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Die antarktische Eisdecke könnte vollständig abschmelzen, zeigt eine Studie.

Antarktis

Das Ende des ewigen Eises

Würden alle verfügbaren fossilen Ressourcen von Kohle, Öl und Gas verbrannt, könnte das ein vollständiges Abschmelzen der antarktischen Eisdecke verursachen, zeigt eine Studie. Der Meeresspiegel würde dann um mehr als 50 Meter steigen.

Von Nicole Schmidt

Würden alle verfügbaren fossilen Ressourcen von Kohle, Öl und Gas verbrannt, könnte das ein vollständiges Abschmelzen der antarktischen Eisdecke verursachen – das Ende des ewigen Eises. Das zeigt eine Studie von Forschern am Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und US-amerikanischen Kollegen.

Der Meeresspiegel würde dann um mehr als 50 Meter steigen, weil Arktis-Eis Wassermassen hält, die diesem Anstieg entsprechen. Natürlich würde das nicht über Nacht geschehen, sagt Ricarda Winkelmann, Leiterin der Studie. „Aber der springende Punkt ist, dass unser heutiges Handeln das Gesicht der Erde, so wie wir sie kennen, noch auf Zehntausende von Jahren verändern kann“. Fazit: „Wenn wir eine eisfreie Antarktis verhindern wollen, müssten wir Kohle, Gas und Öl in der Erde lassen“.

Nach ihren Berechnungen hätte eine Verbrennung aller verfügbaren fossilen Reserven 10 000 Milliarden Tonnen Co2-Emissionen zur Folge hätte. Die Antarktis würde als Reaktion darauf über die nächsten zehntausend Jahre Eis verlieren mit einem Meeresspiegelanstieg von bis zu drei Metern pro Jahrhundert in den ersten tausend Jahren.

Ob man solche langfristigen Vorhersagen überhaupt durch Simulationen treffen kann? Durchaus, sagt Winkelmann. Sie berücksichtigten den Einfluss der Erwärmung von Luft und Wasser genauso wie mögliche Wechselwirkungen, die Eisverlust und Schmelzprozesse beschleunigten könnten und verstärkten Schneefall in der Antarktis durch die Erwärmung, der einen Teil des Eisverlusts ausgleichen könnten.

Die Simulationen zeigten auch, dass selbst eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf zwei Grad das Risiko einer Destabilisierung der Westantarktis bereits erhöhe. Das Risiko nehme mit jedem zusätzlichen Zehntel eines Grades Erwärmung zu. Die Westantarktis sei vielleicht bereits in einen Zustand unaufhaltbaren Eisverlustes gekippt – ob durch menschlichen Einfluss oder nicht. „Wollen wir Küstenstädte wie Tokio, Hong Kong, Schanghai, Kalkutta oder New York als Erbe bewahren, müssen wir ein Kippen der Ost-Antarktis verhindern.“

Gelinge es, die Zwei-Grad-Schwelle nicht zu überschreiten, könnte der langfristige Beitrag der Antarktis zum Meeresspiegelanstieg auf einige, vielleicht noch handhabbare, Meter beschränkt werden. In einer Welt jenseits dieser Schwelle aber würde der Meeresspiegelanstieg langfristig wahrscheinlich durch den Eisverlust der Antarktis dominiert werden. Derzeit trage sie weniger als zehn Prozent zum globalen Meeresspiegelanstieg bei.

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