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Ende einer Präsidentin

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Monika Auweter-Kurtz verlässt die Uni Hamburg - die Querelen um ihre Person haben ein Ende. Von Hermann Horstkotte

Von HERMANN HORSTKOTTE

An diesem Wochenende ist nach zweieinhalb Jahren voller Ärgernisse Schluss mit der Hochschulleitung von Monika Auweter-Kurtz. Das meldete das Hamburger Abendblatt Freitagmorgen direkt aus dem Rathaus, der Umgebung des Ersten Bürgermeisters Ole von Beust. "Wir hoffen, dass es mit dem förmlichen Abschied jetzt nicht noch Tage dauert", erläutert Timo Friedrichs, der Sprecher des Wissenschaftsministeriums.

Die juristischen und finanziellen Verhandlungen über einen Rücktritt und / oder einen Aufhebungsvertrag für die Ingenieurin waren am Freitag noch nicht abgeschlossen. Der Hochschulrat der Uni hat ihr bis Sonntag Zeit gegeben, freiwillig aus dem Amt zu scheiden. Kommissarisch übernimmt bis Ende des Monats der Erste Vizepräsident die Hochschulleitung, der Philologe Holger Fischer. Ab Juli ist turnusgemäß die Kriminalistin und Zweite Vizepräsidentin Gabriele Löschper an der Reihe. Der Hochschulrat muss die Stelle dann international ausschreiben.

Strenges Regiment

Die Präsidentin ist sowohl an ihrer autoritären Amtsführung als auch an ihren hochschulpolitischen Zielen gescheitert. Sie wollte die traditionell kollegiale Führung durch ein hierarchisches Regiment ersetzen. Schon im März 2008 war es zu einem großen Krach gekommen: Wegen angeblicher Kompetenzüberschreitung bei Berufungsverhandlungen hatten die Rechts-, Geistes- sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultäten eine Klage gegen die Präsidentin vor dem Verwaltungsgericht gefertigt. Die Klageschrift, die der FR vorliegt, liest sich wie ein filmreifes Drehbuch über Rambo im Elfenbeinturm. Unter Tränen soll Auweter-Kurtz Besserung gelobt und so einen Prozess abgewendet haben.

Die schwelenden Konflikte brachen im Mai dieses Jahres offen aus. Die Geisteswissenschaften hatten einen neuen Dekan gewählt, der von Rechts wegen auf die Bestätigung durch die Präsidentin angewiesen ist. Die aber sagt bis heute nein. Lehrende und Lernende sammelten seither Unterschriften für eine Abwahl.

Gleichzeitig stellte sie sich selber ein Bein, weil sie die Zukunft der Hochschule mit der Stadtplanung verband: Die Präsidentin setzte sich voreilig für eine völlige Verlagerung vom Stadtteil Eimsbüttel ins Hafengebiet ein. Dabei hatte die aus Stuttgart zugereiste Unichefin aber verkannt, dass wichtige Bildungspolitiker aller großen Rathausparteien im alten Hochschulviertel gewählt werden, unter anderem Krista Sager (Grüne).

Angesichts der öffentlichen Unruhe um die Präsidentin stoppte die Regierungskoalition von CDU und Grünen Mitte Juni ein neues Wissenschaftsförderungsgesetz, das die Hochschulleitung gegenüber den Fakultäten weiter gestärkt hätte. Vielmehr soll jetzt überprüft werden, ob das bestehende Gesetz dem Präsidium nicht zu viel Gewicht gegenüber den Fakultäten gibt. Mit dieser Kehrtwende in der hohen Politik wird aus einer machtvollen Präsidentin eine "lahme Ente". Die Zeit war reif für Konsequenzen.

Die Dekane der einzelnen Fachbereiche triumphieren. Sie sind jetzt so stark wie lange nicht mehr. Ihr Ideal von der Universität als einem nur lose verkoppelten System unterschiedlicher Lernkulturen hat sich durchgesetzt. Der Wunsch- oder Alptraum von der durch Manager effektiv und effizient geführten Wissensfabrik ist geplatzt. Jedenfalls in Hamburg. Der Hansestadt hat Auweter-Kurtz bereits den Rücken gekehrt.

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