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Wachmacher in Gefahr

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Von: Joachim Wille

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Kaffeeanbau in Brasilien: Selbst bei moderaten Erwärmungsszenarien bis 2050 werden sich entsprechende Gebiete erheblich verändern.
Kaffeeanbau in Brasilien: Selbst bei moderaten Erwärmungsszenarien bis 2050 werden sich entsprechende Gebiete erheblich verändern. © dpa

Kaffee ist einer der beliebtesten Konsumgüter – doch der Wachmacher ist in Gefahr. Eine Kolumne.

Rund 164 Liter Kaffee trinkt jeder von uns im Jahr. Das heißt, eigentlich noch mehr, denn in der Statistik sind Kinder und bekennende Nicht-Kaffee-Trinker:innen mitgezählt. Pro Tag sind das drei Tassen Minimum – alle Nachrichten, die das beliebteste Heißgetränk der Deutschen betreffen, sollten uns also interessieren.

Hier ist die jüngste. Sie betrifft den Klimawandel und seine Folgen für die Kaffeeschlürfer. Neue Forschungen zeigen, dass sich die Anbaugebiete der Kaffeesträucher weltweit selbst bei moderaten Erwärmungsszenarien bis 2050 erheblich verändern werden. Höhere Temperaturen und neue Niederschlagsmuster bewirken danach in manchen Regionen eine Schrumpfung der Anbaufläche, in anderen eine Ausdehnung.

Weniger Flächen für Kaffee

Doch das heißt nicht, dass man sich mit einer dampfenden Tasse in der Hand zurücklehnen kann. Denn die Studie zeigt, dass ausgerechnet die am besten geeigneten Flächen in vielen wichtigen Erzeugerländern in den nächsten Jahrzehnten stark schrumpfen werden. So wird der weltweit größte Kaffeeproduzent Brasilien voraussichtlich fast 80 Prozent seiner besten Anbauflächen für die Arabica-Bohne verlieren, so das Forschungsteam von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Kein Wunder also: In den meisten der wichtigen Anbauregionen werden Anpassungsmaßnahmen erforderlich sein, um Mengen und Qualitäten zu erhalten – und damit Einkommen für die Produktionsländer. Neue Konzepte der Landbewirtschaftung und selektive Züchtung nennen die Forscher:innen hier.

Die Sache ist dringend. Denn „massive Anstrengungen“ seien nötig, mahnt ein anderer Experte, Christian Bunn, der sich die Studie angeschaut hat. Er erläuterte im Klima-Infodienst „Carbon Brief“: „Will man für 2050 anbauen, muss man jetzt einen Schattenbaum pflanzen. Man kann ihn nicht in zehn Jahren pflanzen, man muss ihn jetzt pflanzen.“

Bunn, der am International Center for Tropical Agriculture in Kolumbien arbeitet, warnt: Werden keine Anpassungsmaßnahmen ergriffen, wird die Kaffeeproduktion in neue, bisher vielfach noch bewaldete Gebiete verlagert. Auf den früheren Kaffeeflächen würden dann wahrscheinlich Feldfrüchte angebaut, und die hätten ein „weitaus geringeres CO2-Speicherpotenzial“ als Kaffeesträucher. Anpassen ist also gut fürs Klima und den Wachmacher in der Tasse.

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