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Eine Schule für alle Kinder: Inklusion ist laut den Vereinten Nationen ein Menschenrecht.

Eltern wollen die Wahl haben

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Eine neue Studie über das gemeinsame Lernen von Schülern mit und ohne Beeinträchtigungen.

Kinder dürfen nicht wegen einer Beeinträchtigung daran gehindert werden, eine normale Grundschule oder weiterführende Schulen zu besuchen. Das soll ihnen Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention garantieren. „Jedes Kind ist anders“, heißt eine Studie der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, die von der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in Berlin vorgestellt wurde. Die nicht-repräsentative Studie beschäftigt sich mit den Einstellungen von Eltern, deren Kinder sonderpädagogischen Förderbedarf haben.

Wichtige Ergebnisse in Fragen und Antworten:

Wollen Eltern von Kindern mit Behinderung gemeinsamen Unterricht mit anderen Altersgenossen überhaupt?
Die Idee vom gemeinsamen Lernen genießt bei den Eltern grundsätzlich ein hohes Ansehen. Konkret lässt die Befragung durch die Adenauer-Stiftung ein differenziertes Bild erkennen: Eltern, deren Kinder nur gering oder rein körperlich beeinträchtigt sind, möchten, dass ihr Kind in eine so genannte Regelschule geht. Ist das Kind hingegen schwer behindert, insbesondere geistig, schicken die Eltern ihr Kind oft auf eine Förderschule. „Es gibt wirklich Kinder, die haben Behinderungen, wo ich sage, das ist in der Grundschule wunderbar“, wird ein Elternteil in der Studie zitiert. „Aber für meinen Sohn mit seinen Problemen ist das zu viel mit so vielen anderen Menschen.“

Welche Vor- und Nachteile sehen Eltern, wenn sie ihr behindertes Kind in eine ganz normale Schule oder in eine Förderschule schicken?
Eltern, deren Kind auf eine Förderschule geht, befürchten, dass ihr Kind in anderer Umgebung das Gefühl ständigen Scheiterns hätte. Sie haben Angst, dass die Altersgenossen zu wenig Rücksicht nehmen würden. Wer sein Kind mit nicht-behinderten Mädchen und Jungen in den Unterricht schickt, setzt hingegen darauf, dass es dort vielfältige soziale Kontakte schließt. Viele dieser Eltern erklären ausdrücklich, sie hätten Angst, ihr Kind könnte nach dem Besuch einer Förderschule ein Leben lang ausgegrenzt werden. Durch ihre Schulwahl rechnen sie sich bessere berufliche Chancen für ihr Kind aus.

Welche Bedeutung wird einem Schulabschluss zugemessen?
Die übergroße Mehrheit der Eltern ist leistungsorientiert und möchte, dass ihr Kind einen Abschluss macht. Die Förderschule jedoch verlassen bisher fast drei Viertel der Schüler ohne. Kramp-Karrenbauer fordert, dafür einen eigenen Abschluss einzuführen – etwa eine „qualifizierte Bescheinigung“, in der erklärt werde, welche Fähigkeiten die Kinder entwickelt haben.

Welche Stärken und Schwächen hat die Studie?
Die Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung ist nicht repräsentativ. Im Herbst 2014 wurden 304 Interviews anhand eines standardisierten Fragebogens geführt und aus diesem Kreis 30 Personen für vertiefende Gespräche ausgewählt. Eltern mit höheren Bildungsabschlüssen sind unterrepräsentiert. Die Studie erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, gibt aber durch die Einzelinterviews Einblicke in das Leben von Eltern behinderter Kinder.

Was ergeben andere Studien?
Eine im Juli veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass 68 Prozent der Eltern, deren Kinder eine inklusive Schule besuchen, mit der individuellen Förderung ihrer Kinder zufrieden sind. Das sagen nur 58 Prozent der Eltern, deren Kinder eine nicht-inklusive Schule besuchen. Diese Ergebnisse sind repräsentativ. Anders als für die Adenauer-Stiftung wurden hier aber Eltern allgemein befragt, nicht speziell solche mit behinderten Kindern. Interessant ist hier also, dass auch Eltern von Nicht-Behinderten meinen, dass ihre Kinder vom gemeinsamen Lernen profitieren können – sei es unter sozialen Gesichtspunkten oder auch, weil das Lehrpersonal stärker auf individuelle Förderung eingestellt ist. Ein Ergebnis, das die Bertelsmann-Studie mit jener der Adenauer-Stiftung gemeinsam hat: Eltern, deren Kinder bereits auf inklusive Schulen gehen, stehen dem Konzept positiver gegenüber als jene, die keine Erfahrungen damit haben.

Was können Bildungspolitiker aus den Studien lernen?
„Es sind immer nur die normalen Familien im Gespräch. Aber die, wo wirklich Bedarf haben, wie behinderte Kinder, unsere Kinder, das ist alles im Hintergrund“, beschwert sich ein Elternteil in der Adenauer-Studie. Deutlich wird, dass viele Bedenken gegenüber der Inklusion, aus der Angst entstehen, Kinder erhielten beim gemeinsamen Unterricht zu wenig Förderung. Eine angemessene Ausstattung von Schulen mit Lehrern und Sozialpädagogen kann Eltern diele Ängste nehmen.

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