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Von Gleichberechtigung der Geschlechter ist die Arbeitswelt von heute noch weit entfernt. Doch es gibt Positivbeispiele: Kosmetikhersteller L’Oréal hat nach eigenen Angaben einen Frauenanteil von 46 Prozent in den oberen Führungsetagen.

Frankfurt

So kann die Arbeitswelt von morgen aussehen

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In Frankfurt diskutieren Experten, wie die Arbeitswelt und die Hochschule in den kommenden Jahren aussehen werden.

Die Zukunft hat einen Ort: Zwei Tage lang konnten an der Frankfurt University of Applied Sciences Studierende und Mitarbeiter insgesamt 39 Vorträge verschiedener gesellschaftlicher Akteure zu wichtigen Fragen besuchen, um neue Visionen für die Arbeitswelt von morgen zu entwickeln. Von dem „innovativen, ganz neuen Format der Zukunftswerkstatt“ verspricht sich Hochschulpräsident Frank Dievernich entscheidende Impulse für die künftige Profilbildung seiner Hochschule, die er gemeinschaftlich mit allen Beteiligten erarbeiten möchte.

Ob künstliche Intelligenz, Kultur, Europa, Digitalisierung, Tourismus oder Krankenhäuser: Aus den verschiedensten Bereichen stellten Referenten am Dienstag und Mittwoch in Frankfurt sich abzeichnende Weichenstellungen vor. Hochschulpräsident Dievernich verfolgt mit dem Format das Ziel, Studienangebote etwa zu Sozialer Arbeit, Pflege oder dem Ingenieurwesen abzustimmen auf gesellschaftliche Veränderungen – denn „grundsätzlich sind Probleme für uns als Hochschule im positiven Sinn eine Einladung zum Mitwirken“.

Davon hänge beispielsweise ab, wie viele Professuren auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz mit welchem Schwerpunkt geschaffen werden könnten oder ob man ein Fach wie Ethik neu einrichten sollte. Besonders wichtig ist Dievernich aber die Persönlichkeitsentwicklung, die Allgemeinbildung und die Fähigkeit zum kritischen Denken der rund 15.000 Studierenden an der Fachhochschule; notwendig sei dafür etwa in der Lehre ein besserer Betreuungsschlüssel. „Ein Riesenthema ist auch die Digitalisierung der Hochschule.“ Das betreffe eine effiziente Verwaltung ebenso wie das digitalgestützte, ortsunabhängige Lernen. Die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt fließen ein in Verhandlungen mit dem Land Hessen zur finanziellen und strategischen Ausrichtung im Rahmen des Hochschulpakts und des Hochschulentwicklungsplans.

Transparente Karrierewege

Eine beeindruckende Bandbreite an Themen deckten die Vortragenden ab: Der Klimawandel stand auf der Agenda, aber auch die Zukunft der Automobilindustrie, des Flughafens und der Medizin. Mit der Frage, wie man mit Frauen erfolgreich die Zukunft gestaltet, beschäftigte sich Mona Szyperski vom Verein „Digital Media Women“, der 2010 in Hamburg gegründet worden ist und aktuell in neun Städten vertreten ist (www.digitalmediawomen.de). Mittlerweile zähle er schon rund 22.000 Mitglieder, die sich viel über Facebook und Twitter austauschen. „Unser Ziel ist in der Arbeitswelt die Vielfalt und Gleichberechtigung der Geschlechter zu fördern“, betont Szyperski. Zahlreiche Studien belegten, dass gemischte Teams wirtschaftlich erfolgreicher seien.

Derzeit sucht der Verein für seine #30mit30-Kampagne 30 Unternehmen in Deutschland, die einen Frauenanteil von mehr als 30 Prozent in den höchsten drei Führungsebenen haben. Spitzenreiter ist bisher der Kosmetikhersteller L’Oréal mit einem Frauenanteil von 46 Prozent in den oberen Führungsetagen. Positive Beispiele seien zudem die IT-Firmen Andagon und Thoughtworks.

„In eineinhalbstündigen Interviews haben wir versucht herauszufinden, woran das liegt“, berichtet Szyperski, die als Marketingspezialistin für ein Frankfurter Start-Up arbeitet. Das Ergebnis: Schon bei der Bewerberauswahl und der Ausschreibung sei es wichtig, auf die Wortwahl und Bildsprache zu achten. Eine Firma gestattete sogar einem Team ein Mitspracherecht, wer am besten zu ihnen passe. Bei der Führungskultur sei es entscheidend, dass die eingeforderte „Eigenverantwortung klar kommuniziert und vorgelebt wird“, betont Szyperski. „Karrierewege sollten transparent für alle aufgezeigt werden ebenso wie die entsprechenden Weiterbildungen.“

Aber auch mit Workshops für Mitarbeiter kann versucht werden, die eigenen Stereotypen aufzubrechen. So habe eine Gruppe etwa die Aufgabe bekommen, einen Lebenslauf des fiktiven Kollegen Ali aus Köln zu schreiben.

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