Covid-19 ähnelt in vielen Fällen einem normalen Atemwegsinfekt.
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Covid-19 ähnelt in vielen Fällen einem normalen Atemwegsinfekt.

Studie

Entzündungshemmer wie Cortison könnten Corona-Risiko senken

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Eine Corona-Studie des Deutschen Zentrums Immuntherapie widerlegt frühere Annahmen, was das Infektionsrisiko von chronisch Kranken betrifft. Entzündungshemmer spielen dabei eine Rolle.

  • Sind chronisch kranke Patienten und Patientinnen anfälliger für eine Corona-Infektion?
  • Eine Studie widerlegt diese Annahme nun.
  • Entzündungshemmende Medikamente können das Risiko einer Corona-Infektion senken.

Menschen, die an chronisch-entzündlichen Erkrankungen leiden, galten anfangs als Corona-Risikogruppe. Man vermutete, sie könnten sich schneller mit dem Virus anstecken und bei einer Infektion schwerer erkranken als andere. Eine Annahme, die nahezuliegen schien: Bei diesen Patientinnen und Patienten arbeitet das Immunsystem nicht richtig: Es reagiert überschießend und richtet sich gegen körpereigenes Gewebe, was in den entsprechenden Bereichen dann eine chronische Entzündung hervorruft.

Entzündungshemmende Medikamente können Risiko einer Corona-Infektion senken

Zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Erkrankungen zählen Rheumatoide Arthritis, Schuppenflechte oder Darmleiden wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Um die Überaktivität der Körperabwehr auszubremsen, müssen entzündungshemmende Medikamente eingenommen werden, die eine dämpfende Wirkung auf das Immunsystem entfalten. Dazu gehören cortisonhaltige Arzneimittel und als neuere Medikamente Substanzen, die auf molekularer Ebene gezielt regulierend in die Mechanismen der Immunreaktion eingreifen. Sie werden zunehmend eingesetzt. Die Schlussfolgerung lautete, dass diese Arzneimittel aufgrund ihres Eingriffs in das Immunsystem die Patientinnen und Patienten anfälliger für Infektionen und damit auch eine Covid-19-Erkrankung machen.

Doch das scheint nicht der Fall zu sein: Im Gegenteil sieht es eher so aus, dass entzündungshemmende Medikamente das Risiko einer Infektion senken können. Das jedenfalls ergab eine Antikörperstudie des Deutschen Zentrums Immuntherapie (DZI) am Universitätsklinikum Erlangen, an der mehr als 2000 Männer und Frauen teilnahmen. „Patienten mit Morbus Crohn oder der Colitis ulcerosa, die Entzündungshemmer einnehmen, zeigten ein niedrigeres und eben kein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus“, erklären Markus Neurath und Raja Atreya vom DZI und der Klinik für Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie am Universitätsklinikum Erlangen. Auch bei Patientinnen und Patienten mit Schuppenflechte und entzündlichen Gelenkerkrankungen fanden sich keine erhöhten Risiken für eine leichtere Ansteckung und einen schweren Verlauf von Covid-19.

Coronavirus-Symptome unterscheiden sich häufig nicht von anderen Atemwegsinfektionen

Die Erlanger Studie, die im Wissenschaftsjournal „Nature Communications“ veröffentlicht wurde, brachte noch andere Ergebnisse zutage. „Wir fanden heraus, dass die Häufigkeit einer Infektion mit dem neuen Coronavirus in der Normalbevölkerung in Bayern derzeit 2,2 Prozent beträgt“, sagt Georg Schett vom Deutschen Zentrum Immuntherapie. Neun von zehn Corona-Infektionen seien dabei „unterschwellig und ohne größere Symptome verlaufen“. So stellten die Forschenden fest, dass sich die Symptome bei jenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten, oft „grundsätzlich nicht von anderen Atemwegsinfekten unterschieden“, wie David Simon und Koray Tascilar von der Uniklinik Erlangen berichten.

Das könnte vor allem im Herbst und Winter, wenn die klassischen Erkältungskrankheiten wieder zunehmen, problematisch werden. Deshalb sei es „von besonderer Wichtigkeit, solche Symptome angemessen abzuklären und gegebenenfalls eine Virustestung durchzuführen“. Ein möglicher Anhaltspunkt für den Verdacht auf eine Corona-Infektion könnte der Verlust des Geruchssinnes darstellen. Diese Symptomatik habe sich bei Menschen mit Antikörpern gegen das neue Coronavirus deutlich häufiger gezeigt. (Von Pamela Dörhöfer)

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