche für Drehbuchschreiber, Regisseure und Schauspieler für das werbewirksame Präsentieren des Rauchens?“ Und weiter: „Das scheint mir eine gesellschaftlich relevante Frage zu sein.“

Das bezog sich auf den Artikel „Qualmen ohne Limit“ (FR vom 15. Oktober 2020). Darin ging es vor allem darum, dass die Werbung für Tabakwaren vom Januar 2021 an in Kinos stark eingeschränkt wird; in den Filmen selbst aber dürfen Schauspieler*innen wie bisher ohne jede Grenze etwa zu Zigaretten greifen. Das ist in sehr vielen Filmen zu sehen. Die Frage aus Zwickau kam im Artikel nicht zur Sprache. Hier erste Antworten dazu.

Nachfrage bei zwei großen Verbänden der Tabakbranche: Für den Deutschen Zigarettenverband teilt Geschäftsführer Jan Mücke kurz und knapp mit: „Es gibt keine derartigen Zuwendungen.“

Für den Verband der Deutschen Rauchtabakindustrie schrieb dessen Pressesprecher Ralf Schneider: „Zuwendungen für Regisseure, Drehbuchautoren, Produktionsleiter und/oder Schauspieler mit dem Ziel, Filme mit Rauch-Szenen zu produzieren, sind selbstverständlich von unserem Verband nie geflossen. Wir lehnen unlautere Methoden wie Schleichwerbung, aggressive Lobbyarbeit und Ähnliches auf das Schärfste ab.“

Schneider fügte in seiner Mail hinzu: „Bitte ziehen Sie ins Kalkül, dass es sich bei Tabak um ein legales Produkt handelt, das in der Lebenswirklichkeit von Millionen Menschen vorkommt. Dass Tabak deswegen in Film und Fernsehen auftaucht, ist ganz normal und nahezu zwangsläufig.“ Das trifft sicher zu, doch zielte der Beitrag auf das exzessive Rauchen, wie es etwa der Krimi „Die Spur der Mörder“ (ZDF, 12. Oktober 2020) vorführte. Da pafft Heino Ferch als Hauptkommissar in fast jeder Szene, sogar dort, wo es längst untersagt ist: in Besprechungsräumen und Lokalen in Gegenwart anderer.

Das führt zur nächsten Recherche. Wie ist das bei Heino Ferch, der ja ein ambitionierter und vielseitiger Sportler ist (darunter Reiten, Fechten, Boxen, Tauchen und Turnen) – raucht er auch privat? Das möchte auch der Zwickauer Leser gern erfahren. Ferchs Agentur antwortet: „Er ist Nichtraucher – im Film raucht er jeweils Kräuterzigaretten.“ Nun ließe sich lange darüber debattieren, ob Kräuterzigaretten nicht auch schädlich sind. Sie enthalten zwar kein Nikotin, jedoch Benzol, Schwermetalle und je nach Produkt zudem Teer. Das würde einen eigenen Artikel verdienen. Dies gilt ebenso für das massenhafte und scheinbar so coole Wegwerfen von Kippen, das Filme oft zeigen; es verursacht enorme Umweltschäden.

Die Agentur fügt noch dies an: Der Hauptkommissar Thiel, den Ferch spielt, „ist eine real existierende Person, die ununterbrochen raucht. Dieses Attribut sollte beibehalten werden.“ Die Anlehnung an jenen oft erfolgreichen Ingo Thiel aus Mönchengladbach und dessen Dauerqualmen kommt im ZDF-Krimi freilich gar nicht vor – und ebenso wenig, dass Ferch „nur“ Kräuter-stängel raucht.

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