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Corona: Einige Menschen sehr lange infektiös – „Ernstes Risiko für die öffentliche Gesundheit“

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Von: Pamela Dörhöfer

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Kunststoffröhrchen mit Corona-Abstrichen stehen nach dem PCR-Test in einem Labor.
Kunststoffröhrchen mit Corona-Abstrichen stehen nach dem PCR-Test in einem Labor. © Andreas Arnold/dpa

Eine Studie aus Großbritannien zeigt: Ein modifizierter PCR-Test kann feststellen, wie aktiv Coronaviren in einer positiven Probe sind.

Frankfurt – Für Menschen, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben oder Kontakt zu einem Infizierten hatten, endet in Deutschland die Isolation oder die Quarantäne nach zehn Tagen – mit der Möglichkeit, sich nach frühestens sieben Tagen „freizutesten“. In Großbritannien wurde die Selbstisolation gerade auf fünf Tage verkürzt.

Ein Forschungsteam unter Leitung der University of Exeter Medical School (England) hat jetzt herausgefunden, dass von zehn Menschen mindestens einer auch nach zehn Tagen noch „klinisch relevante Konzentrationen“ an potenziell infektiösen Coronaviren aufweist, wie die beteiligte Molekulargenetikerin Lorna Harries erklärt. Die Studie wurde im Fachmagazin International Journal of Infectious Diseases veröffentlicht.

So lief die Studie zur Corona-Infektiosität ab

Für die von der Stiftung „Animal Free Research UK“ (Forschung ohne Tierversuche) finanzierte Arbeit verwendeten die britischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen modifizierten PCR-Test, der nicht nur die Menge der enthaltenen Coronaviren feststellen können soll, sondern auch, ob der Erreger noch aktiv ist. Das Verfahren wurde bei Proben von 176 Männern und Frauen angewendet, deren Infektion vorher durch einen PCR-Test nachgewiesen worden war.

Sämtliche Proben stammen allerdings aus dem Jahr 2020, die meisten dürften demnach mit dem Wildvirus oder der Alpha-Variante infiziert gewesen sein. Die Ergebnisse lassen sich also nicht uneingeschränkt auf Omikron übertragen. So deutet etwa viel darauf hin, dass die Inkubationszeit (das Fenster zwischen Infektion und Infektiosität) kürzer als bei früheren Corona-Varianten ausfällt; möglicherweise gilt das auch für die Zeitspanne, in der jemand ansteckend ist,

Corona: Einige Personen nach längerer Zeit noch infektiös

Die Untersuchung der Proben ergab, dass 13 Prozent dieser Menschen auch nach zehn Tagen immer noch eine so hohe Viruskonzentration in ihren Schleimhäuten hatten, dass sie möglicherweise noch infektiös waren. Bei einigen sollen sich diese hohen Werte sogar bis zu 68 Tage lang gezeigt haben. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler plädieren deshalb dafür, einen solchen modifizierten PCR-Test in sensiblen Bereichen anzuwenden – etwa, wenn Genesene in Pflegeheime zurückkehren, wie Studienautor Merlin Davies laut einer Mitteilung der University of Exeter sagt.

Denn Menschen, die nach zehn Tagen weiterhin infektiös seien, könnten „ein ernstes Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellen“. In Folgestudien solle das weiter untersucht werden. Bislang ist nicht vollständig geklärt, unter welchen Voraussetzungen manche Menschen viele anstecken, während andere wiederum kaum infektiös zu sein scheinen.

Bei dem verwendeten Test handelt es sich um ein Verfahren, das mit Hilfe der PCR-Technik „subgenomische RNA“ identifiziert. PCR-Tests funktionieren, indem sie mithilfe der Polymerasekettenreaktion das Genmaterial eines bestimmten Erregers, nach dem in einer Probe gesucht wird, vervielfältigen. So lassen sich auch geringste Spuren von DNA oder – im Falle von Sars-CoV-2 – RNA finden. Der CT-Wert lässt zudem Rückschlüsse zu, wie lange ein Virus braucht, um sich zu vervielfältigen – je höher, desto mehr Zeit, umso geringer ist entsprechend die Virenkonzentration.

Was kann gegen die Corona-Gefahr getan werden?

Gegenüber dem britischen Science Media Centre erklärt die Infektiologin Nathalie MacDermott vom King’s College London, was an dem in der Studie eingesetzten Test anders ist: Die von ihm gesuchte subgenomische RNA werde „von Viren produziert, die sich aktiv replizieren und daher als lebendes und potenziell infektiöses Virus angesehen werden können“. Standard-PCR-Techniken seien bei der Identifizierung von Sars-CoV-2-RNA zwar „sehr genau“. Diese RNA könne jedoch sowohl in Proben mit lebenden, replizierenden Viren als auch in solchen mit nicht replizierenden Virusresten identifiziert werden. Im ersten Fall wäre jemand noch infektiös, im zweiten nicht.

„Die Fähigkeit, replizierende und potenziell infektiöse Viren zu identifizieren, wäre sehr nützlich, um festzustellen, ob es für Einzelpersonen sicher ist, ihre Isolationsphase zu beenden“, sagt die Medizinerin. Das wäre insbesondere bei Menschen wichtig, „die mit gefährdeten Bevölkerungsgruppen im Gesundheits- und Pflegesektor arbeiten“ oder vulnerable Familienmitglieder besuchen möchten. (Pamela Dörhöfer)

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