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Gibt es für Forscher muslimischer Herkunft Probleme bei der Einreise, steht der Austausch auf der Kippe.

Wissenschaft unter Trump

Eine Gefahr für die ganze Welt

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Forschungsergebnisse in den USA könnten künftig einer politischen Zensur unterliegen.

Barack Obama hat ja alles versucht. Schmelzende Gletscher erklettert, die Klimaforschung ausgebaut, einen Physik-Nobelpreisträger zum Energieminister gemacht. Zuletzt betätigte sich der scheidende US-Präsident dann auch noch als Wissenschafts-Autor. In einem Artikel im renommierten Magazin „nature“ schrieb er seinem Nachfolger Donald Trump zu dessen Amtsantritt etwas ins Stammbuch: „Untermauert durch eine Fülle wissenschaftlicher Nachweise wissen wir seit langem, dass bei der Eindämmung des Klimawandels tatsächlich die Zeit drängt und das Problem nicht ignoriert werden kann.“

Trump hat das nicht gelesen. Oder bewusst ignoriert. Als eine der ersten Amtshandlungen ließ er Infoseiten zum Klimawandel von der Website des Weißen Hauses nehmen, stattdessen findet sich dort nun sein fossiler „America First Energy Plan“. Demnächst steht die Neubesetzung des Chefpostens bei der US-Umweltbehörde EPA mit ihren 17 000 Mitarbeitern an. Scott Pruitt soll es werden, der Bock damit zum Gärtner. Pruitt ist Klimawandel-Leugner, und er war in seiner Zeit als Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Oklahoma einer der Hauptkämpfer gegen Obamas Klimaschutzpolitik – unter anderem mit Klagen gegen schärfere EPA-Standards für Kohlekraftwerke. Trumps Team hat angekündigt, die EPA-Manpower zu halbieren, und auch bei der Weltraumbehörde Nasa und der Wetter- und Klimabehörde NOAA sorgen sich viele, künftig nicht mehr frei forschen zu können. Schon im Dezember hatten Wissenschaftler damit begonnen, ihre Daten zu kopieren und in Sicherheit zu bringen.

Seit der Präsidenten-Milliardär gewählt ist, der den Klimawandel einmal als Erfindung der Chinesen bezeichnet, einen Einreisestopp für Menschen aus sieben islamischen Ländern erfand, der auch viele Studenten und Forscher treffen würde, und einen eingefleischten Impfgegner Gehör schenkt, geht unter den Wissenschaftlern die Angst um. Vor allem natürlich in den USA, aber auch in vielen anderen Ländern, die mit der großen Forschungsnation eng verbunden sind. Man sorgt sich, dass Trump aus den USA ein Amerika der Ignoranz machen könnte, in dem wissenschaftliche Ergebnisse einer politischen Zensur unterliegen und „alternative Fakten“ gewünscht sind.

Marschieren gegen Trump

Die Sorgen sind so groß, dass viele Wissenschaftler ihre politische Zurückhaltung aufgeben. So wird in den USA am 22. April, dem alljährlich begangenen „Tag der Erde“, in Washington und über anderen 100 Städten in und außerhalb der USA ein „March for Science“ stattfinden. Der Zuspruch ist riesig. Binnen weniger Tage konnten die Initiatoren auf Facebook und Twitter Hunderttausende Unterstützer gewinnen, und so werden mehrere Zehntausend Teilnehmer erwartet, eventuell noch mehr. Der Aufruf formuliert deutlich: „Politiker, die weder Tatsachen noch Sachverstand anerkennen, gehen das Risiko ein, dass sie realitätsfremde Entscheidungen treffen.“ Und: „Eine US-Regierung, die die Wissenschaften ignoriert, um ihre ideologische Agenda durchzuziehen, ist eine Gefahr für die ganze Welt.“

Auch in Deutschland findet der Aufruf zu einem „Science March“ viel Resonanz. „Der Zuspruch ist außerordentlich groß. Innerhalb nur einer Woche haben wir Rückmeldungen aus zehn großen deutschen Städten bekommen“, berichtet Mit-Initiator Claus Martin, ein Autor aus Bochum. Auch die hiesigen Trump-Kritiker treiben die Sorge um, dass mehr auf den Spiel steht als nur die Höhe von Forschungsetats oder Professorenjobs.

„Der konstruktive Dialog ist eine elementare Grundlage unserer Demokratie. Wenn wissenschaftlich anerkannte Fakten angezweifelt, relativiert oder „alternativen Fakten“ gegenübergestellt werden, gerät diese Grundlage ins Wanken“, sagt Martin. „Daher betrifft eine solche Entwicklung nicht nur Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, sondern unsere Gesellschaft als Ganzes.“

Der große Zuspruch zu der „Science-March-Bewegung“ dürfte mit dafür verantwortlich sein, dass sich inzwischen auch immer mehr traditionelle Wissenschaftsorganisationen und Politiker in die Debatte einschalten – in den USA wie hierzulande. Bei der Vorstellung der „Internationalisierungsstrategie“ des Bundesregierung in der Forschungspolitik warnten Experten vorige Woche vor einer drastischen Abwertung der Wissenschaften unter Trump. Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), Martin Stratmann, sagte: „Es gibt die Befürchtung, dass es die Grundlagenforschung und bestimmte thematische Felder wie die Klimaforschung schwerer haben werden“.

Eine weiterhin exzellente US-Wissenschaft lebe aber vom Zuzug junger Wissenschaftler aus anderen Ländern. „Es wäre schädlich für ihren Erfolg, würde sie ihre enorme Strahlkraft einbüßen.“ Die MPG betreibt in den USA auch Forschungsstätten, die je zur Hälfte von der Bundesrepublik und den USA finanziert werden. Auch die Leiterin des Deutschen Historischen Instituts in Washington, Simone Lässig, befürchtet einen „neuer Isolationismus“ unter der neuen US-Regierung. Das könne bedeuten, dass Geld für Konferenzen oder Stipendien gekürzt und der wissenschaftliche Austausch erschwert werde.

Problem auch für Deutschland

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) wiederum warnte davor, dass die US-Wissenschaftspolitik sich radikal verändern und auch deutsche Interessen verletzen könnte. „Wir werden aber sicherlich ein Auge darauf haben, wie künftig bilaterale Vereinbarungen für Forschungskooperation aussehen sollen“, sagte sie in einem Interview.

Dabei gehe es auch um Patente und Verwertungsrechte. Mit Blick auf die Sorge, in der Ära Trump könnten Daten etwa zum Klimawandel „verschwinden“ lassen, sagte sie: „Es ist wichtig festzulegen, wer den Zugriff auf Rohdaten bei Forschungsprojekten hat. Da müssen auch deutsche Interessen auf jeden Fall gewahrt bleiben.“ Doch Wanka gewann dem Ganzen auch Positives ab. Sie deutete an, dass sich Deutschland für potenzielle Top-Bewerber aus der US-Forschung und Lehre attraktiv aufstellen will.

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